Im Test: This War of Mine: Complete Edition (Switch)

2014 erschien This War of Mine vom polnischen Entwicklerstudio 11Bit Studios für den PC. Bereits damals konnte die Strategiesimulation über normale Menschen, die in einem Kriegsszenario in zerstörten Städten überleben müssen, Spieler und Kritiker gleichermaßen begeistern. Rund vier Jahre nach dem ersten Auftritt erscheint This War of Mine nun, vollgepackt mit allerlei DLCs der vergangenen Jahre, als Komplettpaket auf der Nintendo Switch. Wir haben uns die Portierung mal angeschaut und verraten in unserem Test, ob sich ein erneuter Besuch Kriegszone lohnt.

Am grundlegenden Spielprinzip von This War of Mine hat sich natürlich in der Switchfassung nichts verändert. Noch immer übernehmt ihr die Kontrolle über eine Handvoll Zivilisten, die während der feindlichen Belagerung in zerbombten Städten ums Überleben kämpfen. Die Lebensmittel und Rohstoffe sind knapp, die Gefahr lauert hinter jeder Ecke und tagsüber liegt der Fokus auf dem Ausbau der Heimatbasis. Baut Betten, Öfen, Werkbänke und Herde, bereitet Nahrung vor oder verstärkt Barrikaden, um die Basis vor ungewolltem Besuch durch Plünderer zu sichern, denn in der Nacht geht es auf die Jagd nach allerlei nützlichen Gegenständen und Waffen. Doch Vorsicht wird bei Plünderausflügen geboten, andere Gruppen sind auch auf der Suche nach begehrtem Gut und nicht alle sind freundlich und kooperativ. Begegnet man mal feindseligen Gesellen, ist leises Vorgehen von Vorteil, da der offene Kampf immer die Chance mit sich bringt, dass ein wertvolles Mitglied der Gemeinschaft verletzt oder gar getötet wird. Und wie im echten Leben heilen Verletzungen nur sehr langsam. Sollte ein Mitglied während des Plünderns zu Tode kommen, kann das schon ein herber Schlag für die Gemeinschaft sein, nicht nur weil ein Charakter fehlt, sondern auch weil sich der Tod auf andere Charaktere auswirken kann. Depression und Traurigkeit wirken sich auf die Leistung der anderen Charaktere aus.

Besonderes Augenmerk benötigen die jungen Überlebenden. Mit der Erweiterung „The Little Ones“ haben die 11BitStudios Kinder eingeführt. Kinder bleiben auch in Kriegszeiten eben Kinder. Sie spielen, lachen, weinen und benötigen besondere Aufmerksamkeit in Form von Spielsachen, die hergestellt oder gefunden werden können.

Die Atmosphäre von This War of Mine ist niederschmetternd. Kaum ein Spiel hat die Thematik bisher so gut umgesetzt. Man merkt den Charakteren ihre Verzweiflung förmlich an. Am besten kommt diese aber in den Geschichten rüber. Die Geschichten bieten kurze, maßgeschneiderte Kapitel mit dem Hauptaugenmerk auf ganz bestimmte Figuren. Als Vater Adam zum Beispiel liegt es an uns, unsere entführte Tochter wiederzufinden, die eines Nachts aus unserem Hause entführt wird, während wir auf Plündertour waren. Die Entwickler haben diesen Modus um Gespräche und Hinweissuche erweitert, ferner gibt es einen roten Faden, der uns von einem Schauplatz zum nächsten führt.

Technisch wurde This War of Mine sehr gut portiert. Der Spielablauf bleibt stets flüssig, Texte lassen sich sowohl im Handheldmodus als auch auf dem TV wunderbar lesen und die Steuerung, wohl die schwierigste Umsetzung für ein Point and Click-lastiges PC Spiel, wurde sehr gut an die JoyCons angepasst. Zu keiner Zeit fühlt sich die Steuerung überfrachtet oder ungenau an. Sehr löblich.

Fazit:
This War of Mine ist auch vier Jahre nach der Erstveröffentlichung noch ein Meilenstein im Indiesektor. Selten hat ein Spiel so gut die verzweifelte Atmosphäre des Krieges eingefangen. Dank aller Downloadinhalte bietet This War of Mine auf Nintendo Switch ein extra dickes Paket was den Umfang betrifft. Wer eine anspruchsvolle Strategiesimulation mit starkem Setting sucht, der macht hier definitiv nichts falsch.

(getestet von Frank Johann)