Im Test: Eden Tomorrow (PSVR)

Die deutsche Produktionsfirma für 3D-Animationsfilme Soul Pix nutzt ihre Expertise um ihr erstes VR-Abenteuer zu kreieren. In Eden Tomorrow schlüpfen wir in die Rolle eines auf einem mysteriösen Planeten gestrandeten Astronauten und seiner aufgeweckten KI-Drohne und erkunden die Geheimnisse dieser fremden Welt. Ob das mutige Projekt des heimischen Studios geglückt ist, lest ihr in unserem Test.

Eden Tomorrow startet direkt mit allerlei Klischees des Science Ficition-Genres. Mit einer Bruchlandung unserer Rettungskapsel begrüßen wir einen Mars-ähnlichen Planeten. Erinnern können wir uns an nichts. Aber glücklicherweise hilft uns eine wortgewandte Drohne bei der Erkundung des Planeten voller feindlicher Kreaturen.

Da werden nicht nur Erinnerungen an alte Filme wach, das hört sich stark nach dem VR-Abenteuer Robinson: The Journey an. Und auch spielerisch ist Eden Tomorrow nicht weit von Cryteks VR-Beitrag entfernt. In beiden Spielen scheuen wir trotz aggressiver Umgebung klassisches Action-Gameplay und erkunden den fremden Planeten auf relativ friedliche Weise, indem wir kleine Rätsel lösen, die die Handlung vorantreiben.

Dabei funktioniert Eden Tomorrow meiner Meinung nach besser als der geistige Verwandte. Das liegt nicht zuletzt der linearen Struktur zugrunde. Die aktuelle Aufgabe ist jederzeit klar ersichtlich und so stellt sich ein kontinuierlicher Spielfortschritt ein. Dabei sind die vorgesetzten Herausforderungen selten sonderlich ausgefeilt, aber abwechslungsreich genug um in einer VR-Umgebung für Spaß und Motivation zu sorgen.

Zum Entspannen schlüpfen wir regelmäßig in die Rolle der schwebenden KI-Einheit Newton, um die Umgebung auszuspähen und Batterien zu finden, mit deren Energie wir im Weg stehenden Gerümpel wegräumen. Als menschlicher Protagonist sieht das Gameplay etwas actiongeladener aus ohne viel Hektik auszulösen. Hier weichen wir in einem Minispiel Felsbrocken aus, während wir Hänge herunterrutschen, schleichen uns an planeteneigenen Sauriern vorbei und kommen bei simplen Schalterrätseln dann doch etwas zur Ruhe.
Das ist spielerisch nicht viel und viele Situationen wirken etwas konstruiert und unpoliert, aber es ist merklich mehr als wir bei vergleichbaren Spielen zu sehen bekommen.

Wo Eden Tomorrow sich aber im größeren Maße von der Konkurrenz abhebt, ist die Präsentation der Story. Während anfangs der rot-braune Planet noch den ein oder anderen Gähner hervorlocken kann, entwickelt sich das Spiel innerhalb seiner 6-8 Stunden Spielzeit später zu einer ambitionierten SciFi-Erfahrung mit mächtigen Kulissen und einer überraschend düsteren, geheimnisvollen Geschichte. Auch ohne nennenswerte spielerische Bedrohung baut Eden Tomorrow über seine Inszenierung regelmäßig eine einnehmende Atmosphäre auf.

Unterstützend wirkt dabei die schöne Technik. Eden Tomorrow traut sich große Szenen in VR zu verwirklichen. Im Detail mag es so graphische Schwächen geben, der Gesamteindruck, wenn man zu riesigen Monstern in der weiten, exotisch anmutenden Prärie heraufschaut, ist aber phänomenal und genau das, was man sich als VR-Konsument wünscht. Es ist tatsächlich die Reise in eine fremde Welt.

Fazit:
Man merkt dem Spiel an, dass die Entwickler von Soul Pix sich in der Vergangenheit auf passive Animationsfilme spezialisiert haben. Die spielerischen Aspekte wirken teils etwas unbeholfen und fügen sich nicht harmonisch in das VR-Gefüge ein, wenn auch sie als kleine Minispiele und Auflockerungen ohne großen Frust funktionieren und für simplen Spielspaß sorgen. Dafür beweisen die Jungs und Mädels des Studios ihr Können aber in der 3D-Animationstechnik. Eden Tomorrow bietet großartige Szenen eines unbekannten Planeten und sorgt so für spannende Situationen, die in der virtuellen Realität besonders aufblühen können.

Jeder PSVR-Besitzer sollte zumindest einen Blick auf die kostenlose Demo im PSN werfen. Wer damit Spaß hat, wird auch in der Vollversion auf seine Kosten kommen und die ein oder andere positive Überraschung erleben.

(getestet von eape)