Im Test: Dark Devotion (PC)

Das französische Studio Hibernian Workshop lässt sich stark von dunkler Fantasy aus den Reihen von Diablo und H.P. Lovecraft inspirieren. Als passionierte Videospieler kommt man so natürlich auch nicht an From Softwares berühmt berüchtigten Titeln vorbei. Kein Wunder also, dass das Debütwerk Dark Devotion als 2D-Souls Game anmutet. Während PS4- und Switch-Spieler noch auf ihre Umsetzungen warten, nahmen wir bereits in unserem Test die PC-Version unter die Lupe.

Die Idee ist nicht gänzlich neu. Salt & Sanctuary tat es etwas schamlos, aber sehr erfolgreich. Hollow Knight gewann mit dem Konzept allerlei Auszeichnungen. Death’s Gambit verfehlte vielleicht die Ambitionen um ein Stück und Dead Cells würzte das Rogue-lite-Genre damit. Es geht um 2D-Souls-likes, also Spiele, die Idee hinter Spielen wie Dark Souls in die zweite Dimension walzen.

Dark Devotion reiht sich direkt in dieses Genre mit ein. Es atmet ein düsteres Fantasy-Setting, strotzt mit einem erbarmungslosen, mechanikreichen Action-Kampfsystem und setzt uns beim Ableben wieder ohne Gnade an den Startpunkt zurück. Natürlich verleiht es dem ganzen bekannten Konstrukt aber eine eigene Note.


Der Titel kommt nicht von irgendwo. In Dark Devotion geht um die unerbittliche Hingabe der Templer zu ihrem Gott. Wir schlüpfen in die Rolle einer stark gepanzerten heiligen Ritterin, die mit Schwert und Schild in die düsteren Katakomben einer dunklen Welt steigt, die nicht nur ihre Kampfkraft, sondern auch ihren Glauben auf die Probe stellen sollen.

Die Geschichte ist genretypisch erst einmal vage, entfaltet aber mit jedem Bruchstück eine starke Anziehungskraft. Dabei nimmt die Story hier mit der Zeit auch konkretere Formen an als der Urvater. Die Welt ist trostlos, aber geizt nicht an Dialogen und Itembeschreibungen, die uns tiefer in die interessante Materie steigen lassen.

Aber die Geschichte muss mit viel Mühe erobert werden. Jeder Gegner stellt hier eine ernsthafte Bedrohung dar und erfordert die richtige Strategie aus Blocks, Ausweichrollen und Angriffen oder, speziell bei Bosskämpfen, auch die nötige Vorbereitung in Form von der richtigen Ausrüstung und passender Magie. Die Story greift hier auch unmittelbar ins Gameplay ein, denn das Spiel belohnt den gläubigen Krieger mit zufälligen Segen und bestraft den unfrommen Geist mit schwächenden Flüchen. Durch diese dynamischen Effekte ermüdet das Backtracking kaum und kann unerwartete Situationen schaffen.

So ganz intuitiv ist das Interface allerdings nicht und auch die Steuerung hätte noch etwas Feintuning vertragen können. So können wir nicht die zweifelhafte Controllerbelegung verändern, looten indem wir uns ducken und das Trefferfeedback ist nicht immer gegeben. Während der Charakterfortschritt an Dead Cells erinnert, wo wir ebenfalls nach dem Tod einige Gegenstände ins nächste Leben übernehmen können und einige permanente Vorteile freischalten, den Rest aber verlieren, funktionierte dort das Charaktermanagement viel flotter und geschickter. Dark Devotion kann sich beizeiten ziemlich hakelig anfühlen.


Dafür punktet das Spiel bei der Erkundung. Denn die vier weitreichenden Gebiete sind clever designt und warten mit unterschiedlichen Gegnern, insgesamt 18 Bossen, unzähligen Fallen und Hindernissen auf. Wer die Augen offen hält, entdeckt Geheimnisse, die zu versteckten Inhalten und Herausforderungen mit materiellen Belohnungen und Hintergrundinformationen führen.

Wirklich gelungen ist auch das Art Design. Dark Devotion überzeugt mit einem sehr detaillierten Pixelstil, der an die 16bit-Ära erinnert. Die dunklen Gemäuer werden kontrastreich mit opulent animierter Magie erhellt. Dazu gesellt sich ein aufwendiger Soundtrack, der die bedrückende Atmosphäre bittersüß ergänzt.

Mit einer Spieldauer von über 20 Stunden verfügt Dark Devotion über einen stolzen Umfang, der bis zum Ende unterhält. Das Fortschrittssystem macht jeden Run interessant und einzigartig, und motiviert mit kleinen und großen Verbesserungen des eigenen Charakters. Dabei ist der Tod und damit ein Fünkchen Frust ein wichtiger Aspekt des Gameplays, zumindest meistens aber nachvollziehbar und fair, und ködert mit dem „Noch ein letzter Versuch“-Effekt.

Fazit:
Dark Devotion gesellt sich zu den 2D-Souls-likes und macht dabei eine gute Figur. Die düstere Stimmung trifft den Nerv des Genres, die Geschichte klettert in ungeahnte Tiefen und das Gameplay lässt sich ein Stück weit von Rogue-lites inspirieren, was die Formel in eine neuartige, sehr motivierende Richtung umschreibt. Auch wenn das Spiel noch etwas mehr Zeit für Polishing verdient hätte, können Genreenthusiasten den unergründlichen Templern folgen. Wir freuen uns auf die baldigen Konsolenversionen und hoffen dort auf die finale Politur.

(getestet von eape)