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Im Test: Metal Wolf Chaos XD (PC, PS4, One)

Vor fünfzehn Jahren erblickte das von FromSoftware entwickelte Metal Wolf Chaos zum ersten Mal das Licht der Welt. Damals noch auf der Xbox und nur in Japan veröffentlicht, entwickelte sich der Titel unter Fans von eher trashigen Spielen, zu einem absoluten Kult-Klassiker, was vor allem an der überzeichneten englischen Synchronisation lag. Dieses Jahr feiert der Titel nun mit Metal Wolf Chaos XD seine Rückkehr, dank einer Zusammenarbeit zwischen Publisher Devolver Digital, FromSoftware und den Entwicklern von General Arcade, die für die Portierung des Originals zuständig waren. Wir haben für euch die Neuauflage komplett bis zum Ende durchgespielt und verraten euch im Test, ob sich hinter dem legendären Ruf auch ein gutes Spiel versteckt.

Der 47. Präsident der Vereinigten Staaten Michael Wilson schaut nicht schlecht, als sein ehemaliger Kriegskamerad und Vizepräsident Richard Hawk, samt US-Militär, vor dem Weißen Haus steht, um den Präsidenten per Staatsstreich abzusetzen. Eine Katastrophe für jeden Politiker, doch nicht für Michael Wilson, der sich als Commander-in-Chief weder auf Personenschutz noch auf die Armee verlassen muss, da er selber über Metal Wolf verfügt. Ein hochmoderner, bis auf die Zähne bewaffneter Kampf-Mech, der sich von Niemanden stoppen lässt. Könnte man jedenfalls meinen, doch Hawk hat eine weitaus mächtigere Waffe im Arsenal, als Raketen und Bomben: die Medien. Schnell wird Wilson als Terrorist und Landesverräter abgestempelt, was ihn zum Rückzug an die Westküste zwingt. Zurückgeschlagen, aber nicht besiegt, beschließt Wilson, mit Hilfe seiner treuen Sekretärin Jody, das Land Stadt für Stadt zurückzuerobern. Schließlich ist er der Präsident der großartigen Vereinigten Staaten von Amerika und es ist seine Pflicht, die Nation unter seinem Namen wieder zu vereinigen!

In Metal Wolf Chaos XD verschlägt es uns in die Rolle von US-Präsident Michael Wilson, der mit seinem Kampf-Mech Metal Wolf die Vereinigten Staaten von Amerika aus den Händen seines ehemaligen Vizepräsidenten Richard Hawk befreien muss und wie es sich gehört, geschieht dies natürlich nicht mit Diplomatie und Geduld, sondern mit viel Blei und Flammen. Aus der Third-Person-Perspektive rennen wir in den nächsten Stunden wie ein Berserker durch die Level und zerstören alles, was uns in den Weg kommt. Fußsoldaten, gepanzerte Fahrzeuge, Helikopter, feindliche Mechs und sogar Gebäude werden in wenigen Sekunden unter dem Einsatz von Metal Wolfs großzügigen Waffenarsenal zu Schutt und Asche verwandelt. Bei dieser ganzen Zerstörungsorgie sollten wir aber auch stets die Augen nach Ressourcen und vor allem Geiseln offen halten, die von Hawk’s Schergen gefangen gehalten werden und nur auf ihre Befreiung warten. Je mehr wir befreien, desto größer fällt die Belohnung für die Mission aus. Das erhaltene Geld und die Ressourcen können wir zwischen den Einsätzen in Forschungen investieren, um neue Waffensysteme zu erforschen und herzustellen. Diese erstrecken sich über elf verschiedene Kategorien, die von Pistolen bis zur Railgun alles abdecken, was das Shooter-Herz begehrt und von denen wir bis zu acht ins Feld nehmen können. Schwere Waffen, wie die schon erwähnte Railgun, verbrauchen jedoch direkt zwei Plätze im Inventar und können auch nicht mit anderen Waffen kombiniert werden. Metal Wolf verfügt über die Fähigkeit, in der linken und rechten Hand jeweils verschiedene Waffen zu führen, was Spielraum für spezielle Builds zulässt. Mit Schrotflinte und Maschinengewehr im Anschlag, sind wir so im Nahkampf unschlagbar und mit einer Kombination aus Raketen- und Granatwerfer sind selbst gut gepanzerte Gebäude kein Problem mehr.

Die Kämpfe im Spiel sollten aber generell kein Problem für uns darstellen, da wir es eher immer mit reinen Kanonenfutter zu tun haben, welche uns kaum gefährlich werden können. Obwohl die Herausforderung fehlt, fehlt es aber leider nicht am Frust. Das liegt in erster Linie am fehlenden Checkpoint-System, was dazu führt, dass wir nach jedem Ableben die Mission direkt wiederholen dürfen. Das ist dann ein Problem, wenn wir uns in einem Level befinden, in denen es viele Abgründe gibt. Falle wir mal runter, sind wir nämlich sofort Geschichte, was bei manchen Einsätzen kritisch werden kann. Nehmen wir z.B. den Einsatz am Strand von Miami. Hier müssen wir ein Schlachtschiff ausschalten und uns dabei zwischen Plattformen auf dem Wasser bewegen. Verfehlen wir mal eine dieser Plattformen oder sie wird unter unseren Füßen durch feindlichen Beschuss zerstört, fallen wir ins Meer und können die komplette Mission von vorne beginnen. Klingt nach Pech, aber dies passiert öfter als gedacht. Auch sind die wenigen Bosskämpfe eher nervig und nicht wirklich nachvollziehbar, da es keinen wirklichen Hinweis darauf gibt, wo die Schwachstellen sind. Somit müssen wir mit unseren Waffen ein kleines Ratespiel vollführen und einfach mal auf jede mögliche Stelle schießen, bis die Gesundheitsleiste des Bosses leer ist. Wer also gerade beim Encounter-Design aktuelle FromSoftware Qualitäten erwartet, wird mehr als enttäuscht sein.

Da es sich bei Metal Wolf Chaos XD um einen Xbox-Port aus dem Jahre 2004 handelt, sollte man auch technisch nicht allzu viel erwarten. Zwar würde ich die Arbeit von General Arcade als solide bezeichnen, gerade da sie selbst die Cutscenes im 16:9 Format abgeliefert haben, doch ist die Engine scheinbar für heutige Standards einfach nicht gedacht gewesen. So ist die Framerate selbst am PC auf 30fps limitiert, in weitläufigen Level stolpern wir über unschöne Pop-ups und den einen oder anderen Bug gibt es immer noch im Spiel. Ein Highlight hingegen ist immer noch die englische Synchronisation, die seit Veröffentlichung des Originals immer wieder durchs Netz rumgeistert und von seinem Charme nichts verloren hat. Ähnlich kurios ist der komplette Soundtrack, der neben klassischen Rock-Nummern auch teils bizarre Mischungen aus Elektro, Jazz und Blues bietet. Zwar ist es somit nichts, was ich mir auch außerhalb des Spiels anhören würde, aber vom audiovisuellen Gesamtpaket passt es perfekt zu den unzähligen skurrilen Szenen von Metal Wolf Chaos XD.

Fazit:
Metal Wolf Chaos war damals schon kein wirklich gutes Spiel und das Remaster ändert daran leider auch nichts. Das liegt zum einen an alten Design-Entscheidungen von FromSoftware, aber auch an verpassten Chancen seitens General Arcade und Devolver Digital, die alleine mit einem neuen Checkpoint-System einiges hätten retten können. Die technische Limitierung der Engine ist zwar auch im Jahre 2019 nicht wirklich akzeptabel, aber wir gehen einfach mal davon aus, dass die Engine hier schon wirklich am Ende ist und 60fps wahrscheinlich nur zu weiteren Problemen geführt hätten. So oder so, Metal Wolf Chaos XD ist wirklich nur für die Spieler empfehlenswert, die dieses Machwerk wirklich einmal selber erleben wollen. Ohne Youtube, ohne Memes, aber mit allen schlechten, wie auch guten Seiten, denn auch wenn der Titel sehr am Alter zu nagen hat, gibt es auch viel Positives. Die Action ist direkt, die Dialoge zaubern immer wieder ein Lächeln ins Gesicht und das Erforschen von neuen Waffen kann sogar motivierend genug sein, um hier und da auch mal gewisse Missionen nach Ressourcen zu grinden. Wer sich also auf dieses achtstündige Gesamtpaket aus Frust und Freude einlassen will, hat mit Metal Wolf Chaos XD endlich die Chance dazu, sollte aber nicht zu viel erwarten.

Metal Wolf Chaos XD ist seit dem 6. August für PC, Playstation 4 und Xbox One erhältlich. Getestet wurde die PC-Version.

(getestet von Dr. Para)

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