Im Test: SteamWorld Quest (Switch)

Mit der SteamWorld-Reihe haben sich die Schweden von Image & Form Games immer wieder an neuen Genres versucht. Angefangen als Tower Defense-Spiel, konnte sich die Reihe auch als Metroidvania-Spiel oder Rundenstrategie-Titel immer wieder neu erfinden. Mit SteamWorld Quest wagt man sich nun an ein Kartenspiel-RPG und unser Test verrät, ob das Indie-Studio erneut einen Hit abliefern konnte.

SteamWorld Quest ist Hunderte Jahre vor SteamWorld Heist und SteamWorld Dig angesiedelt und erzählt die Geschichte der Möchtegern-Heldin Armilly, der klugen Alchemistin Copernica sowie dem faulen, aber liebenswürdigen Galleo, die sich auf die Suche nach der verschwundenen Heldengilde begeben und im Laufe ihres Abenteuers selbst zu Helden werden.

Das Spiel ist in drei Elemente unterteilt: Die lustigen Dialoge der schrägen Charaktere treiben die liebevoll erzählte und ebenfalls sehr humorvolle Story voran, während der Rest des Spiels aus rundenbasierten Kämpfen und dem Erkunden der Umgebung besteht. Letzteres lohnt sich, weil in der Welt allerlei Schätze versteckt sind, die uns mit neuen Karten, Ressourcen oder Ausrüstungsgegenständen versorgen. Der Großteil des Spiels besteht jedoch aus den eben erwähnten, rundenbasierten Kämpfen. Hier kommen auch die Sammelkarten-Elementen erst richtig zur Geltung. Unsere Gruppe besteht aus drei Charakteren und muss in den Kämpfe allerlei Fantasy- und Mittelalter-Wesen wie Ritter, Drachen, Goblins oder Magier besiegen. In den Kämpfen werden die Karten all unserer Charaktere vermischt und es können pro Runde bis zu drei beliebige Karten gespielt werden. Spielt man sogar drei Karten eines einzigen Charakters aus, wird eine vierte Bonus-Karte ausgespielt. Stirbt hingegen ein Gruppenmitglied, befinden sich seine Karten immer noch in unserer Hand, können aber nicht ausgespielt werden und blockieren somit die spielbaren Karten. Glücklicherweise können pro Runde aber auch immer zwei Karten unserer Hand ausgetauscht werden. Je mächtiger die Karten sind, desto mehr Dampfkraft setzen sie voraus. Mit einfachen Karten, die keine Dampfkraft voraussetzen, kann diese allerdings generiert werden. Außerdem können RPG-typisch auch Items statt Karten verwendet werden, um unsere Charaktere beispielsweise zu heilen oder von Status-Effekten zu befreien.

Für jeden gewonnen Kampf erhält unsere Gruppe dann Erfahrungspunkte und kann jeweils im Level aufsteigen. Jeder Stufenaufstieg steigert die Attribute Angriffsstärke, Magieschaden und Energie. Zusätzlich können wir unsere Gruppenmitglieder auch mit stärkeren Waffen und Ausrüstungsgegenständen ausrüsten, um die Attribute weiter zu erhöhen. Eine freundliche Händlerin versorgt uns stets mit allerlei wichtigen Tränken, Waffen, neue Karten und Ressourcen.

SteamWorld Quest ist ein sehr einsteigerfreundliches und zugängliches Karten-RPG und wahrlich nicht so komplex wie beispielsweise Slay the Spire oder Hearthstone. Trotzdem können Genre-Experten sich bei der Erstellung der Decks austoben und unterschiedliche Taktiken anwenden. Es stehen viele interessante Karten (ingesamt über 100) zur Auswahl, die unsere Gegner mit unterschiedlichen Elementen attackieren bzw. mit Statuseffekten schwächen oder unsere Mitspieler stärken. Alle Karten können – vorausgesetzt man besitzt die nötigen Ressourcen – auf Wunsch auch aufgewertet werden. Im Spiel stehen insgesamt fünf verschiedene Charaktere zur Auswahl, die allesamt über eigene Karte verfügen. Da eine Gruppe nur aus drei Mitgliedern bestehen kann, gibt es somit auch hier ein wenig Raum zum Experimentieren und Variieren.

Nach etwa 15 bis 20 Stunden sollte jeder den Abspann des Spiels erblicken. Wer danach von dem Spiel immer noch nicht genug bekommen kann, darf sich gerne auf weiteren Schwierigkeitsgraden sowie im Kolosseum austoben. Hier gilt es eine Vielzahl an Gegnern mit unterschiedlichen Levelstufen zu besiegen. Ein Besuch lohnt sich, da man hier bei Erfolg mit wertvollen Items belohnt wird.

Auch hinsichtlich der Präsentation kann SteamWorld Quest auf ganzer Linie überzeugen. Das Serien-typische Artdesign begeistert in Verbindung mit der farbenfrohen, märchenhaften und handgezeichneten Kulisse und wird zudem musikalisch stets passend begleitet. Ich persönlich würde mir nur wünschen, dass die Charaktere irgendwann mal vertont werden. Das Geblubber der Roboter hat mich in Anbetracht der zahlreichen Dialoge letztlich doch etwas gestört.

Fazit:
Image & Form Games haben es wieder getan: Nach den bereits großartigen SteamWorld Dig 2 und SteamWorld Heist veröffentlichen sie nun mit SteamWorld Quest ein märchenhaftes und kurzweiliges Rollenspiel-Abenteuer mit süchtig machenden Sammelkarten-Elementen, liebevollen Charakteren und jeder Menge Humor! Für einen hoffentlich irgendwann erscheinenden Nachfolger würde ich mir nur etwas mehr Abwechslung beim Gameplay sowie eine Vertonung der Charaktere wünschen.