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Im Test: MechWarrior 5: Mercenaries (PS4, PS5)

Wir können nicht über MechWarrior reden und dabei keine kleine Geschichtsstunde abhalten, denn die Veröffentlichung von MechWarrior 5: Mercenaries ist etwas recht Besonderes. Nicht nur ist es der erste Singleplayer-Ableger der Reihe seit 2002, sondern auch der erste Ausflug ins Universum auf einer Playstation Konsole seit 1995. Zwei gute Gründe also die Rückkehr von MechWarrior zu feiern. Ob Entwickler Piranha Games dabei den dritten Grund zur Freude gibt, in dem sie einen vollwertigen Ableger abgeliefert haben, der alte wie auch neue Fans überzeugen kann, erfahrt ihr bei uns im Test.

Wir schreiben das Jahr 3015. Eigentlich hätte es ein ganz normaler Tag auf der Koloniewelt De Berry Prime werden sollen. Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten und die Erde bebte unter den Füßen unseres 50 Tonnen schweren Centurion Mechs, mit dem wir die heutige Trainingseinheit absolvieren sollten. So war es jedenfalls geplant von unserem Vater Nikolai Mason, der auch gleichzeitig die lokale Söldnertruppe Nik’s Cavaliers anführte, doch als plötzlich unzählige unbekannte Dropships vom Himmel regneten und nach und nach schwerbewaffnete Mechs ausspuckten, wurde aus der Übungseinheit bittere Realität. Städte der Kolonie standen in Brand, die tapferen Piloten der Cavaliers versuchten ihr bestes, doch am Ende fiel jeder von Ihnen. Um uns genug Zeit für die Flucht zu verschaffen, opferte sich auch Nikolai in einem aussichtslosen Gefecht. Gerade mal zwei Mechs und eine handvoll Mitarbeiter schafften es vom Planeten, unter ihnen Offizierin Ryana Campbell und Chef Mechaniker Fahad Arazad, die genau so Rache an den Aggressoren verüben wollen, wie wir. Doch ohne Ruf, Ruhm und vor allem C-Bills, stehen wir an der Nahrungskette der Galaxie ganz weit unten.

In MechWarrior 5: Mercenaries ist es unsere Aufgabe eine komplett neue Söldnertruppe aus dem Nichts zu erschaffen. Mit kaum C-Bills, zwei Mechs, von denen einer auch noch reif für die Schrottpresse ist, heißt das für uns erstmal kleine Schritte zu machen. Kleine Aufträge, kleines Risiko, aber auch eben kleiner Gewinn. Mühsam müssen wir uns nach oben arbeiten, stellen neue Piloten ein, erweitern unser Arsenal an Maschinen und Waffen und bauen dabei wichtige Kontakte zu den verschiedenen Häusern auf, die uns vielleicht auch auf die richtige Spur bringen, um die Mörder unseres Vaters zu enttarnen. Bevor es aber so weit ist, müssen wir uns die Hände dreckig machen, und zwar ordentlich. Schnell werden wir in unsere ersten Einsätze geschickt, um uns mit dem Basis-Gameplay von MechWarrior vertraut zu machen, denn der Titel bietet, ähnlich wie schon seine Vorgänger, einige Mechaniken, die beachtet und gemeistert werden müssen, wenn wir zum besten Piloten der Galaxie werden wollen.


Das Gefühl eines Mechs ist dabei dem eines Panzers nicht unähnlich. Da hätten wir einmal die Beschleunigung, die in den ersten Metern sich etwas schleppend anfühlt, aber sobald sich die zwei Beine in Bewegung befinden, sind diese nur schwer zu stoppen. Ein weiteres Merkmal ist der frei bewegliche Torso, der unabhängig sich von den Beinen in alle Richtungen drehen lässt, damit wir selbst in Bewegung das Ziel weiterhin im Fadenkreuz behalten können. In Bewegung bleiben erhöht unsere Überlebenschancen ungemein und wird schnell zu unserer besten Verteidigung. Denn zwar sitzen mehre Tonnen Stahl als Panzerung um uns herum, doch bekommen die jeweiligen Stellen genug Schaden ab, verabschiedet sich auch diese Sicherheit, was die sofortige Zerstörung für unsere Blechbüchse bedeuten könnte. Diese sind nämlich von ihrer Anatomie dem Menschen nachempfunden, was bedeutet, dass gewisse Stelle wichtiger für die Funktionalität sind, als andere. So kommt es zwar meistens auf den Mech selber an und wo seine Hardpoints (frei belegbare Plätze für u.a. Waffensysteme und andere Ausrüstung) liegen, aber in der Regel sind vier Punkte absolut wichtig und dürfen auf keinen Umständen vom Feind zu stark beschädigt werden. Kopf, Torso und beide Beine. Ersteres ist der Platz unseres Cockpits, zweiteres ist der Standort für unseren Reaktor und ohne Beine kann unser Mech nicht aufrecht stehen, was dazu führt, dass wir dann mit dem Cockpit im Dreck liegen. Wieso ein fehlender Kopf oder ein zerschossener Reaktor ebenso schlechte Nachrichten sind, muss ich denke ich nicht genau erläutern. Tragisch, aber noch irgendwie verkraftbar sind dabei Arme und Schultern, da dort bei den meisten Mechs die Bewaffnungen stecken. Das ist auch einer der Gründe, wieso wir alles in der Richtung ausgeglichen verteilen sollten, damit wir bei einer möglichen Amputation einer Seite, nicht plötzlich wehrlos da stehen. All dies zählt natürlich auch für die Gegenseite, weswegen taktisches Fokusfeuer auf die Schwachpunkte absolut wichtig für unseren Erfolg sind.

Um uns zu schaden, braucht es aber auch manchmal gar keinen Gegner, denn der bereits erwähnte Reaktor ist nicht nur bei Beschuss äußerst fragil, sondern auch im Betrieb kann dieser schnell an seine Grenzen gebracht werden. Temperatur spielt dabei eine große Rolle und wie wir damit haushalten. Schnelle Bewegungen, das Abfeuern von Waffen, im speziellen Energiewaffen, wie Laser und PPCs, alles erzeugt Hitze, was im unnachsichtigen Einsatz den Reaktor überhitzen kann. Ist dieser Punkt erreicht, schaltet sich der Mech zur Sicherheit komplett von alleine für paar Sekunden ab, um eine kurze Zwangspause einzulegen und abzukühlen. In dieser Zeit sind wir komplett wehrlos und können nur beten, dass sich die Systeme so schnell wie möglich von selbst hochfahren. Wer das als unsinnige Kindersicherung ansieht und das Leben am Limit liebt, kann auch den Override aktivieren. Hier plagen euch dann keine Notabschaltungen mehr, dafür erleidet der Reaktor jede Sekunde Schaden, sobald die Temperatur ans Maximum kratzt. Verdammt cool, aber auch verdammt gefährlich. Hier kommen dann auch die adaptiven Trigger des Playstation 5 Dualsense Controllers zum Einsatz. Je heißer der Reaktor, desto stärker wird der Widerstand der Trigger. Quasi ein zusätzliches Warnsigal an uns als Piloten.

Abseits von den Schlachtfeldern, verbringen wir auch einige Zeit auf unserem Dropship und starren auf Bildschirme oder besuchen die eigene Mechbay, in der unsere Stahlkolosse für den nächsten Einsatz bereitstehen, auseinander genommen werden oder sich einfach nur in Reparatur befinden. Denn egal wie behutsam wir auch mit ihnen umgehen, eine nachfolgende Reparatur steht eigentlich nach fast jeder Mission an, nur die Höhe des Schadens macht den Unterschied. Müssen wir einfach paar angeschmolzene Panzerplatten austauschen oder müssen wir komplette Teile gegen neue austauschen? Sind dabei wichtige Ausrüstungen, wie z.B. Heatsinks, Jumpsets oder gar ganze Waffensysteme über den Jordan gegangen, wird es nicht nur richtig teuer, sondern dauert die Wiederherstellung auch noch einige Tage, wenn nicht sogar Wochen.

Die namensgebenden Mechs an sich sind wie zu erwarten natürlich ein großes Thema in MechWarrior und typisch für die Reihe befinden sich etliche davon im Spiel, die alle dabei in die vier klassischen Gewichtsklassen unterteilt sind. 20 bis 35 Tonnen sind Light Mechs, 40 bis 55 Tonnen sind Medium Mechs, 60 bis 75 Tonnen sind Heavy Mechs und ab 80 bis 100 Tonnen haben wir es mit Assault Mechs zu tun. Je schwerer, desto mehr Hardpoints und mehr Panzerung besitzen die Mechs, sind dafür aber deutlich unbeweglicher und langsamer. Deswegen ist es immer von Vorteil, wenn wir eine ausgeglichene Lance (ein Squad bestehend aus bis zu vier Kameraden) ins Feld schicken, die eben neben den schweren Jungs, auch leichtere beinhaltet. So sind Light Mechs meistens ausgezeichnete Scouter, die uns über die Positionen unserer Gegner am Laufen halten oder wie wäre es mit einem Medium Mech als guter All-Rounder, der über Flanken gezielte Feuerunterstützung gibt? Die Möglichkeiten unser Arsenal an Kampfmaschinen nach unseren Bedürfnissen aufzustellen, sind dabei fast schon grenzenlos, wenn auch kosten- und zeitintensiv. Bevor wir nämlich eine Armee aufstellen können, heißt es erstmal mit C-Bills frische Maschinen von Händlern abzukaufen oder wir sammeln nach den Missionen gut erhaltene Teile unserer Feinde auf und bauen somit nach und nach die Mechs uns selber zusammen, die wir vorher in Gefechten bekämpft haben.

Wie bereits in dem 2018 erschienen BattleTech, löst dieses sammeln und zusammenbauen ein gewisses Gefühl aus, welches wahrscheinlich die meisten von euch eher mit Pokémon in Verbindung bringen. Aber ja, auch MechWarrior löste dieses „schnapp sie dir alle!“-Gefühl aus, welches mich motiviert hat so gut wie jeden kleinen Mech in meine Sammlung zu bekommen. Somit war es auch immer wieder ein Schreckens- und Glücksmoment, wenn dann endlich der gewünschte Mech bei den Feinden dabei war. Schrecklich, weil er erstmal seine Waffen nach mir und meine Piloten gerichtet hat, aber auch Glück, weil ich mit seinem Vernichten auch eben ein Stückchen näher dran war, ihn selber im Arsenal zu haben.

Da die Playstation 5- und Playstation 4-Versionen nun einige Zeit nach den Veröffentlichungen der PC, Xbox Series und Xbox One erscheint, stehen neben der Hauptkampagne noch zwei größere Erweiterungen bereit, die das Spiel um etliche Missionstypen, neue Mechs, Waffen und Biome erweitern. Da hätten wir einmal Heroes of the Inner Sphere und Legend of the Kestrel Lancers, die beide mit ihren eigenen Mini-Kampagnen daher kommen, die eher an die Spieler gerichtet sind, die bereits ihren Vater in der Hauptkampagne gerächt haben. Nichtsdestotrotz sollte der neue Content der jeweiligen Erweiterungen auch für neue Spieler nicht uninteressant sein, da sie den Titel in allen Belangen bereichern.

Während MechWarrior Online noch auf der CryEngine lief, entschied sich Entwickler Piranha Games bei Mercenaries für die Unreal Engine 4, was mit einigen Vorteilen daher kommt. Die verschiedenen Biome sind glaubwürdig in Szene gesetzt, egal ob staubige Wüste, dichter Wald oder urbaner Großstadtdschungel. Nie alt werden dabei die Effektgewitter, die gerade bei größeren Gefechten für einige dramatische Szenen sorgen. Gebäude werden unter Beschuss zu Ruinen, Explosionen wirbeln Staub und Dreck auf und Raketenbatterien verdunkeln den Himmel. Damit dabei die Performance weiterhin sauber über die Bühne geht, setzt der Titel auf AMD FidelityFX, welches dank einem Algorithmus die Auflösung von einem niedrigeren Basiswert hoch skaliert und somit wichtige Leistung einspart. Auf der Sound-Seite präsentiert sich Mercenaries ebenso stark, was vor allem am hervorragenden Sound-Design liegt, denn wie es sich gehört, hat alles hier den nötigen Wumms. Egal ob die AC10s im Dauerfeuer für ein Trommeln sorgt oder das Stampfen unserer Kampfmaschine mit schweren Gitarrenriffs untermalt wird. MechWarrior 5 bietet ein audiovisuelles Schauspiel, von dem wir zu Zeiten der Vorgänger nur träumen durften.

Fazit
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, blickt MechWarrior 5: Mercenaries auf ein langes Erbe zurück, welches aber auch in den letzten Jahren mit MechWarrior Online und vor allem BattleTech gut in Ehren gehalten wurde. Mercenaries ist da zum Glück keine Ausnahme und liefert endlich ein lang erwartetes Singleplayer MechWarrior Spiel, welches die alten Tugenden im modernen Gewand trägt. Somit ist der Titel für Kenner ein absolutes Muss, aber auch Mecha-Interessierte, die Lust auf einen motivierenden Karrieremodus haben, sollten unbedingt einen Blick riskieren.

MechWarrior 5: Mercenaries ist seit dem 23. September für PC, Playstation 5, Playstation 4, Xbox Series und Xbox One erhältlich. Getestet wurde die Playstation 5 Version.

(getestet von Para)

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