Im Test: The Last Guardian (PS4)

Wer hätte das noch für möglich gehalten? Seit zehn Jahren warten wir auf ein neues Spiel des Visionärs Fumito Ueda, der sich mit ICO und Shadow of the Colossus in der Gaminggeschichte verewigt hat. Jetzt ist The Last Guardian endlich exklusiv für die PS4 erschienen und in unserem Test erfahrt ihr, ob Uedas Magie den Zahn der Zeit überstanden hat.

The Last Guardian hatte mich bereits mit dem Intro. Es zeigt alte, handgezeichnete Darstellungen wilder Tiere. Untermalt mit wunderschöner Chormusik entdeckt man darunter Greifen und Drachen, Fabelwesen, die so präsent in unserer Kultur waren, dass sie heute wie ausgestorbene Tiere einer längst vergangenen Zeit wirken.

Ein bedrohlicher, doch sanfter Klavieranschlag unterlegt mit hoch schwebenden, dissonanten Streichern läutet den Auftritt einer jener legendären Kreaturen ein. Trico, ein gefiederter Greif, katzenähnlich mit treuem Hundeblick. Und neben diesem mächtigen, wenn noch jungen Tier erwacht der Held dieser Geschichte, ein Kind, bekleidet in altertümliche Gewänder und überzogen mit mystischen Tätowierungen.

Sie beide werden mit hilflosen Situationen konfrontiert. Der Junge weiß nicht, wo er sich befindet. Er sieht sich um und ist umringt von monumentalen Bauten einer gefallenen, unbekannten Zivilisation. Trico hingegen trägt die Spuren eines blutigen Kampfes. Speere stecken in seinem Körper und eine überdimensionierte Stahlkette fesselt ihn an den Boden. Als der Junge sich dazu entschließt, dem Tier zu helfen, wird ein unzertrennlicher Bund geschaffen. Sie werden zu Freunden.

Auf Basis dieser ungewöhnlichen Freundschaft entwickelt sich das gesamte Spiel. Es ist im Kern ein kooperatives Action-Adventure. Wir klettern, lösen Umgebungsrätsel und setzen uns mit Gegnern auseinander. Dabei steuern wir den verlorenen Jungen, sind aber auf Tricos Hilfe angewiesen und lotsen ihn mit unterschiedlichen Gesten durch die mysteriöse Stadt.

Das Gameplay selbst stellt uns hier vor wenig interessante Herausforderungen. Es ist die Interaktion mit Trico, die das Spiel herausstechen lässt. Trico ist mehr als ein KI-Begleiter. Es verhält sich wie ein lebensechtes Jungtier. Es ist neugierig, mal vorsichtig oder übermütig, es verspürt Angst und Zuneigung. Es dauert keine fünf Minuten und man schließt das Tier aufgrund seiner Authentizität und Liebenswürdigkeit in sein Herz. Trico ist aber auch störrisch und eigensinnig. Nicht jeder Befehl findet sofort Beachtung und wird exakt ausgeführt. Das kann die Gemüter spalten. Es ist ab und zu schwer zu beurteilen, ob das Verhalten natürlich sein soll oder ob es KI-Probleme gibt, wenn Trico unsere Aufforderungen ignoriert und es kann frustrieren, wenn der Fortschritt dadurch gebremst wird.

Die Steuerung treibt den Keil tiefer. Auf der einen Seite mag es realistischer sein, dem Charakter Gewicht zu verleihen, allerdings fühlt sich die Bewegung dadurch auch sehr träge und ungenau an. Dazu kommen Kameraprobleme, die die Spielerfahrung trüben. Das Spiel braucht manchmal ein zugedrücktes Auge, um die Faszination zu entfalten und die Beziehung, aber auch die überragend designte Welt mit all ihrem Zauber einzusaugen.

Technisch erkennt man oft den PS3-Ursprung, gleichzeitig kaschieren moderne Effekte viele Problemzonen und gerade Trico ist das wohl am besten animierte Tier unserer Zeit. Leider hat das Spiel große Framerate-Probleme. Spielt man auf der herkömmlichen PS4, kommt es häufig zu großen Rucklern und viel zu selten erreichen wir flüssige 30fps. Auf der PS4 Pro sieht die Situation in 4k ähnlich aus und lediglich in 1080p auf der PS4 Pro erhalten wir ein flüssiges Spielerlebnis.

Fazit:
Ein so großer, visionärer Titel sollte nicht an handwerklichen Schwierigkeiten scheitern. The Last Guardian kann in der Hinsicht frustrieren. Kann man über diese technischen Unzulänglichkeiten hinwegsehen, wird man von ausgefallenen Beziehung emotional mitgerissen. Das Spiel bietet eine kolossale Szenerie, ein bebendes Mysterium, das uns diese bildgewaltige Welt entdecken lassen will und Szenen einer Freundschaft, die sich sehr echt, sehr nahe anfühlt. The Last Guardian ist magisch.

(getestet von eape)