Im Test: Ape Out (Switch / PC)

Der New Yorker Gamedesigner Gabe Cuzzillo lässt sich bei seinem zweiten Spiel von Amerikas Kulturstadt inspirieren. 30er-Jahre Kinokunst. King Kong. Kneipenjazz. Mithilfe von Devolver Digital präsentiert er Ape Out, den actiongeladenen Ausbruch eines Gorillas aus der Gefangenschaft. In unserem Test erfahrt ihr, was hinter der effektvollen Fassade steckt.

APE OUT. Riesige Letter überdecken die Silhouette eines Gorillas hinter Gittern. Der inhaltliche Kontrast zwischen Text und Bild findet sich auch in der überstilisierten, minimalistischen Darstellung wieder. Der Startscreen braucht lediglich zwei Farben auf schwarzem Grund um das Motiv des gesamten Spiels präzise und schlagfertig zu präsentieren. Ein Affe bricht aus. Es erinnert stark an Filmplakate aus den Anfangszeiten des amerikanischen Kinos. Und mit einem Klick erwecken wir diese nostalgische Lichtspieltheaterästhetik zum flackernden Leben.

Ein trockenes Schlagzeug durchbricht die Stille. Anfangs noch zahm und punktuell begleiten die Drums die Titelsequenz mit immer mehr Wucht in scheppernden Beckenschlägen. Erinnerungen an Klassiker wie die Opening Credits von Pink Panther oder James Bond werden wach. Ungezähmtes Affengekreische und weitere Percussionelemente schaukeln das Intro zum frühen Höhepunkt hoch. Wir sind ein Gorilla. Eine Bestie in Gefangenschaft. Ein erster Knopfdruck und zwei Zentner Muskelmasse brechen in blutrünstiger Gewalt gegen den ahnungslosen Gefängniswärter aus. Frenetisches Jazz-Chaos.

Ape Out ist Top-Down-Action-Game, nicht weit entfernt von Hotline Miami reduziert es sich visuell wie spielerisch noch stärker. Unser Repertoire an Bewegungen beschränkt sich auf mächtige Schläge und das Klammern und Werfen von Gegnern. Unsere Aufgabe ist es den Menschen zu entkommen, die sich uns mit Scharfschützengewehren, Schrotflinten und Bombengürteln in Überzahl in den Weg stellen, und unsere Freiheit wiederzuerlangen.

Rohe Gewalt funktioniert gut gegen einzelne Widersacher. Kommt der größte Feind des massigen Dschungeltieres in Scharen, muss der Menschenaffe beweisen, dass er auch zu den klügsten Tieren gehört. Hierbei nutzt er die Offensive wie Defensive strategisch und verwandelt die labyrinthartigen Gebäudekomplexe zu seinem Vorteil. Blitzschnelle Reflexe und schnelles Schalten sind in den dynamischen Non-Stop-Gefechten das A und O, denn eine kleine Unachtsamkeit führt zum gnadenlosen Ableben des nicht ganz so sanften Riesen.

Ape Out lässt uns dabei schier unmögliche Encounter umdrehen: Packen wir einen Angreifer mit einem durchschlagskräftigen Gewehr, gibt er noch einen letzten Verzweiflungsschuss ab, den wir gegen seine Kollegen richten können. Selbstmörderische Attentäter sehnen unseren schnellen Tod herbei, schleudern wir sie gezielt in die Menge, lassen sich mehrere Gegner hingegen gleichzeitig ausschalten. Das Spiel bietet nicht viele Mechaniken, nutzt die vorhandenen aber für ein interessantes, herausforderndes Gameplay.

Dadurch entsteht eine süchtig-machende, arcadige Spieldynamik, die mit ihrem Trial-and-Error-Prinzip kurzzeitig frustriert, aber langfristig motiviert. Jeder Tod provoziert uns mit einer Karte, die unsere Laufroute und den oft zum Greifen nahen Ausgang eines Stockwerks darstellt. Jeder Versuch bringt uns näher zum rettenden Ende und verführt uns schmerzhaft zu einem weiteren letzten Neustart bis wir auf jede Situation reagieren können.

Aber Ape Out ist viel mehr als ein gutes Action-Game. Der sich steigernde Free Jazz treibt uns nicht nur zu wildesten Höchstleistungen an, er erfährt auch musikalisch durch unsere Aktionen klangliche Akzente. Ähnlich wie zuletzt bei Tetris Effect verschmilzt das Gameplay mit der Musikuntermalung und es wundert nicht, dass die Level als retro Vinyl-Cover offeriert werden, denn Ape Out ist genauso Musical wie es Spiel ist und gebündelt mit der schrillen visuellen Aufmachung, sticht es als bemerkenswertes Kunstwerk heraus.

Der augenscheinlich geringe, repetitive Umfang mit nur vier unterschiedlichen, jedoch prozedural-generierten Szenarien, unterteilt in acht Abschnitte, täuscht daher schnell. Zum einen wird man aufgrund des relativ hohen Schwierigkeitsgrades vermutlich doch eine Weile brauchen bis man sich die Freiheit erkämpft hat, zum anderen ist Ape Out eben eine Erfahrung, die wie ein geliebter Track immer wieder funktioniert und außerdem für den klassischen Gamer einen Arcade-Mode bietet, der zur Highscorejagd anspornt. Das Gesamtpaket wird so wunderbar abgerundet und strotzt mit polierter Qualität statt Quantität.

Fazit:
Es herrscht eine subtile Melancholie in diesem animalischen Ausbruch der stummen Gewalt. Ape Out transformiert das Motiv eines von Menschen bedrängten wilden Tieres in ein erstklassiges Arcade-Game, das die Trauer, Verzweiflung und Wut des stolzen Gorillas spielerisch in hochdynamische, rohe Action bündelt, mit einem tobenden, unbändigen Jazz-Soundtrack koppelt und visuell mit einer nostalgischen, scharf konturierten Leinwandästhetik verkleidet. Während all diese Qualitäten bereits für sich alleine Bände sprechen, erhebt das Zusammenspiel Ape Out zu einem Muss für jeden neugierigen Spieler.

(getestet von eape)