Im Test: Vanquish (Steam)

Als Platinum Games in Zusammenarbeit mit Resident Evil-Schöpfer Shinji Mikami vor knapp sieben Jahren Vanquish für Playstation 3 und Xbox 360 veröffentlichte, war dies ihr Beitrag zum damaligen Trend der Cover-Shooter. Gefeiert von der Presse und den Spielern, blieb es aber verkaufszahlentechnisch hinter den Erwartungen zurück. Mikami und Platinum gingen wieder getrennte Wege und um Vanquish wurde es still. Doch durch Sega’s neue Bemühungen, ihre Konsolen-exklusiven Titel auf den PC zu bringen, erfährt nun auch Vanquish seinen zweiten Frühling.

Nach etlichen Energiekrisen und Kriegen, um die letzten natürlichen Ressourcen der Erde, entwickelt die USA die Raumstation SC-01 Providence, die mit ihrem eingebauten Solar-Generator endgültig das Energieproblem der Vereinigten Staaten lösen soll. Als eines Tages der Orden des russischen Sterns – eine Fraktion des russischen Militärs, die durch einen Putsch die Macht in Russland erlangt hat, die Raumstation mit ihrer Armee an Robotersoldaten erobern, wird der Generator zu einer Massenvernichtungswaffe und legt kurz darauf die Westküsten Metropole San Francisco in Schutt in Asche. Falls die USA in den nächsten zehn Stunden nicht ihre Kapitulation einreicht, wird New York City das gleiche Schicksal erfahren. Da dies keine Option für die Regierung ist, wird ein großangelegter Militärangriff gegen SC-01 Providence angeordnet.

Ganz vorne mit dabei ist unser Hauptcharakter Sam Gideon. Agent von DARPA, Ex-College Football Spieler, Kettenraucher und ausgestattet mit einem experimentellen Kampfanzug, liegt es nun an uns, das Blatt für die USA zu wenden und die Putschisten wieder von der Station zu schmeißen.

Schauen wir uns die Veröffentlichungen von Platinum Games an, fällt Vanquish recht schnell aus dem Raster. Es ist kein Hack-and-Slasher wie Bayonetta, Metal Gear Rising oder ein Mad World, sondern wir haben es hier auf den ersten Blick mit einen Third-Person-Cover-Shooter à la Gears of War zu tun. Die Kamera ist hinter der Schulter positioniert, wir können bis zu drei verschiedene Waffen mit uns tragen, nutzen Deckungen als Schutz vor Beschuss und wenn wir mal Schaden nehmen, regenerieren sich unsere Wunden nach kurzer Zeit von allein. Doch bietet Vanquish trotz allem die gewohnte Spieltiefe, die man von einem Platinum-Titel erwartet. Während diese aber bei einem Bayonetta in den gelernten Kombos und der getimten Witch Time liegt, liegt sie hier im richtigen Umgang des Kampfanzugs. Zwar können wir auch nur einfach hinter Deckungen bleiben und einen Gegner nach dem anderen ausschalten, doch entfaltet sich das Spiel erst wirklich, wenn wir von den technischen Vorteilen der Rüstung Gebrauch machen. So bewegen wir uns dank den eingebauten Düsen rasant durch die Level und damit wir nicht den Überblick verlieren, lösen wir mit dem sogenannten AR Mode eine Art Bullet Time aus, die für wenige Sekunden alles um uns herum verlangsamt. Kombinieren wir diese beiden Elemente, haben wir vom Spielstart aus alles, um jede Situation zu meistern.

Doch zieht dies alles an unserer Energieleiste, weswegen wir immer ein Auge darauf haben sollten, diese nie völlig aufzubrauchen. Kommt es doch mal dazu, überhitzt unser Energiekern und muss sich für ein paar Sekunden erstmal abkühlen. In so welchen Situationen sollten wir dann so schnell wie Möglich die nächste Deckung suchen und unseren Kopf unten halten, da Sam für den Moment deutlich anfälliger für Schaden ist und auch nicht mehr auf den AR Mode zurückgreifen kann.

Zum Glück sind wir aber nicht nur auf unseren Anzug angewiesen. Gideon hat Zugriff auf ein breitgefächertes Arsenal an verschiedensten Waffen, die vom Sturmgewehr bis zur zielsuchenden Laserkanone so gut wie jedes Bedürfnis abdeckt. Dazu gibt es noch zwei Arten von Handgranaten und im Notfall kann sich noch im Nahkampf gewehrt werden. Durch grüne Upgrade-Chips lassen sich die jeweiligen Waffen stufenweise upgraden. Magazingröße, Feuerrate, nach und nach verbessern wir unsere Schießeisen. Sterben wir aber mal, werden die Waffen als Strafe auch wieder stufenweise runtergesetzt.

Knapp sechs Stunden und einige Bosskämpfe später, laufen die Credits über den Bildschirm. Wer nicht genug von Vanquish kriegen kann, kann sich an den Challenge Missionen versuchen, oder sich dem God Hard Schwierigkeitsgrad stellen, der dem ganzen nochmal die Krone aufsetzt. Gegner konzentrieren ihr Feuer ganz alleine auf uns, Waffen können nicht geupgradet werden und wenn das nicht schon ausreichen würde, haben wir dazu noch weniger HP, weniger Energie und der AR Mode hält nur noch knappe zwei Sekunden.

Technisch hat hier Sega mal wieder einen vorbildlichen Port abgeliefert. Es gibt genug Optionen für Auflösungen, Texturen, Anti-Aliasing, Schatten, SSAO & Co. Und selbst ältere Rechner sollten das Spiel ohne großen Probleme in Full HD und 60fps zum Laufen kriegen.

Doch einer der größten Vorteile des Ports liegt noch nicht einmal in den optischen Vorzügen, sondern direkt vor uns, nämlich bei Maus und Tastatur. Obwohl das Spiel vor sieben Jahren nur für Konsolen entwickelt worden ist, steuert es sich hervorragend und selbst bei Quick-Time-Events ziehen wir damit nicht den Kürzeren.

Fazit:
Auch 2017 bleibt Vanquish ein absolutes Muss für Action-Liebhaber und in seinem Feld unerreicht.

Kurz und knackig, das Pacing ist on point, der Elektro-Soundtrack von Erina Niwa unterstreicht die Materialschlachten perfekt und gerade als Fan von alten Actionfilmen wird man kein Problem mit der Story und den Charakteren haben, die wohl auf einen Bierdeckel passen würden.

Schneller und stylischer hat man sich noch nie von Deckung zu Deckung geballert.

Vanquish ist seit dem 25. Mai 2017 auf Steam erhältlich.

(getestet von Dr. Para)

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