Im Test: Sniper Elite V2 Remastered (PC, PS4, One)

Rebellion’s Taktik Shooter-Reihe Sniper Elite ist mittlerweile schon in die vierte Runde gegangen. Immer noch kämpft man sich vor der Kulisse des zweiten Weltkrieges durch verschiedene Schauplätze. Während zuletzt Afrika und Italien Ziel des amerikanischen OSS-Agenten Karl Fairburne waren, geht das Remaster von V2 wieder zurück zu einem der berüchtigtsten Orte des zweiten Weltkrieges: Berlin.

Sniper Elite V2, Fortsetzung des Erstlings Sniper Elite, erschien 2012 satte sieben Jahre nach seinem Vorgänger. Für viele Spieler die erste Berührung mit der Serie, bot Sniper Elite V2 taktisches Third Person Shooter-Gameplay mit dem Augenmerk auf weniger direkter Konfrontation mit dem Feind. Als OSS-Agent Karl Fairburne ist es unser Job, das Nazi Regime zu stürzen und in einer späteren DLC-Mission, die in der Remastered Version enthalten ist, sogar den Führer selbst über den Jordan zu schicken.

Bewaffnet mit einem Springfield Scharfschützengewehr, einer Thompson Maschinenpistole für den Notfall und einer schallgedämpften Welrod Handfeuerwaffe schleichen wir uns durch das vom Krieg zerrüttete Berlin sowie dessen Umland. Stets auf der Hut vor dem Feind. Scharfschützenposten lassen sich durch Stolperdrahtfallen gegen ungewollte Besucher absichern, heimlich getötete Feinde lassen sich verminen, um eventuell annähernde Kollegen, welche die Situation untersuchen, mit einem überraschenden Knall aus den Socken zu blasen. Für die direkte Konfrontation gibt’s noch Granaten, die für ordentlich Schaden sorgen. Doch der offene Kampf sollte meist gemieden werden, da die Lebensenergie selbst auf Schwierigkeit „normal“ recht schnell zuneige geht. Durch Verharren in der Deckung lädt sich diese aber immerhin wieder auf. Werden wir mal entdeckt, gibt eine weiße Silhouette an, wo uns der Gegner das letzte Mal gesehen hat. Sollte es uns möglich sein, die Position unbemerkt zu ändern, lässt sich eine Kampfsituation auch mal zu unserem Vorteil drehen. Doch nur aus der Ferne sind wir wirklich so richtig sicher im Kampf und vor allem eines: Tödlich.

Verhalten wir uns unbemerkt und ruhig, lädt sich am linken Bildrand eine Anzeige auf. Dort wird unsere aktuelle, der Situation entsprechenden, Herzrate angezeigt. Ist diese niedrig, hat Karl die Möglichkeit, auf Knopfdruck seine Lunge zu entleeren und so in eine Art Fokusmodus zu verfallen. Die Zeit wird verlangsamt und die genaue Trefferzone der Kugel wird angezeigt. Je länger und ruhiger wir unser Ziel ins Auge fassen, desto genauer wird der Einschlagpunkt angezeigt.

Haben wir ein Ziel ausgemacht, legen wir an und das Spektakel beginnt. Sniper Elite ist berüchtigt für seine Kill Cam, in der Tötungen der Widersacher besonders spektakulär in Szene gesetzt werden. In Zeitlupe folgt die Kamera der Kugel, Einschlag mit Röntgenblick inklusive. Knochen zerbersten und im richtigen Winkel sieht man das verformte Projektil auch wieder aus dem Gegner austreten. Selten waren Abschüsse mit einem Scharfschützengewehr in einem Videospiel so morbide befriedigend.

Trotz der sehr speziellen Prämisse des Spiels bieten die Missionen ordentlich Abwechslung im jeweiligen Ablauf. Mal müssen wir einen Konvoi daran hindern einen bestimmten Punkt zu erreichen, indem wir C4-Sprengladungen im Zielgebiet anbringen, nur um dann aus der Ferne das Spektakel zu beobachten und die wenigen Überlebenden mit gezielten Schüssen niederstrecken. Manchmal müssen wir simpel und einfach ein bestimmtes Ziel ausschalten oder wir lassen eine Raketenfabrik in Schutt und Asche zerfallen. Die Missionen sind vielfältig und abwechslungsreich und bieten trotz des vorgegebenen Settings auch genügend optische Variation im Leveldesign.

Apropos Optik, Sniper Elite V2 Remastered wäre ja kein Remaster, wenn es nicht auch grafische Auffrischungen geben würde. V2 Remastered verfügt laut Entwickler über modernisierte Render- und Post-Processing-Effekte, verbesserte Levelgeometrie, Texturen und Partikel, einem überarbeiteten Beleuchtungssystem sowie der Unterstützung für 4k Formate. Kenner des Originals werden den Unterschied direkt erkennen. Darüber hinaus spendiert Rebellion der Remastered Version auch einen Fotomodus, indem die brutalsten Kills auf Dauer festgehalten werden können. Kenner des Originals werden letztlich zwar sicherlich einen optischen Unterschied erkennen, insgesamt ist die Optik von Sniper Elite V2 Remastered aber leider nicht mehr wirklich zeitgemäß. Man sieht dem Titel einfach sein Alter an und ich persönlich habe mich immer wieder gefragt, wieso man hier nicht einfach die Engine von Sniper Elite 4 verwendet hat.

Mit im Gepäck befinden sich auch mehrere Multiplayer Modi, sowie die Möglichkeit die Kampagne mit einem Freund im Coop durchzuspielen. Da die Population zum Zeitpunkt des Tests aber sehr schmal war, konnten wir uns von den Multiplayer Modi keinen Eindruck verschaffen. Der Preis von 40 Euro – sofern man das Original nicht auf Steam besitzt – geht in Anbetracht der umfangreichen Kampagne sowie allen enthaltenen DLCs aber in Ordnung. Noch besser ist es jedoch, wenn ihr das Spiel auf Steam besitzt, denn dann kostet das Upgrade gerade Mal faire 9,99 Euro.

Fazit:
Rebellion ist mit Sniper Elite V2 Remastered eine solide Frischzellenkur des bekannten WW2-Shooters gelungen, der dank der verbesserten Technik neu aufblüht und spielerisch immer noch so viel Spaß macht, wie vor sieben Jahren. Verglichen mit heutigen WW2-Shootern sieht man dem Titel aber sowohl spielerisch als auch optisch sein Alter an. Serien-Neulinge sollten daher vielleicht lieber zum besseren Sniper Elite 4 greifen. Wer das Original bereits auf Steam besitzt, kann sich hingegen bedenkenlos das Upgrade für faire 9,99 Euro sichern.

(getestet von Frank Johann)