Im Test: Redeemer (Steam)

Im Debüt des russischen Entwicklers Sobaka Studio lassen wir als Mönch die Fäuste fliegen. Dabei hat sich das Studio von anderen großen Spielen, wie z.B. Sleeping Dogs oder Metal Gear Solid inspirieren lassen. Ob der Mix geholfen hat oder hier weniger mehr gewesen wäre, erfahrt Ihr bei uns im Test.

Zwanzig Jahre ist es nun her, als Vasily seinen Job als Söldner an den Nagel hin und sich für ein friedliches Leben im Kloster entschied. Seit dem versucht er in Abgeschiedenheit mit seinen Glaubensbrüdern den inneren Frieden zu finden. Als eines Tages jedoch sein alter Arbeitgeber an die Tore klopft und dabei das Kloster direkt dem Erdboden gleich macht, muss Vasily wieder zu der Kampfmaschine werden, die er eins war.

Auf den ersten Blick sieht Redeemer wie ein weiterer Hotline Miami-Klon aus. Wir steuern unseren bärtigen Anti-Helden über die isometrische Perspektive, nutzen eine Anzahl an verschiedenen Nahkampf- und Schusswaffen, um einen Raum nach dem anderen von Bösewichten zu säubern und das möglichst brutal. Auf dem zweiten Blick jedoch, eigentlich sobald man sich mit dem Kampfsystem auseinandergesetzt hat, erinnert es dann doch mehr an die Batman Arkham-Reihe oder Sleeping Dogs. Wir verprügeln unsere Gegner mit Kombos, ein optischer Warnhinweis signalisiert uns, wann es an der Zeit ist, Angriffe zu kontern, per Ausweichrolle verschaffen wir uns kurz eine Verschnaufpause und an gewissen Punkten im Level lassen sich Enviornmental-Kills ausführen. Während wir es aber in den genannten Spielen meistens mit eher passiven Schlägern zu tun haben, die uns netterweise nach der Reihe angreifen, sind hier die Herrschaften deutlich aggressiver und nutzen jede Chance, um uns einen auf den Deckel zu geben. Zwar sorgen manche Waffen für einen echten Unterschied im Kampf, doch haben diese auch nur eine begrenzte Haltbarkeit. Öfters stehen wir nach ein paar Sekunden wieder unbewaffnet da und müssen aufpassen, nicht umkreist zu werden, da dies schon nicht selten das Todesurteil für Vasily bedeutet.

Um in solch brenzlige Situation erst gar nicht zu kommen ist behutsames Vorgehen in Redeemer das A und O. In der Regel sollten wir versuchen unachtsame Gegner per Stealth-Kill auszuschalten, hinter Wände und Säulen bleiben wir unentdeckt und Gegenstände wie Stühle oder Steine eignen sich perfekt als Wurfprojektil. Damit wir aber nicht durch die eingeschränkte Kamera ständig in die Arme unserer Feinde laufen, sehen wir am Bildschirmrand, wo sich Gegner außerhalb unseres Blickes befinden. Icons signalisieren uns dabei, in welche Richtung sie schauen und wie sie bewaffnet sind. Beachten wir diese Hinweise und nutzen sie zu unserem Vorteil, schleichen wir uns erfolgreich durch die Level. Gepaart mit der Iso-Perspektive, kommen dabei sogar Erinnerungen an das erste Metal Gear Solid hoch, ohne aber dabei die selbe Klasse zu erreichen.

Kommt es aber zum Kampf und unsere Gesundheitsleiste geht Richtung Ende zu, füllen wir diese wieder nach und nach mit dem Ausschalten unserer Gegner auf und besonders Hinrichtungen, Environmental- und Stealth-Kills geben uns eine deutlich größeres Stück zurück.

Sterben wir aber dann doch einmal, verlieren wir beim Laden des letzten Checkpoints unsere kompletten mitgeführten Waffen und stehen damit nicht selten einer noch schwierigeren Situation vor. Beenden wir das Spiel hingegen mitten in einem Level, verlieren wir nicht nur unsere Ausrüstungen, sondern auch unseren Fortschritt und müssen die jeweilige Mission komplett von vorne beginnen. Somit sind kurze Spielesitzungen für zwischendurch nicht wirklich möglich und gepaart mit dem recht fordernden Schwierigkeitsgrad, kommt es nicht selten zu Frustmomenten, die einen nicht wirklich zum Weiterspielen motivieren. Wer von den Massenschlägereien trotzdem nicht genug bekommt, kann sich an den Arena-Modus versuchen. Dort wehrt man Wellen an Gegner ab, die direkt auf einen losstürmen. Schleichen wie im Hauptspiel kann man hier also vergessen.

Technisch leidet das Spiel in der vorliegenden Version noch an Performance-Problemen. Gerade in bestimmten Situationen verabschiedet sich die Framerate gerne mal in den Keller. Sonst liefert hier Sobaka Studio einen soliden Eindruck ab. Die Level sind detailliert ausmodelliert, wenn auch statisch und wechseln sich schon im ersten Drittel thematisch ab. Sollten also die erwähnten technischen Probleme zum Release per Patch gelöst werden, kann man hier nicht wirklich viel bemängeln.

Fazit:
Redeemer funktioniert in seiner Form, wenn auch nicht herausragend. Spieltiefe, Feinschliff, irgendwo fehlt es dann doch, damit der brutale Top-Down-Brawler aus der Masse herausstechen kann. Trotzdem kann man mit dem Spiel einige Stunden seinen Spaß haben und mit dem Arena Modus kann man sich auch über das Ende hinaus mit dem Titel beschäftigen.

Frustresistente Spieler mit Vorlieben zu Brawlern und kernigen Hauptcharakteren haben mit Redeemer genau ihr Spiel gefunden. Alle anderen warten auf den nächsten Sale oder greifen direkt zu den Vorbildern.

Redeemer erscheint am 1. August 2017 für Steam und GOG. Getestet wurde die Steam-Version.

(getestet von Dr. Para)

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