Im Test: Utawarerumono: Mask of Deception (PS4)

Ein unaussprechlicher Titel, ein Visual Novel mit Eroge-Elementen, ein ungewöhnliches Strategie-Kampfsystem: Atlus versorgt uns Westen wieder mit einem japanischen Leckerbissen. Die neuste Produktion von Aquaplus/Leaf Utawarerumono: Mask of Deception weckt mit ihrem eigenwilligen Konzept sogleich das Interesse westlicher Nippon-Fans. Was alles hinter dem seltsam anmutenden Namen steckt, erfahrt ihr in unserem Test.

Die größte Hürde ist bei Utawarerumono sicherlich der Titel des Spiels. Hat man den aber erst einmal verdaut oder gar verinnerlicht, stellen sich weitere Stacheln der Zugänglichkeit für die breite Masse auf. Es handelt sich hierbei um ein textlastiges Visual Novel mit minimaler Interaktion und gerade mal etwas mehr als ein Dutzend Strategierollenspiel-Gefechten. Und nicht zuletzt definiert sich die Reihe durch ihre erotischen Elemente, die den ein oder anderen westlichen Spieler abschrecken könnten.

Unser Protagonist Haku ist ein typischer Fall von Rollenspielheld. Er wacht irgendwo im Nirgendo ohne Gedächtnis auf und wird von wilden Monstern angegriffen. Zum Glück eilt ihm ein hübsches und außerordentlich starkes Mädel zur Hilfe, das ihn fortan auf der Suche nach dem eigenen Ich begleiten wird. Das erste gemeinsame Abenteuer spielt sich bereits im Schlafzimmer ihres Hauses ab. Haku ist mit der fremdländischen Mode nicht vertraut und weil er sich die Unterhose um den Kopf wickelt, erfreut er sich der Luftigkeit zwischen seinen Beinen. Als ihn seine neugewonnene Freundin aufklärt, greift er ihr an den buschigen Schwanz, woraufhin sie errötet und ihr Ausdruck zwischen Erregtheit und Schmerz schwankt. Utawarerumono ist speziell.

Nach dem etwas belanglosen, aber leichtherzigem Einstieg kommt es nach mehreren Stunden zum ersten richtigen Kampf nach traditioneller SRPG-Manier. Auf dem Schlachtfeld kommandieren wir rundenweise unsere Party, um feindliche Monster und Banditen auszulöschen. Eine Besonderheit ist das Combo-System. Jeder Charakter lernt mehrere Combos mit unterschiedlichen Aktionen, die letztendlich in einem mächtigen finalen Schlag münden. Um die Angriffe zu verketten, müssen wir in Echtzeit Reaktionsspielchen meistern. Grobmotoriker überlassen das Verketten der KI, verzichten dann aber auf kritische Treffer.

So wirklich Befriedigung kommt beim Taktieren allerdings nicht auf. Das Management der Kampfeinheiten ist sehr begrenzt und auch auf dem Schlachtfeld mangelt es an taktischen Möglichkeiten. Sowohl freundliche als auch feindliche Einheiten fallen gerne nach dem ersten Treffer um. Man verspürt nicht die Kontrolle über das Kampfgeschehen wie bei der namhaften Konkurrenz. Trotzdem lockern die insgesamt 17 Gefechte der Hauptstory das Visual Novel angenehm auf und selbst auf dem höheren der beiden Schwierigkeitsgrade bleibt das Spiel frustfrei und ohne große Herausforderungen.

Spannender entwickelt sich allerdings die Story. Der Anfang schraubte meine Erwartungen runter. Es fehlte ein interessanter Aufhänger für die Geschichte. Mit der Zeit entwickelte sich aber aus dieser humorvollen Reise voller zweideutiger und eindeutiger Anspielungen aber ein richtiges, charakterschweres und politisches Abenteuer, das sich zum Ende hin spannend zuspitzte. Allerdings ist die Geschichte als Zweiteiler angedacht. Erst der Nachfolger Mask of Truth wird noch dieses Jahr die Story abschließen.

Nach den Credits gibt es für Freunde des Gameplays aber noch 16 Missionen als Postgame-Content. Hier steigt der Schwierigkeitsgrad auch rapide an und mit den aufgelevelten Charakteren und ihren vollständigen Skillsets macht das Kampfsystem gleich deutlich mehr Laune. Die Spiellänge wird so auch auf eine beachtliche Zeit gestreckt ohne zu ermüden.

Technisch dümpeln wir auf typischem Visual Novel-Niveau herum mit wenig animierten Szenen, einer schwachen und lediglich japanischen Synchronisation und mäßigen, sich oft wiederholenden Musikstücken. Zumindest gibt es keine technischen Probleme und Genrekenner sollten sich damit abgefunden haben, dass gerade hier die inneren Werte zählen.

Fazit:
Den Namen kann ich mir weiterhin nicht merken, aber Utawarerumono: Mask of Deception gibt uns nach einem lahmen Start Hilfestellung die Unzugänglichkeiten zu überwinden. Es verlässt sich im späteren Verlauf nicht auf seine erotischen Anspielungen, sondern schafft eine packende Geschichte und das reduzierte SRPG-Kampfsystem bietet spätestens im Postgame genug Tiefe, um auch spielerisch zu motivieren. Wir freuen uns jedenfalls nach dem verheißungsvollen Ende, wie sich die Serie mit Mask of Truth im September dieses Jahres weiterentwickelt.

(getestet von Wladyslaw Oswiecimski)

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