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Im Test: Persona 5 Royal (Steam)

Im März 2020 veröffentlichte Atlus mit Persona 5 Royal die definitive Edition des Rollenspiel-Meisterwerks Persona 5. Bis heute kamen jedoch nur Playstation-User in den Genuss dieses absoluten Meisterwerks. Zum Glück ändert sich dies nun mit der Veröffentlichung des Spiels auf XBOX Series, Switch und Steam. In unserem Test haben wir uns speziell der Steam-Version gewidmet.

Der Ausdruck style over substance beschreibt tadelnd oberflächliche Stärken, die mangelnden Inhalt kaschieren. Bei der Persona-Reihe ist das kaum nötig. Seit dem dritten Ableger fanden die Entwickler eine gesunde Mischung aus Highschool Simulation und traditionellem japanischen Rollenspiel, gepaart mit einer originellen und abgedrehten Mystery-Story. Den Erfolg hat das dedizierte Team P-Studio aber nicht zuletzt äußerlichen Argumenten zu verdanken. Die Persona-Reihe ist seit der Neuausrichtung bekannt für einen schnittigen, unverkennbaren Artstyle. Den dreidimensionalen Animelook ergänzen glatt gebügelte 2D-Strukturen und comichafte Effekte und Silhouetten. Alles wirkt wie aus einem Guss, alles fließt ineinander bis auch der versteckteste Menüpunkt zum ästhetischen Hochgenuss wird.

Und als wäre das nicht genug, überzeugt zusätzlich ein mächtiger Soundtrack, der in Persona 5 aus eigenproduzierten Jazz- Chillout- und Poptracks besteht, der gerne aufdreht und uns dann wieder entspannt, der subtil das Szenario untermalt oder zum Mitsingen einlädt. Und während schon die Originalversion Musikauszeichnungen für sich gewinnen konnte, trumpft Royal noch mit knapp dreißig zusätzlichen Songs auf, die direkt ins Ohr gehen. Hier wird jeder mehrere musikalische Leckerbissen für sich finden.

Aber auch wenn Äußerlichkeiten hier längst nicht nur ein Vehikel für spielerische Inhalte sind, sondern sich selbstbewusst in den Vordergrund drängen, schauen wir uns neugierig an, was Persona 5 Royal unter der Haube zu bieten hat.

Persona 5 hat seine klassischen Momente. Wir verfolgen die Geschichte mehrerer Schüler, die sich gegen korrupte und gewissenlose Erwachsene als Phantom Thieves auflehnen. Dabei infiltrieren wir die manifestierten Wahnbilder von kriminellen Mafiabossen und missbrauchenden Lehrern, konfrontieren ihre tiefsten Sehnsüchte und bewirken so eine Änderung in ihrem Herzen, die sie zu besseren Menschen macht. Natürlich spinnt sich diese Geschichte zu größeren Mysterien und spannenden Machtkämpfen und Rivalitäten. Die erweiterte Royal-Version legt hier noch eine Schippe drauf und führt nach der Hauptstory eine neue interessante Bedrohung mit einer Garde an neuen liebenswürdigen Charakteren ein. Dabei wird das hohe Niveau der Geschichte nicht nur gehalten, das neue Partymitglied Kasumi bringt als Gymnastin Schwung in die Party und der Schulpsychiater Maruki wertet die Nebengeschichten mit psychologischen und philosophischen Betrachtungen auf.

Recht traditionell gibt sich das Kerngameplay. Wir steuern unsere Party durch unterschiedlich thematisierte Dungeons, durch Schlösser, Schiffe und Casinos, lösen Rätsel um an versteckte Schätze zu kommen und besiegen mehrphasige Bossmonster. Neben dem bekannten Charaktermanagement, gegeben durch die Ausrüstung und Level-Ups, beschwören wir pro Charakter ein oder mehrere titelgebende Personas, die für uns kämpfen. So können wir mit unseren Schulkameraden zwar auch mit Nahkampfwaffen und Knarren den Gegnern einheizen, die taktische Vielfalt kommt aber durch die sehr umfangreichen physischen Angriffe, Magieattacken und Unterstützungszauber. Zusätzlich bietet das Spiel eine Menge an Teamaktionen, die das rundenbasierte Kampfsystem dynamisch und stilvoll gestalten. Royal erweitert dabei die Möglichkeiten immens und ergänzt nicht nur strategische Optionen, sondern lässt mit neuen Kampfanimationen auch das Animeherz höher schlagen.

Aber obwohl diese Traumwelten mit ihrem Fokus auf actionreiche Rollenspielkost zentraler Bestandteil des Spiels sind, nehmen sie letztendlich einen relativ kleinen Teil des Spiels ein. Die meiste Zeit erkunden wir als Highschool-Schüler Tokyo. Wir lernen neue Menschen kennen oder vertiefen unsere Beziehung zu unseren Freunden, wir besuchen die zahlreichen Restaurants in Shibuya oder verdienen etwas Geld mit einem Nebenjob in den lokalen Geschäften. Wir können Dart oder Baseball spielen, für die Schule lernen oder entspannt vor dem Fernseher sitzen. Es gibt unendlich viele Optionen seine Zeit zu verbringen und da jede Aktion Zeit kostet, muss man mit ihr sinnvoll haushalten. Dabei erleben wir nicht nur kleine Geschichten, sondern erhöhen auch unsere sozialen Stärken und unsere Kampfkraft. Mit zusätzlichen Distrikten, Charakteren und Minispielen bietet Persona 5 Royal noch mehr Abwechslung als das Hauptspiel – und damit man auch alles ausprobieren kann, erweitert diese überarbeitete Fassung das Spiel mit einem zusätzlichen Semester.

Dieser ziemlich unaufregende Alltag eines Schülers wird nicht jeden Spieler gleichermaßen fesseln. Oft steht die übergeordnete Geschichte still und man verbringt mehrere Ingame-Wochen und reale Stunden damit, belanglosen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen. Das führt hin und wieder zu humorvollen und skurrilen Situationen, nutzt sich aber irgendwann leider auch ab. Ein Faible für Life Sims oder zumindest eine gewisse Toleranz für träges Gameplay sollte man also mitbringen, damit man nicht das Spiel frühzeitig beiseite legt und so die wahren Höhen verpasst.

Auf der Playstation Vita zählte Persona 4 Golden seinerzeit zu den besten Titeln der Plattform. Nicht nur, weil es technisch einen hervorragenden Eindruck machte, sondern eben auch spielerisch perfekt zu dieser mobilen Plattform gepasst hat. Auf dem Steam Deck trifft nun das Gleiche bei Persona 5 Royal zu. Es sieht auf dem Steam Deck absolut großartig aus, läuft nahezu stets mit flüssigen 60fps und spielerisch ist es einfach wie gemacht für das Steam Deck. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass es sich hierbei um das vielleicht beste Spiel für das Steam Deck handelt!

Fazit:
Auch zweieinhalb Jahre nach dem Release auf Playstation 4 zählt Persona 5 Royal immer noch mit Abstand zum Besten was das JRPG-Genre zu bieten hat. Umso besser, dass nun auch XBOX-, Switch- und PC-Spieler in den Genuss des Spiels kommen. Persona 5 Royal ist zugegeben mit einer Spielzeit von über 100 Spielstunden ein enorm umfangreiches Spiel, aber glaubt mir, wenn ich euch sage, dass sich jede einzelne Minute lohnt. Mit seiner herausragenden Ästhetik, der spannenden Story, super interessanten und charmanten Charakteren sowie dem grandiosen Kampfsystem erobert der Titel mit Leichtigkeit die Herzen jeder Rollenspielfans! Steam Deck-Besitzer können sich zudem über eine perfekte Umsetzung freuen und das Spiel auf höchster Grafikeinstellung und mit fast durchgängigen 60fps von unterwegs zocken. 

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