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Im Test: Phoenix Point (PC)

X-COM-Schöpfer Julian Gollop ist zurück! Zweieinhalb Jahre nach der offiziellen Ankündigung und einer erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne, steht nun der erste Titel von Snapshot Games bereit: Phoenix Point. Ein groß angelegtes Runden-Strategiespiel, in dem wir die Erde vor fremdartigen Wesen beschützen, unsere Basis aufbauen und uns nebenbei um unsere internationalen Verbündeten kümmern müssen. Das klingt nicht nur nach X-COM, es sieht auch so aus. Doch will der Titel einiges anders machen, um nicht wie ein einfacher Klon, sondern mehr wie die nächste Stufe zu wirken. Wir haben uns Phoenix Point ganz genau angeschaut und verraten euch im Test, ob Gollop und seinem Team genau dies gelungen ist.

Als der Klimawandel 2022 für erneute Rekordtemperaturen sorgte, stieg nicht nur der Meeresspiegel an. Nein, etwas deutlich gefährlicheres wurde mit den schmelzenden Polkappen freigesetzt. Etwas Uraltes und bis jetzt komplett unbekanntes, der Pandora-Virus. Das Wetter veränderte sich darauf drastisch, extreme Stürme suchten die Küsten heim und dann wäre da noch der Nebel. Undurchdringlich schneidet er nicht nur Inseln vom Festland ab, sondern trieb auch die Bevölkerung von Küstenstädten und Dörfern in den Wahnsinn. Wie in Trance wanderten die Betroffenen Richtung Meer und verschwanden in den reißerischen Massen. Statt jedoch irgendwann tot wieder angespült zu werden, kehrten sie stark mutiert wieder zurück und griffen direkt ihre ehemaligen Mitmenschen ohne Gnade an. Hybridwesen aus Mensch und Krebs, die das letzte Stück an Menschlichkeit verloren hatten. Ein Krieg brach aus, auf den niemand vorbereitet war und somit war es kein Wunder, dass nach und nach ganze Nationen unter die unzähligen Invasionen zusammenbrachen. Über zwanzig Jahre sind nun vergangen und die letzten Überreste verschanzen sich in Festungen, um die regelmäßigen Angriffe der Pandora-Mutanten zu überstehen. Der Virus hat dabei nicht nur die Bevölkerung verwandelt, sondern auch die Flora und Fauna unseres Planeten. Statt Bäume und Wiesen blühen nun Korallen-artige Strukturen in der Natur und verändern alles um sich herum. Die Zeit rennt für die Menschheit davon, doch ist noch nicht alles verloren. Das Wiederaufleben der Phoenix Point-Organisation soll endlich die nötige Wendung bringen.

Wer schon einmal einen der modernen X-COM-Ableger von Firaxis Games gespielt hat, wird sich in Phoenix Point direkt wie Zuhause fühlen. Wir steuern unseren Squad aus bis zu acht Soldaten in Runden über das Feld, jeder Schritt und jeder Schuss verbrauchen dabei wertvolle Aktionspunkte, Deckungen und Erhöhungen sollten zu unserem Vorteil genutzt werden und dank bekannter Overwatch-Mechanik decken wir unsere Flanken vor Überraschungen ab. Standard-Klassen wie Sturmsoldat, Scharfschütze und schwere Infanterie sind genau so dabei, wie Techniker und Schleichexperte. Abseits der Kämpfe managen wir unsere Basis, bauen Labore, Werkstätten und erforschen neue Technologien, um mit unseren Feinden mithalten zu können. Auf der Weltkarte, der sogenannten Geoscape, planen wir dabei unsere nächsten Operationen, schicken Truppen los und beraten uns mit unseren Verbündeten. Zeit ist ebenso wichtig, denn Stunden vergehen in Sekunden und die Welt von Phoenix Point bleibt immer in Bewegung. Klingt alles bekannt? Gut, doch steckt der Teufel bekanntlich im Detail und unter genauer Betrachtung erkennen wir doch recht schnell die Unterschiede, die den Titel vom Vorbild abheben sollen. Einer der Größten dürfte unsere Feinde betreffen, die sogenannten Pandora-Mutanten. Nicht nur kommen diese Fisch- und Krabben-artigen Monster aus unseren eigenen Ozeanen, statt aus irgendeiner fremden Galaxie, sondern lernen sie auch noch dazu und passen sich unserem Spielstil nach und nach an. Nutzen wir z.B. eine bestimmt Schwachstelle immer wieder aus, setzt nach einigen Missionen die Evolution ein und bessert dies aus. Ungepanzerte Körperteile sind plötzlich gut geschützt oder statt die Waffen in den Händen zu führen, verwachsen diese direkt mit den Gliedmaßen, weswegen wir ab sofort unsere Feinde nicht mehr mit einem gezielten Schuss einfach entwaffnen können. Statt nämlich einfach immer nur grob auf unsere Ziele zu feuern, bietet Phoenix Point ein spezielles Ziel-System an, welches man wohl am besten mit der V.A.T.S.-Mechanik aus der Fallout-Reihe vergleichen kann. Darüber fügen wir Körperteilen gezielt Schaden zu, um unsere Gegner maßgeblich zu beeinträchtigen und sogar ihre größten Vorteile zu berauben. Nehmen wir z.B. mal einen Gegner, der via Telepathie unsere Soldaten plötzlich steuert. Ein Horrorszenario, da wir in anderen Spielen erstmal diesen Feind ausschalten müssten, um unseren Kameraden von der Gedankenkontrolle zu befreien. In Phoenix Point reicht hierfür ein gut platzierter Kopftreffer, um den ganzen Spuk ein Ende zu bereiten. Wer nun Flashbacks an all die verfehlten Schüsse in X-COM bekommt, kann sich beruhigen. Statt die Flugbahn unseres Projektils auszuwürfeln, berechnet das Spiel die Ballistik deutlich nachvollziehbarer. Im Ziel-Modus wird die Trefferquote nämlich mit einem Kreis um das Zielkreuz symbolisiert und nicht mit einer Prozentangabe. Je enger dieser Kreis sich um das Kreuz befindet, desto genauer sitzt die Kugel. Geht dann doch mal etwas daneben, kracht es dafür aber ganz schön, denn Strukturen werden durch Kugeln und Explosionen in Mitleidenschaft gezogen. Verschanzt sich das Ziel hinter einer zu guten Deckung oder nervt euch der Sniper auf dem Dach des nächsten Gebäudes? Alles kein großes Problem, da Decken und Wände unter Beschuss nachgeben. Trotzdem ist Obacht geboten, denn nicht nur können unsere Kugeln ihren Weg in Betonwände finden, sondern dank Friendly-Fire auch in unsere eigenen Kameraden. Die Positionen unserer Soldaten sollten wir also immer im Kopf behalten, wenn wir alles in Schutt und Asche legen. Falls wir dafür die ganz schweren Geschütze in Anspruch nehmen wollen, stehen dafür gepanzerte Fahrzeuge bereit, die mit unterschiedlichen Bewaffnungen ausgestattet werden können. Laser-Gatling, Raketenwerfer oder sogar Panzerhaubitzen sorgen gerade in den Bosskämpfen dafür, dass wir uns Kopf an Kopf mit den größten Vertretern des Meeres messen können. Blindlinks sollten wir jedoch dabei nie agieren, denn die feindliche K.I. reagiert in den meisten Fällen auf Fehler erbarmungslos und nutzt jede Chance aus.

Neben einem guten Überblick und einem gewissen taktischen Verständnis, ist es nicht ganz unwichtig, dass wir den Anschluss im Wettrüsten nicht verlieren. Das heißt unsere Basis muss auf Vordermann gebracht werden, damit wir in den zahllosen Laboren und Werkstätten neue Technologien erforschen und herstellen können. Dabei beschränkt sich das nicht nur auf neue Waffen, Rüstungen, Fahrzeuge und sonstige Spielzeuge, sondern können wir später sogar via Gentherapie den Pandora-Virus für uns nutzen, um unsere Einheiten kontrolliert mutieren zu lassen. Wie wäre es z.B. mit einem dicken Panzer auf den Rücken oder Scherenhände, die im Nahkampf ordentlich austeilen? Damit wir aber überhaupt auf all diese feinen Sachen zurückgreifen können, müssen wir uns mit den drei Fraktionen des Spiels auseinandersetzen, die alle ihre ganz eigenen Ziele verfolgen. Als Erstes hätten wir da Synedrion, ein eher friedlicher Zusammenschluss aus den klügsten Köpfen der Welt, die mit einer hochmodernen Utopie die Menschheit retten wollen. Die Jünger von Anu ähneln mehr einem primitiven Kult und sehen den Pandora-Virus als nächste Evolutionsstufe an. Das genaue Gegenteil von all dem ist Neu-Jericho, ein Militär-Regime, welches einzig und alleine die totale Zerstörung der Mutanten und all ihre Verbündeten als oberste Priorität hat. Für alle drei können wir spezielle Missionen annehmen, um unseren Ruf zu bessern und eben vor allem Zugriff auf einige Forschungsprojekte zu erhalten. Dass sich die Parteien untereinander nicht riechen können und deswegen selber in regelmäßigen Konflikten stehen, sollte uns dabei nicht stören.

Der Vergleich mit X-COM fängt beim Gameplay an und hört auch bei der kompletten Aufmachung nicht auf. Das etwas überzeichnete Art-Design trifft dabei ungefähr in die gleiche Kerbe, ist aber durch eine reduzierte Farbpalette deutlich düsterer, als der mehr buntere Look des Vorbilds. Technisch lässt sich ebenso wenig meckern. Es sieht gut aus, läuft gut, bietet aber jetzt auch keine allzu großen Überraschungen. Das Gleiche lässt sich über das komplette Sound-Design sagen. Alles klingt so, wie es sein sollte, kommt aber auch nicht wirklich über den Durchschnitt hinaus. Gerade wenn wir über den Soundtrack sprechen, muss ich hier zugeben, dass mir nichts von den Stücken im Ohr geblieben sind. Die Untermalung ist da, sie nervt nicht, aber bereichert das Erlebnis auch nicht wirklich.

Fazit:
Phoenix Point macht einiges richtig und sogar besser als sein großes Vorbild. Endlich kann ich jeden verfehlten Schuss nachvollziehen, Missionen mit Zeitdruck fehlen zum Glück komplett und das ständige Verbessern der Feinde sorgt dafür, dass jede Begegnung auf dem Schlachtfeld interessant und spannend bleibt. Gleichzeitig zieht X-COM aber auch in einigen Punkten an Phoenix Point vorbei. Die Story ist u.a. besser erzählt und der Basis-Bau ist deutlich tiefgreifender und motivierender. Reicht es also für die Genre-Krone? Nein, noch nicht ganz, aber Snapshot Games sind mit Phoenix Point auf einem guten Weg und legen hier ein großartiges Fundament hin, auf welches sie in den nächsten Jahren noch aufbauen können. Somit ist der Titel für Fans absolut ans Herz zu liegen.

Phoenix Point ist seit dem 3. Dezember 2019 über den Epic Games Store erhältlich. Konsolen-Ports für Xbox One und Playstation 4 sind zu einem späteren Zeitpunkt geplant.

(getestet von Para)

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