Im Test – Leisure Suit Larry: Reloaded – Der liebenswerte Loser kehrt zurück

Larry Laffer ist zurück und er ist zu sich selbst ehrlicher den je. Vorbei die Zeiten von Magna Cum Laude und Box Office Bust. Hier haben wir ein waschechtes Point & Click-Adventure!

Um genau zu sein, haben wir hier ein Remake des allerersten Larry-Abenteuers Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards von 1987 und somit, nach dem VGA-Update von 1991, bereits das zweite Remake des ersten Larry-Abenteuers. An der Story hat sich daher kaum was geändert.

LarryOld3     Das Lefty´s in 2013

Auf Freiersfüßen

In Leisure Suit Larry: Reloaded begleiten wir den 40-jährigen, jungfräulichen Larry Laffer auf der Suche nach der großen Liebe, welche er, wie man es von einem heißblütigen Gigolo wie Larry erwartet, selbstverständlich in Las Vegas, bzw. in dessen unbekannterer Nachbarstadt Lost Wages sucht.

Mit 90 Dollar in der Tasche macht sich der unbeholfene Liebhaber daran, seine Jungfräulichkeit zu verlieren und die Frau fürs Leben zu finden. Dies verspricht auch in HD-Grafik viele peinliche und humoristische Momente.

LarryOld1Das Lefty´s in 1991

Ein Ring im Waschbecken…

…und endlich erkennt man diesen auch. Der verwendete Comic-Grafikstil von Reloaded erinnert am ehesten an jenen, der 1996 in Leisure Suit Larry: Yacht nach Liebe zum Einsatz kam. Die bekannten Locations und Charaktere aus Land of the Lounge Lizards wurden per Hand neu animiert und umfassen insgesamt 3.000 Einzelbilder. Das Spiel erlaubt des Weiteren eine Auflösung im 16:9-Format und beschert den Schauplätzen durch den Einsatz neuer Lichttechniken und bewegter Hintergründe bzw. vieler neuer, animierter NPCs, frische Facetten, die selbst die VGA-Version noch nicht geboten hatte. Zwar wirkt die Grafik an manchen Stellen etwas einfach gehalten (2D-Taxi, keine Schatten, Larrys wiederholende Animationen), kommt dennoch zeitgemäß daher und kann als Spiegel der Komik des Spiels verstanden werden. Auch die meist nicht-synchronen Lippenbewegungen fallen in diese Kategorie.

Musikalisch bietet das Spiel neben dem bekannten Larry-Tune, welcher in mehreren Varianten zu hören sein wird, ein jazziges und Las Vegas-gerechtes Potpourri an Unterhaltung und kann die Atmosphäre der sündigen Stadt schön einfangen. Bei den englischen Sprechern gibt es derweil ein Wiederhören mit Jan Rabson, welcher Larry schon seit den 90er Jahren seine Stimme leiht. Auch als Erzähler kommt abermals Brad Venable zum Einsatz.

Die weiteren Sprecher, insbesondere Larrys potentielle Eroberungen, enttäuschen Stimmgewaltig ebenfalls nicht und ab und zu präsentiert Larry-Vater Al Lowe selbst seine stimmlichen Stärken.

LarryOld_LadebalkenDas Lefty´s in 1987

Benutze Reißverschluss mit Büffet

Wie auch in der VGA-Version oder Leisure Suit Larry 6: Reiß’ auf oder schieb ab (1993) benutzt Larry: Reloaded die traditionelle Icon-Steuerung, nun auch im Ring-Menü nutzbar, welche zwischen Auge, Sprechblase, Reißverschluss, Zunge, Beine und Objekt unterscheidet. Ausgewählte Icons erlauben das Interagieren mit NPCs, Items und Locations. Solltet ihr also versuchen an dem sportlichen Thekengast im Leftys zu schnuppern, wird Larry brav das Odor des Gastes kommentieren. Wasser lassen auf einem Teppich soll dem guten Schwerenöter auch nicht verboten werden. Wie schon 1987 und 1991 darf Larry Laffer bzw. der Spieler alle Kombinationen ausprobieren, die uns hier in dem Sinn kommen. Eine Hot Spot-Funktion, wie sie so ziemlich alle modernen Adventure heutzutage anwenden, gibt es nicht. Dies gibt dem neuen „Larry“ eine Spur von altbackener Nostalgie.

Der traditionelle Humor wurde derweil, so zeitlos wie er auch sein mag, vereinzelt in die Gegenwart verfrachtet und so kommentiert der Erzähler Larry´s Abenteuer auch schon mal mit Google-Anekdoten oder einer der Gäste spricht von einer vernetzten Welt, in welcher er nicht leben möchte. Highlight ist wohl, insbesondere für jene Backer der Kickstarter-Kampagne, welche uns im Mai 2012 das Comeback von Polyesterfan Larry bescherte, das rauchige Kabarettlied über das Phänomen Crowdfunding.

Deutsche Untertitel erlauben auch hiesigen Spielern die Gags der Lost Wages-Welt zu verstehen, weichen jedoch vom gesagten oft ab und erzeugen somit ein leicht verfälschtest, wenn auch durchaus witziges Spielgefühl. In Deutschland kennt man einen Bud Bundy eben besser als einen Warren „Potsie“ Weber.

Larry3Da wird selbst John Travolta neidisch

Was gibt es Neues?

Die Schauplätze des Spiels sind im Vergleich zu den Originalen mit mehr Leben gefüllt. So gibt es mehr NPCs, mehr benutzbare Objekte und mehr Dekoration. Zum Ende des Spiels wird die Story sogar etwas anders ablaufen als gewohnt und mit Jasmine bekommt Larry sogar eine neue, potentielle Flirtpartnerin, welche „gemeistert“ werden muss, bevor Larry per helium-gefühlter Gummipuppe gen Himmel entschwinden kann.

Neben Achievements und aktualisierten Fragen zur Altersverifizierung (wer kennt heute noch Mork vom Ork?) erlaubt auch ein von Al Lowe gesprochenes Tutorial eine kleine Einführung in das Gameplay. Ansonsten sind die Neuerungen beschaulich und strecken die Spielzeit nur minimal. Ich benötigte ohne große Erfahrung der Originale für einen Durchgang 5 Stunden. Für ein 20 Euro-Spiel meines Erachtens noch so gerade im grünen Bereich.

Larry2Sicherheitsbeamtin Faith zeigt ihre Waffen…

Fazit

Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards: Reloaded bietet nicht viel neuen Inhalt und alleine für die neuen und überschaubaren Schauplätze samt Parfüm-liebender Taucherin Jasmine, wird sich ein Kauf wohl auch nicht lohnen. Stattdessen sind es die witzige Synchronisation, das nostalgische Gefühl, der sympathisch-krude Humor und speziell das Comeback des liebenswerten Trottels Larry, welche auch die Herzen jener Spieler ansprechen werden, die schon die beiden Originale oder eines der weiteren Larry-Point & Clicks, gespielt haben.

Für alle anderen, ist dies ein wunderbarer Einstieg in die Welt des Larry Laffer, seines Zeichens Hobby-Gigolo, Mundspray-Fan und Polyesteranzugträger.

Spoiler zu den neuen Rätseln 

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Wer Probleme mit den neuen Rätseln hat, der schaut sich nach der Abfuhr von Fawn einmal den siebten Stock des Hotels genauer an und begibt sich anschließend in den Zweiten. Schöne Blumen gibt es übrigens oft vor Kirchen zu finden.