Im Test: Ink (Switch)

Trotz seiner quietschbunten Optik ist Ink nichts für schwache Gemüter. Hinter der farbenfrohen Hüpferei im Stile eines Super Meat Boy versteckt sich ein 75 Level starker Marathon, der nicht nur durch sein Leveldesign Nerven dick wie Drahtseile voraussetzt.

Der wohl größte Unterschied zu Genrekollegen besteht darin, dass alle Levels von Ink zu Beginn komplett unsichtbar sind. Wir spielen einen kleinen Schwamm, der bei Berührungen mit seiner Umgebung Farbkleckser verursacht. So muss man sich herantasten und seine Umgebung „bemalen“, bevor man den Levelausgang finden kann. Bei einem Ableben bleibt unsere Farbe allerdings erhalten, es muss also kein perfekter Lauf sein. Ähnlich wie beim Super Meat Boy beherrscht unser Block nur ein kleines Repertoire an Bewegungen. Laufen, Springen, Doppelsprung und den Wallslide. All das muss man verinnerlichen, wenn man die Level beenden will, denn nur der kleinste Fehler kann bereits das Ableben bedeuten. Nach einem Augenblinzeln steht man allerdings wieder am Levelbeginn und kann direkt von vorne beginnen, sollte man mal den Farblöffel abgeben.

In den ersten Levels lernen wir die grundlegenden Steuerungen und Manöver anzuwenden. Wie gewohnt lässt man nach ein paar erfolgreich gemeisterten Abschnitten unsere Hand los und wir sind auf das gelernte angewiesen, um erfolgreich zu sein. Selbstverständlich steigt zunehmend der Schwierigkeitsgrad und wir werden vor neue Herausforderungen gestellt. Stachelwände, fliegende Objekte, kriechende Gegner. Das Buch der Foltereien hat man direkt mittig aufgeschlagen. Während in einigen Levels die Herausforderung darin liegt, bestimmte Punkte zu erreichen, müssen wir in anderen Levels beispielsweise alle Gegner erledigen, um die Tür zum Ausgang zu öffnen. Jedes Level bietet eine andere Herausforderung, keine wirklich unfair und der geübte Spieler ist in der Lage, das Spiel in mehreren Stunden zu beenden.

Was uns allerdings fast die Haare zu Berge hat stehen lassen, ist die teils unglaublich unpräzise Steuerung. Stellenweise fühlt sich das Spiel sehr schwammig an, was angesichts der Tatsache, dass wir einen Schwamm spielen wohl auch Intention seitens der Entwickler sein kann.

Technisch bietet die Switch-Version sowohl Docked wie auch im Handheldmodus eine solide Performance und sieht ansprechend aus. Das Farbenfeuerwerk macht richtig was her und lässt die durchaus simple Optik sehr charmant wirken. Die Optik dient allerdings nicht nur dem Auge, sondern bildet auch das Kernelement des Spiels, der Ambient Soundtrack gibt den Feinschliff zum audiovisuellen Erlebnis. Als Schmankerl für die Switch-Spieler gibt es einen exklusiven Zwei-Spieler-Modus, indem wir die Levels zusammen mit einem Freund bestreiten können.

Fazit:
Man nehme Super Meat Boy, tausche das Blut mit Farbe, den Meat Boy mit einem Farbschwamm, macht die Levels unsichtbar und schraubt den Schwierigkeitsgrad etwas zurück. So könnte man am besten Ink beschreiben. Aber trotz seines farbenfrohen Auftretens und dem Gameplaykniff bleibt Ink etwas blass zurück. Das Leveldesign ist eher uninspiriert und die Steuerung manchmal haarsträubend ungenau. Da Ink aber bereits für 8,99€ im eShop zu haben ist, fallen die Unzulänglichkeiten nicht allzu schwer ins Gewicht. Als Budget-Titel oder Platformer für Zwischendurch ist Ink somit ganz nett.

(getestet von Frank Johann)