Im Test: Nidhogg 2 (PS4, PC)

Das kalifornische Independent Studio Messhof beschert uns nun den Nachfolger zum Kulthit Nidhogg. Nidhogg 2 verabschiedet sich vom minimalistischen Pixeldesign und hebt mit überarbeitetem Gameplay und größerem Umfang die Multiplayerduelle auf ein neues Level. Ob dabei dennoch der Charme erhalten geblieben ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Der Vorgänger Nidhogg mag am einen oder anderen Spieler vorbeigegangen sein. Trotz etlicher Auszeichnungen und Lobpreisungen, ging die kultige Fecht-Sim im simplen 8-bit-Look etwas unter. Der Erfolg bei Pressestimmen und Nischengamern reichte aber glücklicherweise für die Ankündigung eines Nachfolgers. Dabei kassierte das neue Art Design mit groben Knetfiguren aber direkt harsche Kritik von Fans der charakteristischen Pixelgrafik.

Beruhigen werde ich nicht jeden können. Der fast schon provokante Stilwechsel ist nicht zu leugnen, und auch ich war anfangs vom veröffentlichten Material geschockt. Aber trotz der Neufindung in der Optik, schlägt in diesem Spiel das Herz des Vorgängers. Die explizite Knetgrafik mit ihren brutalen, schrägen Figuren, die Stages zwischen Regenbogenwolkenwelt und dreckigen Giftmülldeponien und nicht zuletzt das namensgebende, einhörnige Wurmmonster Nidhogg versprühen eine unverwechselbare Atmosphäre und zusammen mit den pumpenden, aufscheuchenden Electro-Beats namhafter Producer wird hier ein Artstyle präsentiert, der anders, aber keineswegs schlechter als der des Vorgängers ist.

Der Erfolg des Spiels beruht aber zweifelsohne nicht oder zumindest nicht allein auf der Optik. Das Spielprinzip ist so simpel wie es genial ist. In einer 2D-Landschaft stehen sich die beiden Kontrahenten gegenüber und erhalten jeweils eine Waffe. Klassischerweise handelt es sich hierbei um einen Degen, manchmal ist es aber auch ein Schwert, Dolch oder Bogen. Welche Mittel wir auch nutzen wollen, Ziel ist es unseren Gegner zu besiegen und/oder an ihm vorbeizulaufen und letztendlich nach mehreren Duellen den Nidhogg zu erreichen, der uns glorreich auffrisst.

Die Steuerung ist einfach und intuitiv. Bereits mein erstes Gefecht gegen einen Freund im lokalen Couch-Coop dauerte gut eine Viertelstunde und war gezeichnet durch ein dauerndes, adrenalingeladenes Hin-und-her und vielen lustigen und cleveren Situationen. Ein Pfeil fliegt auf Kniehöhe, wird vom Degen geblockt und fliegt zurück und während der Schütze zum Sprung ansetzt, bekommt er auch schon die Klinge ins Gesicht geworfen. Die Kämpfe sind rasant, taktisch, dynamisch und unendlich spaßig.

Natürlich kann man auch im Singleplayer gegen die KI antreten und sich durch die zehn Arenen mit eigenen Besonderheiten wie bewegenden Plattformen oder hohem, blickdichtem Gras stechen, schießen und schlagen. Mehr als eine Vorbereitung auf die wirklich unterhaltsamen Multiplayergefechte ist das aber nicht. Erst hier blüht das Spiel online wie offline in seiner Situationskomik und Dynamik wirklich auf.

Viel mehr als die gekonnt designten Duelle, also das Kerngameplay, bietet das Spiel allerdings nicht. So kann man zwar seinen Charakter relativ frei gestalten, wer aber irgendeine Form von Fortschritt nach dem Vorbild moderner Multiplayer-Spiele erwartet wird enttäuscht sein. Dafür treibt ein Turnier-Modus zu Höchstleistungen an und im Multiplayer können wir die Bedingungen für jeden Kampf anpassen, um für etwas Abwechslung zu sorgen. Außerdem gibt es ein Ranking-System, das uns zusätzlich erlaubt ähnlich starke Spieler zu suchen.

Fazit:
Das Art Design mag einige Fans des Vorgängers abschrecken und Neueinsteiger werden trotz der vielen Neuerungen etwas mehr Umfang vermissen. Spätestens wenn man aber den ersten gezielten Treffer gegen einen Freund im Multiplayer landet, lacht das Zockerherz. Nidhogg 2 erinnert in seinen intuitiven, simplen, aber auch dynamischen und hochkonzentrierten Gefechten an Games und den Spaß alter Zeiten.

(getestet von eape)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.