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Im Test: Soulstice (PC, XBOX, PSN)

Die italienischen Entwickler von Reply Game Studios haben sich in der Vergangenheit nicht unbedingt einen Namen gemacht. Joe Dever’s Lone Wolf ist schon wieder eine halbe Ewigkeit her und Theseus flog als exklusiver VR Titel tief unter dem Radar der breiten Masse. Damit sich dieses Schicksal mit Soulstice nicht wiederholt, haben sie gewisse Vorkehrungen getroffen, die vor allem an die potenzielle Zielgruppe des Titels gerichtet sind. Da hätten wir erstmal hitzige Gefechte mit übergroßen Waffen, viel Blut, etliche Berserk-Referenzen, ein Schuss Anime-Ästhetik und vor allem Stefanie Joosten. Fertig ist ein verheißungsvolles Hack-and-Slay, aber ob das alles ausreicht, damit sich das Team endlich einen Namen machen kann? Dies alles und noch mehr erfahrt ihr bei uns im Test.

Einst war die Stadt Ilden eine der drei glorreichen Hauptstädte des Königreichs, die zum Ruhm der drei heiligen Hüter erbaut wurde. Doch als sich ein Riss im Zentrum bildet, versinkt die einst ruhmreiche Metropole komplett im Chaos. Aus friedlichen Bewohnern werden gewalttätige Hüllen, abstrakte Monster durchstreifen die Straßen. Ilden droht mit jeder Stunde zu einem Massengrab zu werden, wenn da nicht der Orden der Äscherne Klinge und ihre Chimären wären. Für viele selbst Monster, handelt es sich dabei Krieger mit übermenschlicher Stärke, die sich schon fast mehr in Richtung eigene Selbstzerstörung bewegen, aber dadurch eben auch so effektiv sind.

In Soulstice schlüpft ihr in die Rolle von Briar, einer mächtigen Kriegerin, die als sogenannte Chimäre für den Orden der Äscherne Klinge in den Krieg gegen das Chaos zieht und dabei zu jeder Zeit von ihrer verstorbenen Schwester Lute begleitet wird. Gameplaytechnisch orientiert sich der Titel an die Hack-and-Slay-Klassiker der PlayStation 2-Ära, wie Devil May Cry und God of War. Euch erwartet also u.a. eine fixierte Kamera, mit der wir unsere Protagonisten verfolgen, ein Haufen zu zerschlagene Objekte, aus denen rote, grüne und blaue Orbs strömen, Plattformpassagen und natürlich regelmäßige Kämpfe in abgeschlossenen Räumen, mit allerlei Monstern, die uns an den Kragen wollen. Die Schwestern sind aber im Gegensatz zu Dante und Kratos ein Team und helfen sich gegenseitig mit ihren Stärken aus. Während Briar ihren großen Zweihänder schwingt und dabei wie eine Berserkerin durch die feindlichen Reihen pflügt, beschützt Lute sie dabei und kontert Angriffe der Feinde aus, in dem sie ihre Schläge verlangsamt oder Projektile umleitet. Offensiv, Defensiv, beides liegt dabei in den Händen des Spielers und wird einem nicht abgenommen. Für Angriffe stehen uns zwei Buttons zur Verfügung (einen für den Zweihänder, den anderen für eine der optionalen Waffen), die sich zu Kombos verbinden lassen, während das Kontern mit einer Taste bestätigt wird. Letzteres ist Timing abhängig und sollte nur benutzt werden, wenn ein androhender Angriff per Button Prompt bevorsteht. Sind wir dabei schnell genug, wird daraus ein perfekter Konter. Sind wir jedoch zu langsam, kassiert Briar die volle Ladung an Schaden und somit ist sie nicht nur näher an ihrem eigenen Tod, sondern wirkt sich dies auch auf unsere Bewertung aus. Wie schon in Devil May Cry bewertet und belohnt uns ein Style Meter, welches unsere Leistung in jeder Auseinandersetzung mitverfolgt, egal ob kleines Scharmützel oder größerer Bosskampf.

Je nachdem wie schnell wir dabei die Gefechte beenden, wie viel Schaden wir dabei kassieren und wie hoch unsere Kombo ausgefallen ist, all dies wird durch Medaillen gewertet. Die fangen bei Bronze an, gehen weiter mit Silber, Gold, Platin und enden bei Diamant. Fällt der Gesamtdurchschnitt so hoch wie möglich aus, bekommen wir eine beachtliche Menge an Purpur und Kobalt Rissrückständen, die es uns ermöglichen bei unserem mürrischen Beobachter Layton neue Gegenstände und neue Fähigkeiten für Briar und Lute einzukaufen. Hierüber erlernt Briar neue Kombos für ihre Waffen, während Lute ihr Repertoire an neuen Zaubern nchmal deutlich erweitern und vor allem spezialisieren kann. So können wir darüber festlegen, wie sich ihre Konter verhalten und auch auf den Kampfstil ihrer älteren Schwester kann dies einen Einfluss haben, gerade wenn sie später Zugriff auf ihren Rausch-Status erhält. Dieser lässt sie nämlich zu einer wildgewordenen Bestie mutieren, die nur noch von einem bis zum nächsten Ziel springt und dabei ihre Feinde niedermacht. Haben wir genug an Energie aufgespart, lässt sich in diesem Zustand auch nochmal ein weiterer Spezialangriff starten, der davon bestimmt wird, in welche Richtung wir eben Lute’s Fähigkeiten entwickeln. Da hätten wir Gleichgewicht, Meisterhaftigkeit, Chaos und List. Letzteres sorgt z.B. in der Regel dafür, dass bei Kontern der Verlangsamungseffekt nochmal ein gutes Stück länger anhält, während Chaos dafür sorgt, dass Eiszapfen beschwört werden, die den Gegnern direkten Schaden zufügen. Wer will, kann hier experimentieren wie er möchte, da jeder investierte Punkt im Fähigkeitenbaum von Lute auch direkt wieder zurückerstattet werden kann.

Klingt nach viel Spieltiefe, aber im Großen und Ganzen merkt man davon in den Kämpfen nicht wirklich viel. Soulstice ist da eher God of War statt Devil May Cry oder Ninja Gaiden. Wer möchte, kann das Spiel ohne große Schwierigkeiten mit dem Zweihänder abschließen, ohne auf die weiteren Waffen angewiesen zu sein. Einzig das Kontern mit Lute und das nutzen ihrer spektralen Felder will wirklich gelernt werden, denn nicht jedes Ungetüm lässt sich mit roher Gewalt zurück in die Hölle schicken. Da hätten wir einmal astrale Wesen, die mit ihrer blauen Aura uns signalisieren, dass wir dafür unser Beschwörungsfeld aufstellen sollten, bevor wir sie angreifen. Dies ermöglicht es uns nämlich, mit Objekten und eben auch Geistern zu interagieren, die sonst nicht in die physische Welt gehören. Im direkten Kontrast steht da der kristalline Befall, der die Umgebung, aber auch vor allem einige Gegner kontaminiert hat. Dieser gehört nicht nur zur physischen Welt, sondern ist auch noch so sehr physisch, dass wir mit einfachen Angriffen nichts anhaben können. Hier kommt dann das sogenannte Verbannungsfeld zum Einsatz, welches passenderweise rot statt blau leuchtet und jeden rot leuchtenden Kristall empfänglich für normalen Schaden macht. Im späteren Verlauf des Spiels, werden beide Elemente gerne in Kämpfen und auch in Plattformpassagen verbunden, was dafür sorgt, dass wir mit den passenden Feldern regelrecht jonglieren müssen. Aber Obacht, denn Lute kann beide Felder nicht ewig aufrechterhalten, denn mit der Zeit füllt sich ihre Entropie. Erreicht diese ihr Maximum, verschwindet die jüngere Schwester für einige Sekunden von unserer Seite, was man in fast jeder Situation eher vermeiden sollte.

Soulstice ist kein Vollpreistitel, sondern wird auf allen Plattformen für 39,99€ verkauft. Das ist deswegen an dieser Stelle erwähnenswert, da es mich ehrlich gesagt überrascht hat. Nicht nur bietet es mit ca. 20 Stunden für ein Hack-and-Slay eine mehr als vollwertige Spielzeit (inklusive Wiederspielwert), sondern wirkt die Präsentation durchgehend hochwertig. Egal ob wir mitten im Level stehen oder einer der vielzähligen Cutscenes über den Bildschirm laufen, nie hatte ich den Eindruck ein Produkt zu spielen, welches durch sein Budget limitiert wurde. Hier kann auch meistens die fixierte Kamera punkten, denn diese fängt die Location teilweise sehr hübsch in Szene ein, wenn auch sicherlich die verschiedenen Kapitel hier mehr Abwechslung hätten vertragen können. Größtenteils laufen die beiden Schwestern durch sehr ähnliche Areale, die sich mal im Inneren von Burgen, auf den Straßen der Stadt oder in der örtlichen Kanalisation abspielen. In den Kämpfen selber entpuppt sich die Kamera auch nicht gerade als bester Freund, aber durch einen Tastendruck lassen sich Gegner fest ins Visier nehmen, was mögliche Probleme mit der Übersicht schnell wieder erledigt. Erwähnenswert wäre auch das Sounddesign, welches über die gut gewählten Sprecher (Stefanie Joosten als Briar hat mich persönlich sehr positiv überrascht) bis hin zum Soundtrack überall einen mehr als soliden Job abliefert.

Fazit
Als Soulstice damals vor über einem Jahr angekündigt wurde, war zwar mein Interesse geweckt, aber meine Erwartungen gingen mehr in Richtung typische Genre B-Ware. Vielleicht unterhaltsam für Fans, aber eben nichts, was irgendwie in einer Form wirklich begeistern könnte. Zum Glück konnte mich das Endprodukt eines Besseren belehren. Die Kämpfe erreichen zwar jetzt nicht die Tiefen eines Devil May Cry, aber durch das zusätzliche Arsenal von Briar und vor allem durch die Fähigkeiten und Spezialisierungen von Lute, steht es auch nicht so weit hinterher. Die Präsentation hat mich ebenso deutlich mehr gepackt als gedacht und die Story an sich bietet einige nette Wendungen. Somit ist Soulstice ein heller Lichtblick in einem eher vergessenen Genre, welches man nicht unterschätzen sollte. Fans müssen fast schon zuschlagen, denn solche Titel gibt es heutzutage viel zu selten.

Soulstice ist seit dem 20. September für PC, PlayStation 5 und Xbox Series verfügbar. Getestet wurde die PC-Version.

(getestet von Para)

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