Im Test: Shadowrun Returns – Träumen Orks von elektrischen Elfen?

Das wohl berühmteste Cyberpunk-Pen & Paper-Rollenspiel kehrt zurück auf die Bildschirme einer neuen Spielergeneration. Shadowrun Returns!

Nach dem qualitativ durchwachsenen Multiplayer-Shooter-Revival von 2007, kehrt mit Shadowrun Returns der Franchise auf PC und Mobile zu seinen Wurzeln zurück und zeigt sich in Gestalt eines waschechten traditionellen Rollenspiels, welches sowohl neue Spieler als auch Veteranen der Pen & Paper-Vorlage oder der 16 bit-Versionen anzusprechen vermag.

Seattle 20XX
Düstere und verregnete Straßen säumen das Bild des futuristischen Seattles. Neonlichter erhellen die Nacht und geben den Blick frei auf heruntergekommene Slums, belebte Händlerviertel und die industriellen Turmbauten von Mega-Corporations, welche wie riesige Betonsärge gen Himmel ragen. In den Gassen verbringt das Gesindel der modernen Zivilisation seinen Alltag mit digitalen Cyberdrogen, die das Bild einer besseren Welt in die Köpfe dieser armen Schlucker projizieren und an den Straßenecken stehen elfische Prostituierte, flehend und wartend auf das Erscheinen ihres nächsten Ernährers… Moment, Elfen in einem Cyberpunk-Setting? Welcome to Shadowrun!

Mysteriöse Geschehnisse des frühen 21. Jahrhunderts brachten die Magie zurück in die Welt der Menschen. Shamanen, Dämonologie und das Auftauchen von Meta-Menschen wie Orks, Elfen und Trollen, waren nur einige der Veränderungen, mit denen die Erdbevölkerung plötzlich zurechtkommen musste. Es begann das Zeitalter der Schattenläufer, eine Zeit voller Magie… und Technologie.

Mit der beim Spiel zugehörigen ersten Kampagne „Dead Man’s Switch“ gesellt sich in diesem Fall auch noch eine Prise hard-boiled  Detective-Noir-Story dazu. In Seattle ist ein alter Freund unseres Alter Egos ermordet worden, augenscheinlich das Werk eines Serienkillers. Doch haben wir die Spuren auch wirklich richtig zu deuten gewusst…

Karmageddon
Wir beginnen die mitgelieferte Kampagne mit dem Erstellen unseres eigenen Charakters. Dafür stehen Rassen, Klassen und Geschlechter zur Auswahl, die am Ende Kombinationen wie einen menschlichen Straßensamurai oder einen orkischen Shamanen, welcher mit Hilfe seiner Beschwörungsgabe Kreaturen herbeirufen kann, erlauben. Nach der Wahl einer Etikette, welche uns bei Dialogen besondere Auswahlmöglichkeiten eröffnet, passen wir unseren Charakter mit Hilfe von Karmapunkten – diese gewinnt man für abgeschlossene Missionen – an unsere Spielweise an. Dies rundet die Charakterentwicklung ab und erlaubt unserem Charakter später das Kämpfen im Cyberpace oder das Kontrollieren von mechanisierten Drohnen.

Ein linearer Lauf durch die Schatten
„Dead Man’s Switch“ entführt die Spieler in eine lineare Kampagne, welche wenig mit modernen Computer-Rollenspielen gemein hat und vom Ablauf her eher an die Pen & Paper-Vorlage erinnert. Nachdem wir einen der Schauplätze abgearbeitet haben gibt es nur einen festen Weg, welcher uns automatisch zum nächsten Ort des Geschehens transportiert. Die lineare Spielweise spiegelt sich dann auch bei der kaufbaren Ausrüstung wieder, welche Pen & Paper-Typisch mit wenig Variation daherkommt. Man findet eben auch bei Dungeons & Dragons und Co. +5-Waffen nicht an jeder Ecke.

Das Kampfsystem von Shadowrun Returns ist rundenbasiert und lässt an Klassiker wie XCOM oder  Fallout 1&2 denken. Dabei wechseln wir uns in Runden mit dem Computergegner ab, benutzen Drohnen und Waffen oder verstecken uns hinter Deckungen. Wie in Fallout 2 gibt es je nach Waffe verschiedene Schussmodi und generell fühlt sich das simple gehaltene Kampfsystem stark an wie jenes des Rollenspiel-Veteranen.

Musikalische Untermalung
Im Eifer des Gefechtes ertönt meist ein schneller, industrieller Soundtrack, welcher durch seine elektronischen Beats der Stimmung die nötigen Impulse einzuprügeln vermag. Abseits des Geschehens bleibt es musikalisch bei der generierten Cyberpunk-Atmosphäre, wenn auch einen Grad ruhiger. Sprachausgabe gibt es wiederum keine. Eine gute Lesefähigkeit der englischen Sprache wird für einen vollen Genuss von Shadowrun Returns derzeit vorausgesetzt. Deutsche Texte liegen noch keine vor.

Bugs sind mir während meines Durchgangs keine aufgefallen, jedoch lässt die Klickgenauigkeit des Cursors noch etwas zu wünschen übrig und die fehlende Savegamefunktion – bisher nur Autosaves – mag auch nicht jedem Spieler gefallen. Dafür kann sich die erste Kampagne mit einer ordentlichen  Spielzeit von ca. 10 Stunden brüsten. Wem das noch nicht reicht, wird sich darüber freuen, dass Entwickler Harebrained Schemes bereits die Arbeiten an einer zweiten Kampagne begonnen hat, welche im Berlin der Zukunft angesiedelt sein wird. Außerdem gibt es ja noch die Mods, welche hoffentlich dank des leistungsstarken Editors in Zukunft das Licht der Welt erblicken werden.

Fazit
Mit Shadowrun Returns feiert die beliebte Spieleserie ein ordentliches Comeback, dessen Hochzeit jedoch noch vor uns liegt und erst durch die Modding-Community richtig erblühen wird. Die mitgelieferte Kampagne kann bis dahin schon überzeugen und weckt einen Einblick auf die Dinge die da kommen.

Die Rollenspielelemente bieten Abwechslung und Wiederspielwert für die mitgelieferte, sehr spannend erzählte Kampagne und können in Kombination mit einem simplen, an Fallout 2 erinnernden Kampfsystem, das Gesamtbild des Spiels in einem positiven Licht erscheinen lassen.

Fans von klassischen Rollenspielen dürfen hier bedenkenlos zugreifen.

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