Im Test: Far from Noise (Steam, PS4)

Mit Far from Noise veröffentlicht der Indie-Entwickler George Batchelor ein stark narratives Visual Novel, welches sich um eine Misere ohne ersichtlichen Ausweg dreht. Ob wir dabei die Hoffnung verloren oder uns doch noch an den letzten Strohhalm geklammert haben, erfahrt ihr bei uns im Test.

Eigentlich hätte der kurze Ausflug an die Küste anders verlaufen sollen. Statt den Alltagsstress wenigstens einmal hinter sich lassen zu können, sitzen wir in unserem alten, verrosteten Automobil, welches genau auf dem Rand einer Klippe steht und ständig zwischen Leben und Tod balanciert. Jeder Versuch aus dem Wagen auszusteigen, bringt uns dem tödlichen Sturz in die Tiefe nur näher. Isoliert von der Außenwelt, sind wir nun gezwungen über unser Leben nachzudenken und die großen Antworten auf das „Wieso?“ und „Warum?“ herauszufinden. Was folgt, sind Selbstgespräche mit dem eigenen Auto und einem Eichhörnchen, bis wir auf jemanden treffen, mit dem sich ein wirkliches Gespräch führen lässt: einem Hirsch.

In Far from Noise beeinflussen wir den Verlauf der Geschichte einzig über die Auswahl von Dialogen, die zu verschiedenen Konstellationen an Ereignissen führen. Sonstige interaktive Mechaniken sind vom Entwickler nicht vorgesehen und dies macht in dem Kontext der Situation auch Sinn. Damit so etwas minimalistisches und fokussiertes funktioniert, müssen die Dialoge stimmen und dies ist hier dank George Batchelor’s Talent gesichert. Die Gespräche sind philosophisch, intim, aber auch sehr charmant und wahnsinnig witzig geschrieben. Dabei sind die Auswirkungen nie direkt offensichtlich und wir haben keinen Indikator dafür, ob uns nun eine bestimmte Auswahl zu einer gewissen Situation führt. Durch die Vielzahl an etlichen Abzweigungen bietet der Titel so einen hohen Wiederspielwert, der die sonstige Spielzeit von knapp zwei Stunden stark bereichert.

Präsentiert wird das Ganze dabei komplett über eine einzige Kameraeinstellung, die in manchen Situationen hier und da mal leicht zur Seite schwenkt oder heranzoomt, meistens aber doch eher statisch bleibt. Diese Sicht eines Beobachters könnte schnell dazu führen, dass wir uns getrennt von der Protagonistin fühlen, dank den stimmigen Dialogen trifft dies aber nicht zu und das tolle Panorama am Horizont bietet zu jeder Sekunde wirkliches Wallpaper-Material.

Musikalisch untermalt wird das Spiel von Geoff Lentin, dessen Stücke die Themen des Spiels wunderbar akustisch verpacken. Egal ob wir dabei einer Schildkröte auf ihrer Reise beobachten oder mehr über die Vergangenheit unserer Protagonistin erfahren.

Fazit:
Far from Noise ist wie bereits erwähnt ein Visual Novel und kein vollwertiges Videospiel im klassischen Stil. Wer hier tief greifende Spielmechaniken und einen saftigen Umfang erwartet, wird enttäuscht. Legt man aber diese Erwartungen ab und lässt sich auf die kleine Geschichte hinter dem Titel ein, erwartet hier einen etwas ganz besonderes, welches einen auch noch lange nach den Credits begleiten wird.

Far from Noise ist seit dem 14. November für PC via Steam und für Playstation 4 erhältlich.

(getestet von Dr. Para)

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