Im Test: Travis Strikes Again (Switch)

Fast neun Jahre nach dem Erscheinen von No More Heroes 2: Desperate Struggle feiert der Kultcharakter Travis Touchdown nun sein Comeback auf einer Nintendo Konsole. Doch verbirgt sich hinter Travis Strikes Again: No More Heroes kein neuer Hauptteil, sondern ein arcadelastiges Spinoff. Ob Fans trotzdem ihre Freude damit haben? Der folgende Test beantwortet diese Frage.

Travis Touchdown hat es nicht leicht. Eigentlich wollte er seinen Job als Auftragskiller an den Nagel hängen und einfach nur entspannt den ganzen Tag vor der Glotze hängen und Videospiele spielen. Jedoch hat der Ex-Baseballspieler Badman noch ein Hühnchen mit Travis zu rupfen, da dieser vor mehreren Jahren seine Tochter über den Jordan schickte. Nach einer ordentlichen Keilerei in Travis‘ Wohnwagen werden beide mysteriöserweise in Travis‘ Konsole, den Death Drive Mk 2 gesaugt und müssen sich nun durch mehrere Videospiele kämpfen.

In Travis Strikes Again spielen wir – wie bereits in den Vorgänger No More Heroes 1 & 2 – den namensgebenden Auftragskiller Travis Touchdown. Jedoch unterscheidet sich der Ablauf des Spiels deutlich von den anderen Spielen in der Franchise. Haben wir Travis in den Vorgängerspielen noch über die Schulter geschaut, beobachten wir das Geschehen in Travis Strikes Again aus der Vogelperspektive. Das auf den ersten Blick simpel wirkende Kampfsystem bietet dank der freischaltbaren Fähigkeitenchips genügend Abwechslung, um zumindest zeitweise zu unterhalten. Die Gegner sind, bis auf die fulminant inszenierten Bosse, nicht wirklich aufregend oder sonderlich intelligent. Insgesamt ist das Gameplay einfach nicht die größte Stärke des Spiels und wird recht schnell eintönig.  Trotzdem konnten wir das Spiel durch die gesamte Spielzeit von rund 11 Stunden nicht weglegen, weil die Stärken woanders liegen.

Trotz des schwachen Gameplays wurden wir in einen regelrechten Bann gezogen. Das liegt zum einen an dem großartigen Humor mit seinen zahlreichen Anspielungen auf die Popkultur (darunter auch zahlreiche Indie-Spiele) und zum anderen an der schrägen Präsentation. Travis Strikes Again ist wie eine Grasshopper Familienfeier, auf der jeder eingeladen ist. Zwischen den Videospielen absolvieren wir in einer Textadventure-Sequenz die Story zu Travis Strikes Again. Hier treffen Travis und seine gesprächige Katze Jeanne mehr als einmal auf Protagonisten aus anderen Spielen des Kultentwicklers Suda 51. Alles was Rang und Namen hat ist vertreten und wie bereits in seinen anderen Titeln, hält Suda auch für Travis Strikes Again mehr als nur eine Überraschung in der Hinterhand. Die Präsentation von Story und Levels, der Ideenreichtum was die Geschichte angeht sowie die sympathisch erzählte Achterbahnfahrt wissen einfach zu gefallen und zu unterhalten. Gerade im letzten Drittel hält Travis Strikes Again dermaßen viele Überraschungen für Fans parat, dass wir mehr als einmal grinsend vor der Konsole saßen. Suda 51 weiß genau was seine Fans wollen.

Fazit:
Abschließend bleibt zu sagen, dass Travis Strikes Again wohl ein klassischer Fall von sehr gutem, schlechtem Spiel ist. Einzeln genommen sind die Zutaten alle nur durchschnittlich. Vermischt und gewürzt mit der nötigen Prise Suda-Wahnsinn ergibt sich allerdings ein dermaßen unterhaltender Cocktail aus Videospiel-gewordenem Fiebertraum, dass wir nicht so ganz wissen, was da nun eigentlich passiert ist und warum wir so lange drangeblieben sind. Aber es hat verdammt viel Spaß gemacht und bleibt wegen seiner schrägen Ideen noch lange im Gedächtnis. Jedem Fan von Grasshopper Games ist Travis Strikes Again daher uneingeschränkt zu empfehlen. Allen, die nichts damit anzufangen wissen, raten wir sich einen Freund zu schnappen und gemeinsam im Koopmodus mit Bier und der nötigen Offenheit für eigenartige Erlebnisse in die verrückte Welt von Suda 51 einzutauchen. Allein durch seine Kreativität ein kleiner Meilenstein, der nicht so schnell vergessen wird.

(getestet von Frank Johann)