Im Test: The Caligula Effect (Vita)

Geschrieben von einem der Persona-Schöpfer Tadashi Satomi schiebt sich The Caligula Effect rasch ins Rampenlicht der JRPG-Community. Während der neuste Persona-Ableger die stationäre PS4 beschäftigt, füttert Publisher Atlus unsere mobile Playstation Vita mit diesem skurrilen Highschool-Rollenspiel. Wie es sich gegen die harte Konkurrenz schlägt, erfahrt ihr im Test.

Dass hinter The Caligula Effect ein Schreiber von Persona und Persona 2 steckt, lässt sich kaum leugnen. Im Intro erfährt der Protagonist, dass sein Highschoolleben auf einer Lüge basiert und er sich eigentlich in einer virtuellen Realität befindet. Nun wird der entspannte Schulalltag zum Albtraum voller digitaler Monster und herrschsüchtiger künstlicher Intelligenzen. Zusammen mit seinen Schulkameraden aus dem Go-Home Club versucht er jetzt dieser Welt zu entfliehen.

Dabei stellen wir uns nicht nur gegen manipulierte Schüler, sondern dringen auch tief in ihre Seele ein, um sie von ihren seelischen Traumata zu lösen. Einige Charaktere erhalten hier besonders viel Aufmerksamkeit, aber insgesamt knüpfen wir mit deutlich über 500 Charakteren Kontakt. Und das nicht nur für die Statistik. Je enger die Beziehung, desto größer die Boni für unsere Kampffertigkeiten.

Wer noch nicht bei der Vielzahl an sozialen Kontakten die Übersicht verloren hat, der wird spätestens im ersten Kampf kurz durchatmen müssen. Das Kampfsystem ist komplex, und die Einführung erläutert die Basics, aber danach ist man auf sich allein gestellt.

Wir steuern eine Party in pausierbarer Echtzeit. Jeder Charakter nimmt dabei eine bestimmte Rolle im Team ein und mithilfe einer Zeitleiste kombinieren wir die unterschiedlichen Fähigkeiten zeitlich sinnvoll, um maximalen Schaden zu verursachen. Im Detail sieht das dann so aus, dass wir beispielsweise mit unserer Scharfschützenheilerin den Gegner schwächen, während der Protagonist ihn hoch in die Luft schleudert, weil der Dritte im Bunde zusätzlichen Schaden gegen fliegende Widersacher macht. Timen wir diese Aktionen richtig, ist das Gefecht mit einem guten Rating schnell überstanden und wir kassieren Erfahrungspunkte und Items, um unser Team mit vielen interessanten Skills und dem passenden Equipment weiter anzupassen.

Das ungewöhnliche, aber clevere Kampfsystem mag anfangs überfordern, belohnt aber hartnäckige und geduldige Spieler und befriedigt mit erfolgreichen Combos ungemein. Leider ist der Spielaufbau nicht immer motivierend. Oft streut man herum und bekämpft wiederholt schwache, aber zahlreiche Feinde, ohne dass sich das Potenzial der Spielsysteme entfalten kann. Hier wäre ein stärkerer Fokus auf wenige, aber durchdachte Kämpfe wünschenswert gewesen.

Und auch die Story kann sich manchmal etwas ziehen, wird ungeschickt erzählt und bleibt nach dem verheißungsvollen Einstieg hinter den Erwartungen zurück. Einige gute Charakterepisoden täuschen nicht darüber hinweg, dass der Plot zu wenig Stoff für über 20 Stunden Spielzeit liefert.

Die ansehnliche Grafik kostet uns leider eine flüssige Framerate. Ruckler und eine unsaubere Performance trüben den Spielspaß etwas. Dafür kommt der Soundtrack mit abwechslungsreichen lizenzierten Tracks japanischer Musiker aus. Fans von J-Pop kommen hier voll auf ihre Kosten.

Löblich ist auch der Umfang. Zum einen bietet das Spiel mit seinem großen Pool an Kontakten und Interaktionen sowieso schon viel Content, nach dem Durchspielen wartet aber noch ein New Game Plus-Modus auf ambitionierte Spieler. Auch gibt es viel zu entdecken und freizuschalten.

Fazit:
The Caligula Effect wird die Gemüter spalten. Das Szenario ist vielversprechend, das Kampfsystem originell und taktisch motivierend und das Pflegen von Beziehungen erinnert positiv an die Persona-Reihe. Schade, dass diese überaus positiven Spitzen vom müden und zählen Spielaufbau überdeckt werden. Trotzdem hatte ich erstaunlich viel Spaß mit diesem japanischen Rollenspiel und jeder Genrefan sollte einen Blick in diese digital infizierte Highschool wagen.

(getestet von Wladyslaw Oswiecimski)

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