Im Test: Hand of Fate 2 (Switch)

Ende letzten Jahres lieferte das australische Studio Deviant Development mit Hand of Fate 2 eine rundum gelungene Fortsetzung ihres gleichnamigen Überraschungshits ab. Switch-Fans kommen ab sofort auch in den Genuss dieser sehenswerten Mischung aus Brettspiel, Kartenspiel und Rollenspiel. Ein weiterer Indie-Pflichttitel für Nintendo’s Handheld, wie unser Testbericht zeigt.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel basiert zum Großteil auf dem Test der inhaltlich fast identischen PS4-Fassung. Auf die Neuerungen der Switch-Version wird am Ende näher eingegangen!

Umhüllt in magische Gewänder empfängt uns der vernarbte Erzähler und kündigt unsere bevorstehenden Abenteuer in dieser dunklen Fantasywelt an. Die düstere Gestalt ist aber nicht nur Erzähler, sondern auch der Spielmeister, ein Kartengeber und noch dazu Kommentator für unsere Reise. Hand of Fate 2 ist nämlich ein digitales Kartenspiel im Stile der Tabletop-Rollenspiele, das uns durch 22 Geschichten und Herausforderungen leitet.

Jede Herausforderung bietet eine kleine Hintergrundstory, die den Rahmen um die Session legt. So müssen wir beispielsweise einen Attentäter entlarven oder eine Burg vor einer drohenden Schlacht aufrüsten. Diese Geschichten führen uns zum individuellen Regelwerk und Spielaufbau.

Bevor aber das eigentliche Spiel losgeht, stellen wir für die jeweilige Aufgabe ein Kartendeck zusammen. Wir rüsten uns mit einem Begleiter, mit unterschiedlichen Ereigniskarten, Equipment und Vorräten aus. Diese Karten werden dann mit den Spielkarten der Herausforderungen gemischt und verdeckt als Spielfeld verteilt.

Dann wandern wir von Karte zu Karte und lassen uns von den Events überraschen, während wir ein größeres Ziel verfolgen. Die einzelnen Karten stellen uns vor kleine Aufgaben. Diese überwinden wir mit den richtigen Dialogentscheidungen, mit Würfel- oder Kartenglück, mit Geschick oder – und das lässt Hand of Fate 2 als Kartenspiel hervorstechen und gibt ihm die Daseinsberechtigung in der virtuellen Welt – wir beweisen uns in Echtzeitsprüfungen.

Das sind seltener recht anspruchslose Hinternisparkours oder häufiger Arenakämpfe. Natürlich setzen auch hier die Karten die Bedingungen fest, entscheiden über unsere Waffen und Rüstung, über Feinde und spezielle Bonusaufgaben. Letztendlich werden aber unsere Fähigkeiten im Ausweichen, Blocken und gezielten Angriffen abgefragt. Diese Kämpfe stehen zwar nicht im Fokus, nehmen aber trotzdem einen großen Teil des Spiels ein. Sie sind funktionell, leiden aber auch etwas an ungenauer Steuerung und KI-Schwächen.

Wer damit nicht viel anfangen kann, passt sein Deck seinen individuellen Fähigkeiten an. So kann man sich für den Kampf zusätzlich ausrüsten oder mit Finesse so gut es geht Gefechte vermeiden und beispielsweise auf Würfelglück setzen und diese durch die Wahl des richtigen Begleiters vereinfachen.

Dabei erhalten wir durch bestandene Herausforderungen mehr und mehr Karten, um unseren eigenen Spielstil zu definieren und auszubauen. Zusätzlich muss das Deck aber auch immer an die entsprechende Aufgabe angepasst werden, um erfolgreich zu sein. Gerade im späteren Verlauf müssen die harschen Siegbedigungen gekonnt gekontert werden. Der Schwierigkeitsgrad motiviert hier mit ständiger Herausforderung und einer guten Balance aus glück-, strategie- und geschicklichkeitsbasiertem Gameplay.

Etwas schade, dass der große Plot sehr statisch bleibt und nur die Grundlage bietet. Die eher unspektakulären, wenn auch netten Geschichten sind weitaus präsenter. Das lässt Hand of Fate 2 eher klein wirken und reizt mit der Runde für zwischendurch.

Die Kampagne bietet um die 15 Stunden süchtig machende Unterhaltung und lockt mit neuen Karten, Deck-Experimenten und besseren Ratings für die Challenges. Zusätzlich ist ein Endlos-Modus angekündigt, der für Langzeitmotivation sorgen soll.

Nachtrag zur Switch-Version:
Inhaltlich entspricht die Switch-Version 1:1 den anderen Umsetzungen. Von Anfang an enthält die Switch-Version sämtliche bisher veröffentlichte DLC-Inhalte. Laut Defiant Development werden künftig auch weitere, kostenlose DLC-Update folgen, die natürlich auch den Weg auf die Switch finden werden. Grafisch war es hingegen abzusehen, dass hier und da einige Abstrich gemacht werden müssen. Insgesamt muss ich aber sagen, dass die technische Portierung auf die Switch hervorragend gelungen ist und Hand of Fate 2 auf der Switch klasse aussieht. Da kann man auch getrost über die geringere Framerate, weniger Spezialeffekte und die schwächeren Texturen hinwegsehen. Trotz der schwächeren Technik stellt die Switch-Version für mich die ideale Umsetzung von Hand of Fate 2 dar, weil das Gameplay durch den Brett- und Kartenspielansatz wie geschaffen für eine mobile Platform wie die Switch ist.

Fazit:
Die großartige Mischung aus Karten-, Brett- und Rollenspiel hinterlässt auch auf der Nintendo Switch einen hervorragenden Eindruck und passt aufgrund des Spielprinzips perfekt auf Nintendo’s Hybridkonsole. Überraschenderweise sieht das Spiel trotz der abgeschwächten Technik immer noch klasse aus und sollte daher von allen Rollenspiel-Fans, die Lust auf eine erfrischende Genre-Mischung haben, unbedingt im Auge behalten werden!