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Im Test: Ghostrunner (PC, One, PS4, Switch)

Neonlichter, High-Tech Katanas, cyberkinetische Implantate, treibende EBSM-Klänge. Nein, ihr liest hier gerade nicht die Einleitung zum Cyberpunk 2077-Review, sondern zu dem selbsternannten Hardcore-First-Person-Parkour-Slasher-Titel Ghostrunner! Entwickelt von One More Level in Kooperation mit Slipgate Ironworks und 3D Realms, wird das Ganze von den Publishern All in! Games und 505 Games auf uns losgelassen. Wir sind für euch kilometerlang um unser Leben gerannt, haben literweise Blut vergossen und verraten euch nun im Test, ob das rasante und gewalttätige Actionfest auch was für eure Nerven ist.

In Ghostrunner schlüpfen wir in die Rolle des titelgebenden Cyberninjas, der sich von den tiefsten Ebenen des Dharma-Turms bis an die Spitze springen und kämpfen muss, um die Tyrannei der Schlüsselmeisterin zu beenden. Dies läuft dabei recht linear ab und schon in den ersten Minuten kann man den Vergleich zwischen Mirror’s Edge und Titanfall nicht von der Hand weisen. In der First-Person-Perspektive überwinden wir via Wallruns längere Abgründe, sliden Rutschen hinunter um Geschwindigkeit zu gewinnen, ziehen uns mit einer Art Laserpeitsche an entfernte Punkte heran und müssen dabei allerlei gefährliche Hindernisse hinter uns lassen. Einige davon sind eher passiv, wie Laserschranken oder unter Strom stehende Wände, aber auch aktive Gefahren wollen uns ans Leder. Schwerbewaffnete Bandenmitglieder, Schwert-kämpfende Assassinen, fliegende Drohnen und sogar zweibeinige Mechs werden von unserem Katana mit einem Schlag zerteilt. Ähnlich wie in anderen arcadigen Actiontiteln, wie z.B. Hotline Miami oder Katana Zero, ist jeder Treffer im Spiel ein One-Hit Kill. Das Gleiche zählt dabei natürlich auch für uns. Egal ob uns etwas trifft oder wir uns mit einem falschen Sprung in den Abgrund befördern, Ghostrunner ist gnadenlos, was den Restart-Bildschirm zu einem unserer ständigen Begleiter macht.

Der konstante Gameplay-Loop des Spiels lässt sich dabei grob in drei Abschnitte einteilen. Parkour, Kampfarena und Cybervoid. Im Parkour bewegen wir uns von Punkt A nach B und müssen über eine längere Strecke verschiedene Plattform-Einlagen meistern, die mit allen möglichen Hindernissen gespickt sind. In der Kampfarena steht natürlich der Kampf im Fokus, aber auch hier sollten wir immer in Bewegung bleiben. Meist zahlenmäßig deutlich unterlegen, weichen wir Dank unseren übermenschlichen Reflexen dem Dauerfeuer aus, zerstören Schildgeneratoren und steuern mit zielgenauen Dashes unsere Klinge in die Körper unserer Feinde. Als letztes steht der Cybervoid auf dem Plan, was eine Art Holodeck für unseren künstlichen Geist darstellt. Hier können wir uns nicht mehr auf unsere Beweglichkeit verlassen, sondern müssen das Köpfchen beanspruchen. Schalter- wie auch Plattform-Rätsel erfordern von uns logisches Denken, aber keine Sorge: Ghostrunner ist kein heimliches Puzzle-Spiel und der Parkour- und Kampf-Anteil bilden hier ganz klar das Herzstück des Spiels, während der Cybervoid einzig da ist um das Pacing etwas aufzulockern.

Wenn es zu den feindlichen Auseinandersetzungen kommt, verlassen wir uns größtenteils auf unser monomolekulares Katana. Egal ob Fleisch, Knochen oder Stahl, landen wir den benötigen Treffer, ist der Gegner auch Geschichte. Damit es aber nicht zu einfach wird, wirft uns das Spiel in regelmäßigen Abständen immer wieder neue Gegnertypen in den Weg, die mit neuen Tricks und Besonderheiten ausgestattet sind, um unsere Taktiken erneut auf die Probe zu stellen. So treffen wir im Anfang eher auf die ungeschützten Fernkämpfer mit halb- und vollautomatischen Schusswaffen, deren Kugeln dank unserer Schnelligkeit ins Leere landen. Ein anderes Kaliber sind da schon die Wächter, die ebenfalls mit einem Katana uns gegenübertreten und frontale Angriffe mit Leichtigkeit blocken. Hier müssen wir zuerst ihren Angriff mit dem richtigen Timing parieren, um ihre Verteidigung für einen tödlichen Hieb zu öffnen. Wir kratzen hier nur an der Oberfläche an, denn selbst in den letzten Stunden des Spiels sehen wir neue Gesichter und müssen uns in fast jeden Raum auf eine neue Situation einstellen. Das sorgt vor allem in erster Linie dafür, dass gerade die Kampfarenen bis zum Schluss spannend sind und jeder Encounter im Gedächtnis bleibt.
Ein weiteres Hilfsmittel in den Kämpfen sind die vier Fähigkeiten, die wir auf unserer Reise nach und nach freischalten. Da hätten wir zum Beispiel mit Woge ein horizontales Projektil, welches wir mit unserem Schwert abfeuern und somit im richtigen Flugwinkel eine ganze Gruppe an Widersachern ausschalten können. Auch sehr hilfreich ist Beherrscher, mit dem wir kurzzeitig einen ausgewählten Feind für unsere Seite gewinnen. Dieser wendet sich danach sofort gegen seine ehemaligen Kameraden, was nicht nur für weitere Tode sorgt, sondern vor allem das gegnerische Feuer auf ihn lenkt, während wir schnell und unauffällig unsere Klinge in den beschäftigten Rest lenken. Unsere Fähigkeiten und Eigenschaften lassen sich dabei auf dem sogenannten Subsystem-Kalibrierungspanel mit Boostermodulen erweitern und verändern. Die Module sind dabei wie Tetris-artige Blöcke dargestellt, die alle ihren eigenen Platz auf dem Kalibrierungspanel benötigen. Somit ist es eher schwierig alle gewünschten Booster unter einen Hut zu bringen und wir müssen in der Regel einen Kompromiss zwischen „will ich“ und „passt noch in die letzte Ecke rein“ hinnehmen.

Wenn das Spiel etwas auf den Punkt bringt, dann ist es das audiovisuelle Gesamtpaket. Jede der zahllosen Etagen des Dharma-Turms hat ein eigenes Gesicht und eine eigene Geschichte, die mit viel Environmental Storytelling unterstrichen wird. Wir starten in den zurückgelassenen Tiefen, irgendwo zwischen Müllabfallanlagen und Schwerindustrie, passieren von Neonlicht durchflutete Straßenschluchten und Slums, in denen noch sowas wie ein normales Leben abläuft und besuchen hochtechnologische Labore und Fabriken, bis wir dann irgendwann mal an der Spitze der Megastruktur angekommen sind. Dank Unreal Engine 4 wirkt das Spiel aber nicht nur glaubwürdig, sondern es sieht vor allem auch sehr gut. Gerade die unzähligen Leuchtreklamen und Großbildschirme, die sich in den Wasserpfützen und glänzenden Oberflächen spiegeln, sorgen für die richtige Cyberpunk-Stimmung. Ein weiterer Grund für diese ausgezeichnete Stimmung ist dabei aber ohne Zweifel auch der Soundtrack aus der Feder des Elektro Musikers Daniel Deluxe. Egal ob wir uns alleine an Ruinen entlang hangeln oder in Blut und Motoröl baden: für die richtige musikalische Untermalung ist gesorgt. Treibende Techno-Bässe wechseln sich ab mit atmosphärischen Darksynth ab, der auch abseits des Spiels wunderbar funktioniert.

Fazit:
Wie oft bin ich gestorben, wie oft habe ich geflucht, wie oft habe ich dann am Ende doch irgendwie triumphiert. Wer eine niedrige Frustschwelle hat, sollte lieber direkt die Finger von Ghostrunner lassen. Während ich in anderen Titeln mit starken Trial-and-Error-Neigungen das Versagen stets mir selber zuschieben konnte, war dies bei Ghostrunner nicht immer der Fall. Manchmal wurde ein Wallrun nicht direkt vom Spiel erkannt und öfters war der Dash nicht genug, um einen Schuss aus größerer Entfernung zu entkommen. Dennoch war diese fast 10-stündige Achterbahnfahrt zu großen Teilen ein echtes Erlebnis, welches mich immer weiter treiben konnte, egal wie oft ich auch an einer Stelle neustarten musste. Es ist sicherlich nicht für jeden etwas, aber wer sich gerne durchbeißt und ein Faible für Gewalt und Cyberpunk-Settings hat, sollte unbedingt ein Blick riskieren, denn unter all dem Frust steckt ein hervorragendes und durch produziertes Actionbrett, über das wir auch noch in den nächsten Jahren sprechen werden.

Ghostrunner ist seit dem 27. Oktober für PC, Playstation 4 und Xbox One erhältlich. Ein Nintendo Switch Port soll am 10. November erscheinen und weitere Portierungen für Playstation 5 und Xbox Series X/S sind für das nächste Jahr geplant. Getestet wurde die PC-Version mit Maus und Tastatur.

(getestet von Para)

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