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Im Test: Postal: Brain Damaged (PC)

Der Release von Postal 4: No Regerts ist gerade mal zwei Monate her, da steht schon der nächste actiongeladene und kontroverse Trip für den Postal Dude an. Postal: Brain Damaged ist aber kein direkter Nachfolger, sondern ein Spin-off, welches vieles der bekannten Gameplay-Mechaniken der Serie über Bord wirft, um Platz für neues zu schaffen. Ob es dabei auch was für Neulinge ist, könnt ihr in unserem Test nachlesen!

Eigentlich wollte der Postal Dude nur seinen verdienten „Feierabend“ damit verbringen, auf seiner geliebten Couch zu hocken, die eine oder andere Substanz zu konsumieren und dabei sich einen Film-Marathon des deutschen Kult-Regisseurs Uwu Boll reinzuziehen. House of the Deaf, In The Name Of The Kink oder auch Fart Cries. Doch statt sich von diesen Klassikern der Filmgeschichte berieseln zu lassen, wird es unserem Protagonisten plötzlich anders. Kraftlos verfällt er auf der Stelle in einen tiefen Schlaf, um sich darauf in einem Albtraum wiederzufinden. In diesem befindet er sich nicht nur mehr in seinem heimischen und vertrauten Trailerpark, sondern funktioniert obendrauf auch der Fernseher nicht mehr.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, handelt es sich bei Postal: Brain Damaged um ein Spin-off der berühmt berüchtigten Videospiel-Reihe Postal von Entwickler und Publisher Running with Scissors. Dieses Mal fungiert das Studio hier aber nicht als Entwickler, denn Brain Damaged wurde in Kooperation mit den beiden externen Studios Hyperstrange und CreativeForge Games entwickelt. Während man letztere eher von Rundenstrategiespielen wie Hard West und Phantom Doctrine kennt, hat sich Hyperstrange schon mit Titeln wie Elderborn und Blood West einen Namen am Boomer Shooter Himmel gemacht. Der Einfluss von Hyperstrange scheint auch auf den ersten Blick am größten zu sein, denn Brain Damaged verabschiedet sich von dem Ballast der chaotischen Open World Sandbox der Hauptreihe und umarmt stattdessen alte First-Person Shooter Tugenden aus Quake & Co. Das heißt lineare Level, bunte Schlüssel, schnelles Movement, Power-ups, Geheimnisse und natürlich wird der Zeigefinger nur selten von der linken Maustaste wegbewegt. Kurz gesagt: Es wird ordentlich geballert und natürlich braucht der Dude dafür auch ein stattliches Arsenal. Da unser „Held“ aber nun in seinem eigenen Albtraum feststeckt, schießen wir nicht mit realistischen Schießeisen um uns, sondern unsere eigenen Wahnvorstellungen werden hier ebenso reflektiert. Aus einer handelsüblichen 9mm wird eine Frankenstein-Version aus einer Smart Pistol, TV Apparat und viel Duct tape, die dazu auch noch das Zielen für uns übernehmen kann. Ein weiteres Highlight wäre da die sogenannte Super Hooker Shotgun, die 1:1 wie die Super Shotgun aus Doom Eternal funktioniert, inklusive Greifhaken, um uns u.a. an Gegner heranzuziehen. Weitere Beispiele gefällig? Mit dem Pussy Blower verschießen wir lebendige Katzen, der Penetrator ist ein präziser Compoundbogen, der bunte Dildos statt Pfeile verschießt (inklusive Stöhn-Soundeffekt beim Spannen), die Brain Fucker Gun 69000 beinhaltet nicht nur das funktionierende Gehirn von Nikola Tesla, sondern verschießt auch einen Kugelblitz, der alles in seinem Weg röstet. Ja, der Name hat es vielleicht schon verraten, aber hierbei handelt es sich natürlich um das BFG Gegenstück aus Doom. Was die Namen der Waffen vielleicht auch noch direkt mit verraten haben, ist wie der Humor des Spiels gestrickt ist. Brain Damaged konnte und wollte sich sehr wahrscheinlich nicht vom typischen flachen Humor der Postal-Reihe verabschieden, der meistens südlich der Gürtellinie abzielt. Was sich 2022 wie ein Relikt aus einer anderen Zeit anfühlt, ist für Fans ein Qualitätsmerkmal. Alle anderen hingegen können dies schon als leichte Warnung ansehen. Während das meiste davon eher einfach nur flach, absurd oder obszön ist, gehen manche Scherze auch etwas weiter. So betitelt der Dude nicht selten mal seine Gegner als „Sissy“ oder wie wäre es mit dem Bosskampf im zweiten Akt, wo wir gegen „Big Bad Rona“ kämpfen, während im Hintergrund ein Musikstück erklingt, welches ostasiatische Instrumente beinhaltet. Frag- und diskussionswürdig, aber eben auch nichts, was einem bei einem Postal-Titel großartig überraschen sollte.

Was da schon eher überrascht, ist die hohe Vielfalt, was Level und Gegner angeht. Jeder der drei Akte beinhaltet dabei ein grobes Thema, welches dann durch die jeweiligen fünf Level jeden Aktes und die verschiedenen Gegner reflektiert wird. So präsentiert uns der erste Akt den alltäglichen amerikanischen Wahnsinn, mit weißen Vororten, Hochsicherheitsgefängnissen, Trumps Mauer an der mexikanischen Grenze und einem Einkaufszentrum unter der Belagerung des Black Friday Mobs. Dort treffen wir dann u.a. auf schießwütige Cowboys und Rentner (inklusive MAGA Kopfbedeckungen), tollwütige Haustiere, internetsüchtige Kellerkinder, übergewichtige Fast Food Junkies und natürlich dürfen auch der Stereotyp Karen nicht fehlen. Dies durchstreckt sich durch das komplette Spiel, was dazu führt, dass wir in den fünfzehn Level um die fünfundvierzig einzigartige Gegner und Bosse zu Gesicht bekommen, was deutlich mehr als üblich ist. Für die Postal-Reihe, aber auch für First-Person Shooter im Allgemeinen.

Dieser wahr gewordene Albtraum wird auch im Art-Design des Spiels sichtbar, welches sich wie eine verdrehte Version eines 90er Jahre Cartoons anfühlt. Ren & Stimpy, Rocko’s Modern Life & Co. lassen grüßen! Egal ob Wände, Türen, Bäume, Fenster oder sonstige Strukturen, nichts ist hier wirklich gerade und alles verformt sich immer mehr, je höher es sich Richtung Himmel bewegt. All das wird dazu noch in feinster Low Poly mitsamt niedrig aufgelösten Texturen präsentiert, damit sich der Titel nicht nur spielerisch wie Quake anfühlt, sondern auch so aussieht. Damit es auch so klingt, haben Hyperstrange mal wieder das Komponisten-Team von Ivory Tower Soundworks an den Tisch geholt. Dahinter stecken Kacper Kajzderski und Piotr Stachera, die bereits zu Elderborn, Blood West und Rayze ihr Können unter Beweis gestelllt und mit Brain Damaged einen ebenso variantenreichen Soundtrack abgeliefert haben. Egal ob verspielt, mystisch oder einfach nur hart, die musikalische Untermalung passt hier immer aufs Auge oder eher gesagt aufs Ohr.

Fazit
Postal: Brain Damaged ist der beste Ableger der Serie und ein ausgezeichneter First-Person Shooter der alten Schule, der besonders durch seine kreativen Level und die hohe Gegnervielfalt punkten kann. Trotzdem ist das knapp siebenstündige Blutbad nicht für jeden etwas und das liegt, wie zu erwarten, an dem typischen „Postal Beavis and Butthead Klo“-Humor. Wer diesem absolut gar nichts abgewinnen kann, wird wohl weiterhin einen weiten Bogen um das Spiel machen müssen, denn am Ende ist es immer noch Postal. Zwar dieses Mal ohne den ganzen Gameplay Jank, aber im Herzen ist es und bleibt es weiterhin Postal.

Postal: Brain Damaged ist seit dem 9. Juni für PC via Steam und GOG erhältlich.

(getestet von Para)

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