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Im Test: Finding Paradise (Steam)

Wenn Dr. Eva Rosalene und Dr. Neil Watts auf der Türschwelle stehen, heißt das der Tod ist auch nicht weit. Die beiden arbeiten bei der Sigmund Group, einer Firma die sich darauf spezialisiert hat, sterbenden Menschen den letzten Wunsch zu erfüllen. Wenn auch nur per speziellen Helm im Kopf. Was 2011 im Vorgänger „To The Moon“ reihenweise Spielern die Tränen in die Augen trieb, kann doch kein zweites Mal funktionieren, oder?

Finding Paradise ist, wie auch schon sein Vorgänger, ein klassisches Point-and-Click-Adventure. Der Grafikstil ist minimal und das Gameplay limitiert. Was aber keinesfalls dem eigentlichen Erlebnis im Wege steht: der absolut mitreißenden Geschichte. Was das Spiel so sympathisch macht, sind unter anderem die beiden Protagonisten. Deren Streitereien folgt man nur allzu gerne und man schmunzelt das eine oder andere Mal über eine Anspielung an den Vorgänger, wenn wir zum Beispiel – wieder mal – dank eines Eichhörnchens dem Tod ins Auge blicken. Auch wenn die beiden Spiele sich auf dem ersten Blick gleichen wie zwei eineiige Zwillinge, so versucht Kan Gao, seines Zeichens Schreiber und Komponist hinter den Spielen, der Geschichte im zweiten Teil etwas mehr Würze zu verleihen. Ging es im Erstling darum, Johnny Wyles seinen letzten Wunsch zu erfüllen und ihn zum Mond reisen zu lassen, hat Colin, unser Patient im zweiten Spiel, leider gar keinen richtigen Wunsch. Er will einfach nur glücklich sein. Unsere Maschine hat scheinbar auch einen Knacks, denn wir werden nicht, wie gewohnt, immer weiter in die Vergangenheit geschickt, wir springen wild durch verschiedene Epochen in Colin’s Leben. Es stellt also doch eine kleine Herausforderung dar, herauszufinden, was den ehemaligen Piloten Colin überhaupt glücklich macht.

Die Geschichte in Finding Paradise ist wie schon im Vorgänger gespickt mit viel Liebe zu Detail, man kann richtig mitfühlen und sich in die verschiedenen Momente hineinversetzen. Die Charaktere sind detailverliebt geschrieben, haben alle eigenständige Persönlichkeiten und wachsen uns unmittelbar ans Herz. Die Situationen, in denen sie sich wiederfinden, regen uns zum Nachdenken an, könnten manchmal direkt aus dem Alltags eines Jedermanns sein und verfügen über eine ordentliche Portion Humor, Gefühl und hin und wieder sogar über eine überraschende Wendung. Viel mehr möchten wir an dieser Stelle aber auch nicht verraten, denn Finding Paradise ist wie schon To the Moon ein kurzes Vergnügen und nach knapp fünf Stunden vorbei.

So toll geschrieben die Geschichte, so basisch ist leider das Gameplay in Finding Paradise. In klassischer P&C-Manier steuern wir unsere Figur per Mausklicks oder Richtungstasten. Können in der Welt mit allerlei Gegenständen interagieren und lösen sogenannte Mementos aus, wichtige Punkte in der Erinnerung des Patienten, die selbst die trivialst erscheinenden Gegenstände sein können. Hin und wieder dürfen wir auch kleine Rätsel lösen, nichts was uns vom Hocker reißen würde. Das Gameplay in Finding Paradise ist bestenfalls Durchschnitt und Mittel zum Zweck.

Fazit:
Aber zum Glück ist Finding Paradise einer der wenigen Titel, die wir nicht wegen dem Gameplay in Erinnerung behalten, sondern wegen der großartigen, emotionalen Geschichte, die Kan Gao uns erzählt. Es ist ein Kleinod der Gefühle und etwas besonderes, wenn ein Spiel, komplett ohne Vertonung von weltberühmten Stars oder aufwendig inszenierten Zwischensequenzen und bombastischen Szenen, einen solchen Eindruck auf uns macht. Spielerisch dürfte sich in der Fortsetzung aber bitte was tun.

(getestet von Frank Johann)

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