Im Test: Never Stop Sneakin‘ (Switch)

Vor über fünf Jahren veröffentlichte Indie-Entwickler Dean Dodrill mit seinem Studio Humble Hearts das hoch umjubelte Dust: An Elysian Tail. Nun meldet sich Dodrill mit Never Stop Sneakin‘ exklusiv auf der Nintendo Switch zurück, einer Parodie auf den 1998 erschienenen Klassiker Metal Gear Solid. Wir haben uns den Schleichanzug übergeworfen, das Bandana um den Kopf gewickelt und informieren euch nun darüber, ob sich Never Stop Sneakin‘ lohnt oder es doch lieber im Schatten bleiben sollte.

Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten Amadeus Guildenstern will mit allen möglichen Mitteln wieder an die Macht und entführt deswegen nicht nur den aktuellen, sondern dank Zeitmaschine auch jeden bisherigen Präsidenten in der Geschichte der USA. Um seinen finsteren Plan zu vollenden, hat sich Guildenstern mit seiner Supergroup aus Bösewichten auf eine abgeschotteten Insel zurückgezogen. Unser Auftrag als Deparment of Sneakin‘ Agent ist es, die Basis zu infiltrieren, alle Präsidenten zu retten (auch die schlechten) und Guildenstern ein für allemal aufzuhalten. Selbst wenn wir und jeder Präsident dabei draufgehen!

In den folgenden dreizehn Stunden des Spiels schleichen wir uns durch verschiedene Gebäude und Klimazonen, weichen Sichtkegeln von patrouillierenden Wachen aus, befreien Gefangene und bekämpfen einen Boss nach dem anderen. Dabei müssen wir uns nur auf das reine Bewegen durch die Level konzentrieren, da uns das Spiel so gut wie jede Aktionen komplett abnimmt und automatisch ausführt. Türen und Kisten werden geöffnet, in dem wir einfach kurz vor ihnen stehen bleiben, Nahkampfangriffe werden im Vorbeigehen ausgeführt und selbst wenn wir dann mal entdeckt werden, wird die Wache sofort niedergeschossenen oder die Kamera durch eine EMP-Granate ausgeschaltet. Never Stop Sneakin‘ will uns nicht mit dem Einstudieren von Patrouillen aufhalten, sondern setzt hier auf ein deutlich schnelleres Gameplay. Zwar sind Hilfsmittel wie Munition und Granaten stark begrenzt und müssen am Anfang jeder Mission von uns selber gefunden werden, doch haben wir meistens schon nach wenigen Minuten genug von beidem, um etliche Fehltritte zu korrigieren. Dazu schalten wir im Verlauf der Geschichte ständig neue Perks frei, die uns das Agentenleben nochmal deutlich erleichtern. Der leichte Schwierigkeitsgrad ist aber noch nicht einmal ein Problem, da Never Stop Sneakin‘ eh auf ein arcadigeres Erlebnis ausgelegt ist. Was den Gameplay-Loop hingegen angeht, ist der Titel aber leider sehr dünn aufgestellt und offenbart hier den größten Kritikpunkt. Es gibt mit den Wachen, Kameras und Selbstschussanlagen gerade mal drei Arten an Gegnern, die handvoll Bosskämpfe laufen immer nach den gleichen Mustern ab und Gadgets oder gar ausgefallene Ideen fehlen komplett. Dieser Mangel an Variationen führt recht schnell dazu, dass sich die Missionen nach Arbeit anfühlen, was gerade längere Spielsessions schwierig macht. Empfehlenswert ist es daher, den Titel mehr in kleinen Runden zu erleben, bevorzugt im Handheldmodus. Dort sieht und läuft Never Stop Sneakin‘ keinen Deut schlechter als auf dem großen TV aus und lässt sich auch optional komplett über den Touchscreen steuern.

Bei der Präsentation haben Humble Hearts hier einen Kniefall an Metal Gear Solid abgeliefert. Nicht nur wirken die Charaktere dank dem Low Poly-Look mitsamt verpixelten Gesichtstexturen frisch aus der PS1-Ära, sondern weckt auch der unterkühlte Soundtrack von Hyperduck Erinnerungen an die alten Kompositionen aus der Feder von Kazuki Muraoka und Tappi Iwase. Besonders präsent ist hier natürlich auch das Main Theme, welches ebenso eine Hommage an Metal Gear Solid 3: Snake Eater ist. Da sich Never Stop Sneakin‘ in erster Linie als Parodie versteht, wird wirklich alles auf die Schippe genommen und kein Dialog kommt nicht ohne einen Witz aus. Gerade die vielen Gespräche mit unserem Vorgesetzten Major Milestone könnten glatt aus einem Leslie Nielsen-Film entsprungen sein.

Fazit:
Never Stop Sneakin‘ macht vieles richtig, aber auch leider einiges falsch. Das Schleichen und gerade so schnell wie möglich durch die Missionen zukommen fühlt sich gut an, die Präsentation mit all seinen kleinen Anspielungen und Witzen ist auf den Punkt gebracht und der Umfang ist mit dreizehn Stunden und unzähligen freischaltbaren Skins mehr als massiv. Auf der anderen Seite dämpft das stark repetitive Gameplay die Motivation, den Controller nicht schon nach kurzer Zeit wieder wegzulegen, was in Anbetracht der doch recht großzügigen Spielzeit kein einfaches Unterfangen ist. Wer sich aber den Titel in kleinen Sessions einteilt, keine großartigen Kopfnüsse erwartet und nicht von einer Mischung aus Metal Gear Solid und Die nackte Kanone abgeschreckt ist, sollte Never Stop Sneakin‘ definitiv eine Chance geben, wenn auch vielleicht erst zum Sale.

Never Stop Sneakin‘ ist seit dem 08. Januar 2018 im eShop für die Nintendo Switch erhältlich.

(getestet von Dr. Para)

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