Im Test: Where the Water Tastes Like Wine (Steam)

In Where the Water Tastes Like Wine reist ihr durch die Vereinigten Staaten während der großen Depression und trefft allerhand Menschen, die vieles zu erzählen haben. Hört euch ihre Geschichten an, sammelt sie in eurem Geschichtenbuch, tauscht sie mit anderen, während ihr euren Weg durch die USA wandert oder gar gelegentlich trampt. Geschichten sind die Währung in diesem Narrative-Adventure der besonderen Art. Eine Reise, die eure Zeit wert ist?

Bei einem Pokerspiel verliert der Wanderer alles, was er hat. Der verschlagene Wolf am anderen Ende des Tisches verdammt euch dazu, fortan als Märchenonkel die USA zu durchstreifen. Er will gute Geschichten hören. Also macht ihr euch auf den Weg, eure Schuld zu begleichen und beginnt eine Reise, die visuell sowie erzählerisch zu überzeugen weiß. Die Spielmechaniken eines Adventures zu beschreiben, scheint ein schwieriges Unterfangen zu sein. Aber im Falle von Where the Water Tastes Like Wine ist es recht simpel: Ihr bewegt euch auf der Karte von Ort zu Ort und haltet immer wieder bei Punkten von Bedeutung, um Geschichten aufzuschnappen. Die Geschichten lassen sich beeinflussen und in verschiedene Richtungen lenken. Füllt euer Geschichtenbuch mit allerlei Erzählungen über Geisterfrauen, Alkoholschiebern oder zwei Brüdern, die sich nach 30 Jahren wiedersehen. Nicht nur sind die Kurzgeschichten sehr gut geschrieben und vertont von einem raustimmigen Sprecher, sie geben auch gut die Atmosphäre der damaligen Zeit wieder. Dim Bulb Games halten sich an einen besonderen Erzählstil, der zu der Präsentation und der Musikuntermalung passt.

An bestimmten Stellen im Spiel trefft ihr auf besonders redselige Charaktere. Mit ihnen dürft ihr dann länger plaudern und die gesammelten Geschichten aus euren Reisen erzählen. Beim Sammeln der Geschichten solltet ihr darauf achten, nicht zu viele Geschichten der selben Kategorie zu sammeln. Wie im echten Leben, ereilt euer Gegenüber schnell die Langeweile, solltet ihr zu viel vom gleichen Schlag erzählen. In diesen Unterhaltungen spielt sich das Spiel fast wie ein kleines Text-Adventure. Der Zuhörer hat spezielle Forderungen, was er hören will. Habt ihr eine Geschichte aus der richtigen Kategorie im Repertoire, verdient ihr euch Vertrauen. Habt ihr den Vertrauensbalken komplett gefüllt, bekommt ihr eine besondere Geschichte zu hören. Diese stellen Puzzleteile auf dem Weg zum Platz dar, wo das Wasser nach Wein schmeckt.

Leider beginnt man recht schnell eine Abneigung gegen die Map zu entwickeln. Jedes Mal nach einer Geschichte wandert ihr weiter zum nächsten Punkt am Horizont. Die Karte ist riesig und der Wanderer langsam. Recht schnell sieht und hört man sich auch an allem abseits der Geschichten satt. Und somit fühlt sich jeder kleine Weg zwischen den eigentlich interessanten Teilen des Spiels wie eine Ewigkeit an. Das ist letztendlich auch das, was es schwierig macht, das Spiel uneingeschränkt zu empfehlen. Ähnlich wie in einem sperrigen Buch, verstecken sich die tollen Passagen hinter langen Strecken aus Nichts. Dem Spiel hätte es wahrscheinlich gutgetan, den ganzen Ablauf in Menüs darzustellen. Von einer Registerkarte zur nächsten klicken, sich die gut geschriebenen Dialoge und Geschichten anhören, weiterziehen per Ausblick. In seiner jetzigen Form ist Where the Water Tastes Like Wine leider zu zäh und tut sich schwer damit, den Spieler „bei der Stange“ zu halten.

Fazit:
Nichts desto trotz ist Where the Water Tastes Like Wine ein besonderes Erlebnis. Die Narrative, die Musik, die Geschichten und die Grundstimmung des Spiels tragen dazu bei, eine ganz spezielle Atmosphäre zu schaffen und den Spieler so, trotz der Unzulänglichkeiten in der Oberwelt, eine fesselnde Spielerfahrung erleben zu lassen. Wer ein toll erzähltes Adventure sucht, welches fabelhaft zu einem guten Glas Rotwein passt, der macht bei Where the Water Tastes Like Wine alles richtig.

(getestet von Frank Johann)

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