Im Test: Danganronpa Another Episode: Ultra Despair Girls (Vita)

NIS America ist fleißig und bringt die von Spike Chunsoft entwickelte Danganronpa-Reihe mit schnellem Schritt in den Westen. Der neuste Ableger Danganronpa Another Episode: Ultra Despair Girls dreht dem Visual Novel-Genre den Rücken zu und kommt als actionreicher Shooter daher. Gelingt dem Spiel der Richtungswechsel? Müssen sich Fans Sorgen machen? In unserem Test findet ihr die Antworten!

Als Fan des ersten Titels der Danganronpa-Reihe konnte ich nur skeptisch sein. Danganronpa war eine erfrischend abgedrehte, humorvolle Visual Novel. Danganronpa 2 spann den Faden konsequent in wahnwitzige Gefilde. Und jetzt soll Danganronpa Another Episode: Ultra Despair Girls die Brücke zwischen diesen beiden Spielen schlagen. Nicht als interaktive Geschichte, sondern überraschenderweise als Action-Game.

Ich versprach mir nicht viel von dieser Idee. Umso mehr erstaunte mich die hohe Qualität des Einstiegs. Ein aufwendig gezeichnetes Anime-Intro führt uns in die Geschichte ein. Komaru Naegi, augenscheinlich ein ganz gewöhnliches High School-Mädel, wird in einer Wohnung gefangen gehalten und von den Entführern anonym verpflegt. Eines Morgens reißt ein Roboter-Teddy, der Antagonist der Reihe Monokuma, mit seinen Metallklauen die Tür in Stücke. Das unschuldige Mädchen flieht, trifft auf eine Future Foundation-Spezialeinheit, erhält eine Waffe und stolpert dann über die Apokalypse in ein tödliches Reality Game, das von irren Kindern ins Leben gerufen wurde, die als Warriors of Hope für die Verwüstung der Stadt und das Abschlachten aller Erwachsenen verantwortlich sind. – Die Story ist so kirre. Liebt oder hasst sie.

Fans der Reihe dürfen schon einmal aufatmen. Das hohe Niveau der Storyinszenierung wird beibehalten. Danganronpa ist jetzt ein Action-Game, aber sein Fokus ist weiterhin auf die Geschichte gerichtet. Schöner denn je sind jetzt die vollständig auf Englisch vertonten Video- und Ingamesequenzen, die uns die schrillen Charaktere in verrückt-konfusen Szenen präsentieren. Obwohl ich meine Zweifel hatte, unterhielt mich mal witzige, mal düstere Handlung von Anfang bis Ende. Ein Faible für Chaos und Irrsinn sollte man aber weiterhin mitbringen.

Unerwartet gut schlägt sich auch das Gameplay. Die Hacking-Pistole, die Komaru in die Hand gedrückt bekommen hat, besitzt viele unterschiedliche Feuermodi. Die unterschiedlichen Teddygegner lassen sich mit Betäubungs- oder Tanzpatronen situativ bekämpfen und auch kleinere Umgebungsrätsel werden mit gezielten Telekinese-Schüssen gelöst. Unsere Heldin ist übrigens nicht allein unterwegs. Wer genug vom 3rd-Person- Shooter hat, kann – zeitlich begrenzt – mit einem Knopfdruck zur schizophrenen Serienmörderin Toko wechseln, die mit ihren aufrüstbaren Scheren den angriffslustigen Bären mit mächtigen Combos die Kehle aufschlitzt. Zusammen mit einem sehr freien Skill- und Upgradesystem erhält das Gameplay eine angenehme Tiefe und bietet genug Abwechslung um über die gesamte Laufzeit zu motivieren.

Das Leveldesign in Kombination mit der etwas hakeligen Stop’n’Gun-Steuerung erinnerte mich an Survival-Horror-Games alter Tage. Während wir die debilen Teddybots dezimieren, erkunden wir die oft beengten Gänge und Räume nach Munition, Büchern und Mechanismen um voranzuschreiten. Eine Karte hilft uns dabei die Übersicht zu bewahren. Langweilig wird es dabei nicht. Das Spiel bietet ein zügiges Tempo und gibt sich durch die fairen Kampfsituationen und Rücksetzpunkte auch auf höheren Schwierigkeitsgraden frustfrei.

Mit ca. 20 Stunden Spielzeit ist Danganronpa Another Episode deutlich kürzer als seine Vorgänger, bietet aber immer noch eine angemessene Spieldauer ohne Längen. Von der Gesamtzeit nimmt die Inszenierung der Geschichte gut die Hälfte in Anspruch. Wer alle versteckten Objekte finden, seine Kampffähigkeiten ans Limit bringen will und gerne auf Highscorejagd geht, kann jedoch noch viele weitere Stunden ins Spiel und seinen New Game Plus-Modus investieren.

Fazit:
Fans können sich freuen. Sie treffen hier auf alte Bekannte und erleben eine irrwitzige Reise in die abgedroschene Welt von Danganronpa. Neulinge werden einen Moment brauchen, um die etwas verworrenen Hintergründe zu verarbeiten, wer aber auf skurrile japanische Unterhaltung steht, kommt um dieses Machwerk nicht herum. Der Ausflug ins Action-Genre funktioniert ohne grobe Mängel unvermutet gut, beschert uns grundsolides Survivalshooter-Gameplay ohne Abstriche in Sachen Story. Klare Kaufempfehlung!

(getestet von eape)