Im Test: Spirit of the North (PS4)

Infuse Studios nimmt uns in Spirit of the North mit auf eine stille Reise des Erwachens. Eine Reise, die wir zwar augenscheinlich alleine bestreiten, aber bei der wir dennoch nie ganz alleine sind. Wie wir den Norden und schließlich unsere eigenen innere Stärke wieder zum Leben erweckt haben, erzählen wir euch hier.

Alles beginnt inmitten einer verschneiten Schneelandschaft. Als Rotfuchs folgen wir der Spur eines roten Farbstreifens am Himmel über rutschige Eispfade, tiefe Flüsse und Seen, satte grüne Wiesen und dunkle Wälder. Das wilde Island zeigt sich dabei von seiner schönsten Seite, jedoch ist alles Leben aus dem Land verschwunden.

Auf unserer Wanderung durch die ausgestorbene Landschaft entdecken wir die sterblichen Überreste von Schamanen und stellen schnell fest, dass wir mit der Hilfe ihrer magischen Stäbe in der Lage sind, ihren Seelen ewigen Frieden zu gewähren. Sobald ein Stab gefunden ist, hilft dieser bei der Suche nach dem toten Körper seines ehemaligen Trägers. Hier ist manchmal etwas suchen nötig und Geschick erforderlich, um Stab und Besitzer zu finden und zu erreichen.

Schon bald fungiert nicht nur der rote Farbsteifen am Himmel als Wegweiser, sondern auch ein mysteriöser Geisterfuchs. Ihm dicht auf den Fersen, lösen wir leichte Rätsel, um uns mit geschickten Sprüngen einen Weg durch die Areale zu bahnen und nach und nach wird uns bewusst, dass nicht nur die Welt voller versteckter Magie ist, sondern die stärkste Magie eigentlich in uns selbst schlummert. Wir absorbieren Energie von blauen Blumen und können mit deren Hilfe alte Runen erwecken, um Wege freizugeben, durch magische Portale gleiten oder sogar Fähigkeiten in uns zu entfesseln, wie z. B. einen Astralfuchs rufen, der uns ebenfalls über Hindernisse hilft. Auf unsere Kräfte sind wir auch dringend angewiesen, denn eine Art „rote Dunkelheit“ hat von manchen Teilen des Landes Besitz ergriffen, schwächt uns und lässt uns krank werden. Es liegt an uns, diese zu vertreiben. So werden wir auf unserer Reise stärker und stärker und bezwingen schließlich nicht nur die Dunkelheit, sondern finden auch uns selbst wieder.

Grafisch besticht das Spiel mit einer schönen Landschaft in einer flüssigen Performance, die begleitet wird von einem verträumten Soundtrack. Sehr schnell wird man von dieser einsamen Atmosphäre aufgesaugt, die lediglich von Musik, Umgebungsgeräuschen und dem Bellen des Fuchses getragen wird. Eben dieser Held ist auch besonders reizend anzusehen. Die ca. achtstündige Reise fordert leider jedoch das ein oder andere Mal etwas Geduld vom Spieler ein. Leichtfüßig bewegen wir uns zwar fort, aber die Steuerung fühlt sich vor allem beim Bewegen auf Steinen und beim Springen ungenau an. Nicht selten verfehlt ein Sprung das Ziel, was besonders dann ärgerlich ist, wenn einem in der Gestalt des Astralfuchses nur ein kleines Zeitfenster bleibt.

Fazit:
Spirit of the North beschränkt sich auf das Wesentliche: Hier ist der Weg dieser bildgewaltigen Reise das Ziel. Dem einen oder anderen mag die Welt vielleicht etwas leer erscheinen, denn auf das meditative Gameplay muss man sich einlassen können. Wir hätten allerdings gerne mehr darüber erfahren, was den Bewohnern dieses Landes zugestoßen ist, doch bis zum Ende lässt uns das Spiel darüber leider im Dunklen. Die Runenzeichnungen sind zu unaussagekräftig, um die Geschichte der Welt zu erzählen. So können wir schließlich nur spekulieren, dass sich die Menschen wahrscheinlich selbst im Weg waren. Gleichzeitig stellt sich auch die Frage, ob man mit dem Manko der hackligen Steuerung dem Geschicklichkeitsaspekt wirklich hätte so einen großen Raum geben sollen, da der eventuell aufkommende Frust leider die Schönheit des Spiels überschatten kann.

(getestet von Wolke)