Im Test: The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel II (PS4)

Zum Glück müssen Neueinsteiger in die Trails of Cold Steel-Serie auf der PS4 sich nicht lange gedulden bis sie die Fortsetzung auf ihrer Heimkonsole genießen können. Bevor kommenden Herbst die Quadrologie mit dem dritten Teil plattformübergreifend im Westen fortgesetzt wird, bescheren uns NIS America und Entwickler Nihon Falcom den zweiten Teil der japanischen Rollenspiele-Saga rundum-erneuert für die PS4. Im Test erfahrt ihr, was sich geändert hat und ob es sich lohnt der Geschichte weiter zu folgen.

Kurzer Recap: Im ersten Teil dieser Legende lernten wir den Protagonisten Rean und seine Mitschüler kennen. Als frisch eingeschriebene Studenten der Thor’s Military Academy wurden sie zunehmend mit den politischen Spannungen des Landes konfrontiert. Während sie regionale und persönliche Konflikte lösen konnten, wuchs der politische Druck unter den unterschiedlichen Parteien bis das bestehende Machtgefüge letztendlich nachgeben musste.

An dieser Stelle startet der zweite Teil. Bis jetzt fühlten wir uns als Spieler selbst noch wie Schüler, die die Vergangenheit des Landes, ihre Politik und Wirtschaft, unsere Klassenkameraden und als Studenten einer Militärakademie den Umgang im Kampf lernen mussten. Endlich sind wir gerüstet. Unsere Rolle in dieser Welt ist nicht mehr passiv, wir sind jetzt eine eigene Partei, die am Geschehen teilnimmt und eigene Ziele in diesem Konflikt verfolgt.

Die Geschichte, die sich daraus entwickelt, überzeugt auf allen Ebenen. Die Charaktere, angefangen bei Rean und seiner Klasse und über die gesamte Besetzung bis zu den Antagonisten der Reihe hinweg, schneiden gerne japanische Animestereotypen an, dehnen sie aber zu interessanten und nachvollziehbaren Personen aus, die auf der Bühne der großräumigen politischen Situation, aber auch untereinander glaubwürdig interagieren. Interessant auch wie sich einzelne Handlungsstränge, persönliche Schicksale, mystische, übernatürliche Phänomene und bodenständige Politik immer wieder gegenseitig beeinflussen und mit der Zeit tiefer ineinandergreifen, dabei aber auch für sich stehen und souverän unterhalten können.

Zusammen mit der Schulklasse ist auch das Gameplay gereift. Die Basis bleibt gleich. Die Welt ist semi-offen. Prinzipiell erkunden wir eine Region von einer Stadt oder einem Dorf aus und bewegen uns dann relativ frei, um uns um relativ spärliche, mal mehr mal weniger banale Nebenaufgaben zu kümmern, bis wir uns der linearen Hauptmission eines Kapitels zuwenden.
In der zweiten Hälfte des Spiels wird das System weiter geöffnet. Dann reisen wir frei in der Welt umher und Nebentätigkeiten verteilen sich über die gesamte Karte. Diese belohnen uns dann nicht nur mit neuen Kampffertigkeiten, Items und Cash, sondern bauen unsere neu errichtete Operationsbasis mit neuen Möglichkeiten wie Trainingshallen, Minispielen und Shops aus. Das Spiel findet dabei eine angenehme Balance zwischen optionalen und stark story-fokussierten Inhalten und motiviert mit beiden Elementen gleichermaßen.

Das Kampfsystem blieb bis auf kleine Erweiterungen und neue Teamangriffe unangetastet. Wir stellen unsere Party weiterhin weitestgehend unabhängig zusammen. Jeder Charakter hat dabei eigene, feste Werte, Waffen und Fertigkeiten, kann aber durch die Verwendung von unterschiedlichen ‚Master Quartz‘ sehr stark in eine bestimmte Richtung gelenkt werden. Diese Items beeinflussen nicht nur die Attribute erheblich, sondern verleihen dem Charakter noch spielstilbildende passive Boni und Effekte. Die Feinjustierung erfolgt dann über das Equipment und Orbs, die unsere Truppe mit Zaubern und weiteren passiven und aktiven Fähigkeiten ausstatten. Im rundenbasierten Kampfsystem bilden wir dann ein Team aus zwei Paaren, wobei sich die Partner je nach Beziehungslevel auf unterschiedliche Weise unterstützen und zusammen vernichtende Kombos ausführen können. Kurzum und ohne auf viele, weitere Mechaniken einzugehen, das Kampfsystem ist komplex, weitreichend individualisierbar und strategisch und doch übersichtlich, gut kontrollierbar und zugänglich.

Bekannt wird für Spieler des Vorgängers nicht nur das Kampfsystem sein. Die Regionen, die wir erkunden, die Gegner, die wir bekämpfen, die Charaktere, die wir treffen, all jene wurden vielleicht etwas zu oft recyclet. Das Spiel lebt vom Wiedersehen, von der Entwicklung etablierter Charaktere, Orte und Zustände und auch wenn es uns oftmals überrascht, hätte etwas mehr Frische dem Ganzen manchmal gutgetan.

Die Neuerungen der PS4-Version stimmen überwiegend mit der PC-Version überein. Wir haben jetzt eine hohe Auflösung von bis zu 4k und recht stabile 60fps. Zusätzlich erleichtern uns Komfortoptionen wie das Beschleunigen des Spiels den Rerun. Japanophile genießen das Spiel erstmalig mit der originalen Synchronisation. Und wer das Spiel bereits auf PS3 oder Vita angefangen hat, kann es nun auf der PS4 dank Savegame-Import beenden. So ganz kann das Spiel natürlich trotzdem seinen Ursprung nicht verstecken, aber Trails of Cold Steel II ist auf der PS4 eine saubere Umsetzung und die bis dato beste Version des Spiels. Dabei mag die Grafik etwas gealtert sein, der Charme der erstklassig designten Charaktere, die starke Inszenierung und der gewohnt qualitativ hochwertige Soundtrack sind es sicherlich nicht.

Fazit:
Der Vorgänger hat den Grundstein gelegt. Trails of Cold Steel II schafft es auf diesem Fundament ein Abenteuer zu erzählen, das der Tiefe der zuvor eingeführten Charaktere und der detailreichen Welt gerecht wird. Die Reihe nimmt sich die nötige Zeit komplexere Beziehungen zu vermitteln, auf politischer wie persönlicher Ebene, und übernimmt den Anspruch auch für das variantenreiche Kampfsystem.
Auch wenn die Neuerungen mit der PS4-Version eher im Detail zu finden sind, erhalten wir hier einen durch und durch gelungenen Port, der diese faszinierende Spielwelt für ein großes Publikum öffnet. Wie schon beim Vorgänger sollte jeder JRPG-Fan auch hier zuschlagen. Und wir freuen uns bereits auf den dritten Teil der Quadrologie im Herbst 2019.

(getestet von eape)