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Im Test: Mars War Logs – Der Mars in ferner Zukunft…

Die Ideale der Menschen haben den Roten Planeten noch roter gefärbt. Äonen Jahre des Krieges hinterlassen ihr Spuren und zurück bleibt eine Gesellschaft aus Verfall und Glaube, Glaube, dass irgendwann zu alten Tugenden zurückgefunden werden kann.

In Mars War Logs folgen wir zwei Individuen, die in einer vom Krieg gezeichneten Einöde versuchen ein neues Leben zu beginnen. Zum Ende des bewaffneten Konfliktes  zweier Großmächte lernen sich der abgeklärte Roy Temperance und der unerfahrene Innocence Smith inmitten eines Kriegsgefangenenlagers auf dem Mars kennen. Nach einer gemeinsamen Flucht begeben sich die beiden auf eine Reise in Roys Vergangenheit und versuchen gleichzeitig für Innocence und insbesondere für den Mars, gefangen zwischen einem totalitären Regime und einer revolutionären Widerstandbewegung, eine lebenswerte Zukunft zu erschaffen. Doch eins ist Gewiss, in solch einer Welt ist es die Unschuld, die zuletzt stirbt.

Wachen mit Pfeilen im Bein…
…ist kein Phänomen, welches alleine in The Elder Scrolls: Skyrim vorzufinden ist. Auch in Mars War Logs wird eine lebhafte Welt mit vielerlei unterschiedlichen NPCs simuliert. Zwar kann dabei die Qualität eines Vollpreisspiels nicht erreicht werden, zum Beispiel lassen sich keine NPCs finden, die sich in Konversationen versuchen und über das Wetter oder Mudcrabs reden, aber für einen Budget-Titel, der sich selbst als Short Story versteht, kann das simulierte Leben des Mars, mit seinem herumlaufenden Bewohnern, mehr als überzeugen.

Das Spiel entfaltet seine Story in einem linearer Rahmen und erlaubt lediglich zum Schluss die Wahl zwischen zwei Finalsträngen. Bis dahin werden euch eure Entscheidungen jedoch auf unterschiedliche, wenn auch überschaubare Pfade lenken. Abschließend wir ähnlich der Fallout-Spiele ein Epilog eure Entscheidungen Review passieren lassen. Mit einer Spielzeit von ca. 10 Stunden und wählbaren Schwierigkeitsgraden kann sich Mars War Logs in diesem Aspekt jederzeit mit einem Vollpreisspiel messen.

Aufgebaut in voneinander abgetrennten Hubs, begeben wir uns im Stile eines Vampire the Maskerade: Bloodlines oder eines Deus Ex durch 3 großangelegte Kapitel, die uns durch mehrere Schauplätze des Mars-Settings führen, uns aber nie die komplette Geschichte oder geschweige Welt offenbaren werden. Auch hier lässt sich der Short Story-Ansatz des Games wiedererkennen, denn schließlich fleht das Mars War Logs-Universum geradewegs nach weiteren Erzählungen – zu detailliert ist das Universum beschrieben.

Bei Mars War Logs handelt es sich um ein Action-Rollenspiel, dass durch seine Third-Person-Perspektive ein wenig an die Witcher-Saga erinnern lässt. Auch hier wird es einen detaillierten dreigliedrigen Skillbaum geben, der euch die Anpassung von Roy an euren individuellen Spielfokus erlaubt. Perks, wie sie u.a. aus Fallout bekannt sind, werden euch verschiedene Skills (z.B. ein Crafting-System) freischalten oder sorgen für einen schnelleren Erfahrungsgewinn durch gewonnene Kämpfe. Das Levelsystem kommt diesbezüglich klassisch daher und erlaubt einen Levelanstieg durch besiegte Gegner und abgeschlossene Missionen/Nebenmissionen.
Auch im audiovisuellen Sinne lässt sich bei Mars War Logs der gegebene Preis von knapp 19.99€ nicht vermuten. Passende Sprecher – ja, auch Roy finde ich durchaus passen, wenn auch anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, gelungene Soundeffekte und eine schöne, organische Darstellung und Interpretation einer post-apokalyptischen Marslandschaft spiegeln wieder, dass die Entwickler von Spiders (u.a. Of Orcs & Men) ihr Handwerk durchaus verstehen.

Wo es kein Gold gibt…
…muss eben Stahl herhalten! Der bereits angesprochene Story-Ansatz bringt auch einige weniger gelungene Aspekte mit sich. So wirkt das Crafting-System auf Dauer etwas unausgewogen und erlaubt weniger das Herstellen von eigenen Gegenständen, als lediglich das modifizieren gekaufter Gegenstände. Da fällt es schon eigenartig auf, dass eine namentlich „selbstgebaute Handgranate“ nicht selber gebaut werden kann. Lediglich Health Packs und Fluid-Packs, die das Anwenden der speziellen Kräfte eines Technomanten (Quasi die Magier des Spiels) erlauben, dürfen zusammen mit Munition für den einzigen Typ einer Schusswaffe, der im Spiel zu finden sein wert, hergestellt werden. Jede weitere Erhöhung des Crafting-Percs erweitert lediglich das Spektrum der Material-Transformationen (Metallschrott in Rohmetall etc.). Mysteriöser Weise ist ein gekauftes Health Pack jedoch günstiger als ein selbsthergestelltes. Ebenso fallen auch das beschränkte Kleidungssortiment, wie auch die meistens nutzlosen und im Kampf wenig aushaltenden Begleiter, welche zwar gewechselt, aber nicht angepasst werden können, negativ auf.

Darüber hinaus kann das im ersten Kapitel dargebotene Tempo im langgezogenen, zweiten Kapitel nicht aufrechterhalten werden. Dafür entschädigt aber Kapitel 3, welches nach dem eher gemäßigten Ton der Halbzeit, noch einmal ein fulminantes finales Chapter nachlegt.

Fazit
Rollenspiele, welche in einem ausgefallenen Setting angesiedelt sind, haben für sich allein genommen schon einen besonderen Reiz, man denke nur an Titel wie etwa Planescape: Torment. Als Mischung aus Cyberpunkt, Science-Fiction und Endzeitepos vermag Mars War Logs hier sogar gleich drei Fandoms gleichzeitig anzusprechen und erschafft mit seiner lebendigen und interessanten Welt einen kleinen Mikrokosmos, in einem weit größeren Universum. Dieses Gefühl einer Kursgeschichte zieht sich durch das ganze Spiel und bleibt langfristig gesehen leider eines der größten Mankos des Titels. Das unausgereifte Crafting-System, die überhasteten Beziehungen zu den Gefährten als auch die Unfähigkeit derer im Kampf, die kleine Welt und das eingeschränkte Repertoire für euer Inventory lassen viele Wünsche offen, die eine längere Entwicklungsphase eventuell hätte auffangen können. Auf der positiven Seite stehen die spannende Geschichte um die besondere Beziehung zwischen Roy und dem jungen Innocence, die gelungene Grafik samt passender, gleichwertiger Soundkulisse, die lebendige Spielwelt, die Choice & Consequence-Elemente und das ordentliche Quest- und Levelsystem.

Wer Computer-Rollenspiele wie Gothic, The Witcher oder Fallout mag, bzw. eine enge Verbindung zur Welt von Frank Herberts Dune-Saga hat, der darf sich Mars War Logs auf alle Fälle einmal anschauen und beim fairen Preis kann auch mal ein Auge zugedrückt werden.

Zu Steam: http://store.steampowered.com/app/232750/

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