Im Test: Modern Combat Blackout (Switch)

Rund fünf Jahre nach dem Release für Mobile Geräte veröffentlichen Gameloft ihren Freemium Call of Duty-Klon für Nintendo’s beliebten Hybriden. Wir haben uns die Kampfstiefel angezogen und sind für euch in den Krieg gezogen. Ob sich der Kampf lohnt, verrät unser Test.

Die terroristische Miliz World Liberation Army führt einen Angriff auf Venedig aus, um biologische Waffen zu stehlen. Cayden Phoenix, heroischer Recke und Supersoldat wird unter Auftrag der Gillam Security nach Venedig geschickt, um den Schlamassel aufzuräumen. Währenddessen wird sein Kollege Bull unter Verdacht auf illegalen Waffenhandel entlassen und das Unheil nimmt seinen Lauf.

So weit, so uninspiriert. Die Story dürfte wohl niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Aber wie auch das große Vorbild, dürfte wohl kaum jemand auf den Geschichtenkauderwelsch achten, wenn doch um einen herum so viel explodiert. Von der ersten Minute an nimmt sich Modern Combat die Formel von Activision’s Genre-Primus zu Herzen und dreht diese auf 120%, tränkt sie in genügend Red Bull und setzt sie anschließend unter Strom. Keine zwei Minuten in der ersten Mission und wir werden von einem Hubschrauber verfolgt, während wir in einem Speedboat sitzen und um uns herum halb Venedig in Schutt und Asche fällt. Dass sich die Entwickler von Modern Combat keine Zeit lassen können für ausführliche Storysequenzen, liegt wohl in der Mobile-Natur des Spiels. Missionen dauern meist nur 2-3 Minuten, damit man auch mal die schnelle Runde zwischendurch einlegen kann. Daher stört es auch herzlich wenig, wenn die Story keinen Sinn macht. Man hört eh nicht zu und ist nur für die Achterbahnfahrt an Bord. Immerhin sind die Dialoge recht ordentlich vertont und stehen dem Gameplay kaum im Weg.

Das Gameplay ist einem vom ersten Moment an sehr vertraut und wurde ordentlich vom Touchscreen auf die Analogsticks umgesetzt. Sprinten, Zielen, Granaten werfen, Messern… Wer schonmal einen modernen Shooter gespielt hat, wird sich hier direkt heimisch fühlen. Löblich ist zudem die gut integrierte Motion Sensor-Steuerung, welche die kurzen Analogsticks der JoyCons tadellos unterstützt und das Spielen im Handheld-Modus um einiges angenehmer macht. Selbstverständlich dürfen auch die antiquitierten QuickTime Events nicht fehlen, die bei Militärshootern schon fast zum guten Ton gehören.

Grafisch macht Modern Combat zumindest auf dem Handheld-Screen eine ordentliche Figur. Begünstigt durch das sehr lineare Leveldesign, sehen die verschiedenen Orte auf der ganzen Welt recht ordentlich aus. Man bemerkt allerdings durchaus die bereits fünf Jahre alte Mobile-Technik, was aber auf dem kleinen Screen nicht weiter stören dürfte. Auf dem TV hingegen ist Modern Combat fast schon gruselig anzuschauen. Niedrig aufgelöste Texturen, Charaktermodelle aus einer anderen Ära und Effekte von Vor-Vorgestern. Wir empfehlen daher den reinen Handheld-Betrieb.

Neben der rund drei Stunden langen Kampagne bietet Modern Combat Blackout auch einen Mehrspielermodus. Auf mehreren Maps bekannt von Settings aus der Kampagne dürfen sich zwei Teams gegeneinander über den Haufen schießen. Das schöne hierbei ist, dass Waffen und Ausrüstung, die wir in der Kampagne freigeschaltet haben, sowie freigeschaltete Levelvorteile durch den Spielerrang, auch im Mehrspielmodus nutzbar sind. Probleme hatten wir allerdings des Öfteren mit der Verbindung zu anderen Spielern. Durch die Player2Player-Verbindung entstehen manchmal Vorteile für das Hostteam, was Runden durchaus frustrierend werden lassen kann.

Da Modern Combat zu einem Preis von 19,99€ im eShop angeboten wird, hat sich Gameloft entschieden, die Microtransaktionen nicht in das Spiel zu integrieren. Man kann zwar nach wie vor Lootboxen kaufen, diese werden aber ausschließlich mit Ingame-Währung bezahlt, die sich recht flott verdienen lässt. Daumen hoch für das faire Modell!

Fazit:
Modern Combat Blackout ist ein adäquater Call of Duty-Ersatz für Nintendo Switch. Trotz der unübersehbaren Wurzeln im Mobile-Sektor, bekommen geneigte Spieler für knapp 20 Euro einen soliden Militärshooter mit robustem, wenn auch technisch nicht ganz ausgereiften, Mehrspieler-Modus geboten. Die Kampagne weiß zu unterhalten, das Gameplay geht gut von der Hand und der Umfang ist mehr als angemessen. 

(getestet von Frank Johann)