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Early Access-Test: Graven (PC)

Die Welle an Retro-FPS-Titeln (auch liebevoll Boomer Shooter genannt) bricht nicht ab, denn mit dem Dark Fantasy First-Person Shooter Graven veröffentlichen Entwickler Slipgate Ironworks und die Publisher 3D Realms und 1C Entertainment die nächste Verneigung vor der alten Schule. Dieses Mal dient aber kein Quake oder Doom als direktes Vorbild, sondern Raven Software’s legendäre Hexen- und Heretic-Reihe. Wir haben uns die Early Access-Version genauer angeschaut und verraten euch im Test, ob Graven jetzt schon ein Pflichttitel für alle Fans des Genres ist oder man vielleicht noch etwas warten sollte.

Als gläubiger Priester des orthogonalen Ordens gibt es kein größeres Vergehen als die Ketzerei. Als jedoch das Leben einer geliebten Person auf dem Spiel steht, begehen wir genau dieses Verbrechen und töten einen unserer Ordensbrüder, um ein anderes Leben zu retten. Nach einem kurzen Prozess ist das Urteil klar und man verurteilt uns zum Tode. Statt uns aber direkt hinzurichten, schickt der Orden uns nach Cruxfirth, um dort unsere letzte Lebenszeit dem Glauben zu opfern. Denn die Stadt wird von einer mysteriösen Seuche heimgesucht, die nicht nur Krankheiten, sondern auch Kultisten und allerlei Monster anzieht. Egal wie unser Leben hier enden wird, es wird nicht friedlich passieren.

In Graven schlüpfen wir in die Rolle des zum Tode verurteilten Priesters, der sein Leben zur Verteidigung der Stadt Cruxfirth geben soll. Ausgestattet mit nur einem Holzstab und einem Zauberbuch, werden wir an den Toren der Stadt jedoch erstmal abgewiesen. Erst sollen wir unseren Nutzen unter Beweis stellen und die örtliche Kanalisation von den Leichenbergen säubern, die nun als Krankheitsherde die Seuche und auch Zombies nach Cruxfirth treibt. Der Abstecher ins Abwassersystem dient uns dabei als erste richtige Quest des Spiels und auch als Tutorial. So lernen wir schnell, wie man mit einzelnen Gegner und größeren Gruppen am besten umgehen sollte, das man Kisten stapeln kann, um erhöhte Positionen zu erreichen oder das sich hinter Holzbrettern das eine oder andere Geheimnis versteckt. Eine weitere Lernstunde erhalten wir für den richtigen Gebrauch von Magie, denn mit dem Feuerzauber erhalten wir unseren ersten Zauberspruch, der gerade beim Entsorgen von Leichen hilfreich ist. Statt unsere Mana dafür aber komplett aufzubrauchen, jede Leiche nach und nach zu entzünden, sollten wir am besten ein rotes Fass zu den jeweiligen Herden tragen, um diese aus sicherer Entfernung mit dem Feuerzauber entzünden. Bevor die Erwartungen an die Magie aber zu hoch werden: zwar lässt sich dies alles auch im Kampf einsetzen, doch verschießen wir hier noch keinen riesigen Feuerstrahl, der Fleisch und Stahl schmilzt. Nein, Magie ist mehr ein Werkzeug in Graven, welches kombiniert werden will. Somit ist direkter und vor allem physischer Schaden immer noch unser bester Freund im Kampf.

Haben wir die Kanalisation dann endlich gesäubert, steht unser verdienter Besuch in der Stadt an. Dort befindet sich, neben dem nächsten Auftragsgeber, auch der Schmied des Ortes, bei dem wir uns mit gefundenen Münzen mit neuen Waffen und Heiltränken eindecken können. Da hätten wir einmal das Kurzschwert, mit dem wir schnell unseren Gegner ein paar Hiebe verpassen, aber auch Angriffe blocken können, was uns im Nahkampf direkt einen immensen Vorteil beschert. Als Fernkampfwaffen stehen der Cuff Arrow, eine Art Mini-Armbrust, mit der wir auch entfernte Ziele noch hervorragend treffen können, und das Fletchant zum Verkauf, was quasi die Schrotflinte des Spiels darstellt, nur eben nochmal mit Explosionsmunition als alternativer Feuermodus. Wer zu geizig ist und lieber erstmal kein Geld beim Schmied lassen will, kann aufatmen, denn alle diese Waffen finden wir auch auf unserer Reise. Gerade den Cuff Arrow kann man sich ruhig sparen, da wir diesen kurz nach unserem ersten Besuch in Cruxfirth so oder so erhalten. Da wir aber in der aktuellen Version eh noch keine andere Verwendung für Geld haben, außer eben das Sortiment des Schmieds aufzukaufen, macht es eh keinen großen Unterschied und gerade das Kurzschwert und Fletchant sollten so schnell wie möglich erworben werden. Eine weitere Waffe, die es so nicht beim Schmied zu kaufen gibt und somit gefunden werden muss, ist der Peat Burner. Dieser Mühlen-betriebende Granatwerfer verschießt brennende Projektile aus Torf und ist für schwere Gegner, sowie für größere Gegnergruppen geeignet und erspart gerade im letzten Viertel einige Nerven.

In Graven kämpfen wir uns aber nicht nur den Weg frei, denn auch einige Schalterrätsel und verschlossene Türen blockieren regelmäßig unseren Fortschritt. Die Rätsel an sich sind da aber eher seicht und verlangen meistens einfach nur das Finden des richtigen Schalters. Einzige Ausnahme ist da ein Rätsel mit einem Steintotem, für welches wir erstmal genug Hinweise finden müssen, um es danach richtig ausrichten zu können. Abseits davon ist es aber wie bereits gesagt mehr das Aufspüren von Schaltern und Schlüssel, womit so das klassische Key Card Klischee aus Doom & Co. bedient wird.

Haben wir uns dann auch durch die Horden an Gegner gekämpft und alle Türen geöffnet, gelangen wir dann auch nach paar Stunden an das Ende der aktuellen Early Access-Version. Kein interessantes Finale, kein spannender Bosskampf, einfach ein Hinweis darauf, dass das nächste Gebiet für unseren Besuch noch nicht fertig sei. Keine große Überraschung, schließlich steht der Titel noch am Anfang seiner Early Access-Phase, doch gab es Dezember letzten Jahres bereits eine Demo zu Graven, die in gewissen Teilen mehr Content bot, als nun die Version, für die man bezahlen soll. So konnten wir dort einen zweiten Zauberspruch und eine weitere Waffe finden, und sogar ein richtiger Boss hat auf uns gewartet. Wieso nichts davon in der Verkaufsversion enthalten ist, kann man nur spekulieren. Worüber wir aber nicht spekulieren müssen, ist die Content-Roadmap, die Entwickler Slipgate Ironworks bereits veröffentlicht hat und uns damit einen Überblick gibt, was wir in naher Zukunft alles vom Spiel erwarten dürfen. So soll uns diesen Sommer noch das erste größere Update erwarten, welches ein neues Gebiet, sowie Alchemie, die Möglichkeit Waffen aufzurüsten, neue Ausrüstungen, Gegner und vor allem ein Coop Modus beinhalten soll. Über das restliche Jahr sind dann noch zwei weitere Updates geplant, die ebenso nach und nach Inhalte in allen verschiedenen Bereichen nachliefern sollen, bis dann Anfang nächsten Jahres die fertige Vollversion ansteht. Ob und wie die Entwickler dieses Zeitfenster aber auch einhalten können, bleibt natürlich wie immer abzuwarten und man sollte keiner der Termine als Garantie ansehen. 

Worauf ihr aber nicht bis zur Vollversion warten müsst, ist die spezielle Retro-Optik des Spiels, die jetzt schon voll ins Schwarze trifft. Wie es sich nämlich für einen Boomer Shooter gehört, glänzt auch Graven mit einem authentischen Look, der nach der Ära der späten 90er schreit. Dabei läuft der Titel im Gegensatz zu anderen Kollegen, wie z.B. Ion Fury, nicht auf einer alten Engine, sondern sogar auf der Unreal Engine 4. Einer der vielen Tricks der Entwickler, um das Spiel trotz der modernen Architektur so Old School wie möglich wirken zu lassen, war u.a. die Level alle im alten Quake Level-Editor zusammenzubauen und diese dann in die UE4 Engine zu porten. Für den restlichen Gesamteindruck sorgen zusätzlich noch low-poly Modelle, sowie die niedrig aufgelösten Texturen, aber auch der passende Soundtrack darf da natürlich nicht fehlen. Komponist Nikola Nikita Jeremić, dessen Arbeiten ihr vielleicht aus Cyberpunk 2077, Destiny 2 und Battlefleet Gothic: Armada 2 kennt, hat mit seinen Stücken die düstere Tragik des Spiels wunderbar untermalt.

Fazit
Seit der Ankündigung letzten Sommer habe ich der Veröffentlichung von Graven entgegengefiebert, weswegen mich der überraschende Early Access-Release besonders erfreut hat. Die Ernüchterung kam jedoch relativ schnell. Nicht nur fehlt es dem Spiel teilweise an Inhalten, die schon vor einem halben Jahr in der Demo verfügbar waren, sondern plagen auch noch die einen oder anderen Bugs das Spiel. Wieso man da dann auf eine überraschende Veröffentlichung gepocht hat, mit der eh die wenigsten gerechnet haben, lässt einen da schon mit vielen Fragen zurück. Trotzdem merkt man die Leidenschaft der Entwickler an jeder Ecke und das macht Hoffnung für die Zukunft, denn an der Basis von Graven kann ich ehrlich gesagt nicht viel meckern. Es spielt sich gut, sieht authentisch aus, bietet eine interessante und düstere Welt und eigentlich will man nach seinen ersten vier Stunden, die man ungefähr für das Erreichen des aktuellen Endes braucht, einfach nur mehr. Gleichzeitig wird auch viel Potenzial liegen gelassen, gerade wenn es um den spielerischen Einsatz von Magie geht, waren meine Erwartungen höher. Somit bleibt eben abzuwarten, ob die zukünftigen Updates bis zum Release alle diese Punkte beseitigen können. Interessierten Käufer, die bereits die Demo gespielt haben, können sich jedenfalls noch etwas zurücklehnen bis es wirklich was Neues in Graven zu sehen gibt.

Graven ist seit dem 26. Mai im Early Access auf Steam erhältlich. Die Vollversion, sowie Konsolen-Ports für Playstation 5, Playstation 4, Switch, Xbox Series und Xbox One sind für das erste Quartal 2022 geplant.

(getestet von Para)

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