Im Test: Project Warlock (PC)

Der gerade mal 19 Jahre alte Jakub Cislo hat mit Project Warlock eine Hommage an die Shooter der 90er veröffentlicht. Spiele die erschienen sind, bevor er überhaupt geboren wurde. In bester Blood- oder Hexen-Manier ballern wir uns vor coolen Goth-Kulissen durch Sprite-Gegner und finden dabei allerlei Geheimnisse. Ob der Retroausflug auch ohne rosarote Brille taugt, verrät unser Test.

Vor mehr als 20 Jahren habe ich meinen ersten Ausflug in das Genre der Shooter gewagt. Doom war bereits zu dieser Zeit eine Schulhoflegende und weit verbreitet. Allerdings wagte ich meine ersten Schritte in die Welt von Sprite-Ballereien nicht mit dem Doom Marine, sondern mit Raven Software’s Hexen 2. Projekt Warlock fühlt sich an wie eine Mischung aus den beiden Oldschool-Größen. Von der ersten Minute an wird klar, hier handelt es sich um eine wahre Neuinterpretation der Klassiker.

In Project Warlock spielen wir einen Warlock, der mit Zauberstab und Revolver bewaffnet, einer fiesen Dämonenschar an den Kragen geht. Eine Story gibt es nicht, bis auf ein oder zwei plumpe Oneliner erfahren wir nichts über die Welt oder den Protagonisten. Vor jedem Level befindet man sich in der Basis. In der Basis ist es möglich, die Fähigkeiten des Recken zu verbessern, sein Arsenal aufzurüsten oder neue magische Fähigkeiten zu erlernen. Hier begegnet man direkt der ersten Modernisierung von Project Warlock. Durch die in den Levels gefundenen Schätze erlangt man Erfahrungspunkte und steigt so im Level auf. Jeder Levelaufstieg kommt mit einem Attributpunkt daher, den wir in eine von insgesamt vier Eigenschaften stecken können. So lassen sich die Gesundheit, der Manavorrat, der Nahkampfschaden oder der magische Schaden verbessern und der Charakter individuell entwickeln. Durch Upgradesterne, welche man auch in den Levels findet, schaltet man außerdem neue Zaubersprüche frei oder verbessert sein vorhandenes Arsenal. Da beide dieselben Upgrade-Punkte benötigen und diese eher spärlich in den Levels zu finden sind, muss man sich also genau überlegen, was man will oder was am besten zum eigenen Spielstil passt. Ferner lassen sich Perks erlernen, die den Charakter weiter verbessern.

In den Levels selbst wird man sich direkt heimisch fühlen. Das Layout erinnert stark an die guten, alten Zeiten mit verwinkelten Wegen, farbkodierten, verschlossenen Türen und geheimen Hebeln. Wie auch schon damals, lassen sich einzelne Abschnitte in wenigen Minuten bestreiten, sodass auch Speedrunner auf ihre Kosten kommen sollten. In fünf unterschiedlichen Umgebungen ballert man sich mit knapp 40 verschiedenen Waffen durch rund 60 Levels und trifft auf über 70 unterschiedliche Gegnertypen. Der Umfang ist also recht ordentlich. Grafisch präsentiert sich Project Warlock trotz dem Pixellook sehr ansprechend. Die Engine verfügt über beeindruckende Lichteffekte, die Animationen der Gegner sind – für die limitierte Darstellung -sehr umfangreich und detailverliebt und die Areale selbst optisch abwechslungsreich genug, um über die gesamte Dauer spannend zu bleiben. Der Entwickler hat hier deutlich sehr viel Liebe reingesteckt und ein Spiel geschaffen, welches trotz dem Grafikdesign aus einer anderen Dekade modern aussieht.

Auch der Soundtrack von Komponist Jerry Lehr weiß mit eingängigen Melodien zu treiben und zu unterhalten. Selten kann man beim spielen die Füße stillhalten und muss mit tippen. Der OST passt sich wunderbar an das Geschehen sowie die Level an und bietet immer atmosphärische Töne.

Fazit:
Project Warlock sah bereits in den ersten Trailern absolut vielversprechend aus und hat in der Vollversion nicht enttäuscht. Dank einer Handvoll sinnvoller Modernisierungen geht die Oldschool-Formel auch heute noch wunderbar auf. Wer Lust auf deftige Action vor nostalgischer Kulisse hat, der sollte für den schmalen Betrag von nur 11€ zugreifen!

Project Warlock ist seit dem 18. Oktober ausschließlich auf GOG.com erhältlich

(getestet von Frank Johann)