Hands-On: Jane Jensen´s Moebius – Metaphysischer Thriller in Gabriel Knight – Tradition

Mit Moebius erwartet uns in einigen Monaten das erste vollwertige Adventurespiel von Schriftstellerin und Designerlegende Jane Jensen seit dem Release von Grey Matter in 2010 und Gabriel Knight 3 in 1999. 

Dieses Mal sind es keine Werwölfe in Bayern die uns Spieler in ihren Bann ziehen werden, sondern die Abenteuer eines amerikanischen Historikers und Kunstschätzers, der während der Untersuchung eines Mordfalls in eine Geschichte hineingezogen wird, die Auswirkungen auf die gesamte bekannte Weltordnung haben kann.

Malachi Rector, Kunstschätzer
In Moebius übernehmen wir die Rolle des Malachi Rector, eines brillanten, wenn auch kalt-wirkenden und analytischen Kunstschätzers und Gelehrten der Geschichtsschreibung. Mit deduktiver Genauigkeit nutzt Malachi in seinem Job die Fähigkeiten seines fotografischen Gedächtnisses, um den Wert und die Epoche von Kunstschätzen zu bestimmen. Als Malachi von einer staatlichen Behörde namens F.I.S.T. (Future Intelligence Science & Technology) angeheuert wird, um den Tod einer Frau mit seiner besonderen Gabe zu untersuchen und Zusammenhänge mit einer historischen Persönlichkeit herzustellen, ahnt der stets berechnende Malachi noch nicht, dass dieser Mord der Beginn einer Geschichte von epochalen Ausmaßen sein wird.

Um die Welt mit…
In einem Büro in Manhattan nimmt die Reise ihren Lauf und führt uns im Verlauf der hier vorliegenden Preview-Version nach Venedig und Kairo. Spätere Reisen sollen uns des Weiteren nach Paris, Zürich und Washington D.C. verschlagen. Die Schauplätze (im fertigen Spiel 50 Räume, dies entspricht der Größe von Gabriel Knight 1) sind optisch abwechslungsreich gestaltet und ähneln in Design und Präsentation jenen der Erica-Reed – Abenteuer, welche vom selben Studio umgesetzt worden sind. Über eine Reisekarte werden wir in der Lage sein, die einzelnen Locations des aktuellen Kapitels zu besuchen, wobei in gewohnter Adventure-Manier je nach Fortschritt des Kapitels weitere Szenerien hinzukommen werden.

Insbesondere die stilistischen Animationen fallen in „Moebius“ positiv auf. Sei es wenn Malachi einen Koffer öffnet, einen Stuhl verschiebt oder mit einem alten Gondoliereruder ein Beweisstück aus dem Wasser fischt, das alles wirkt organisch und authentisch.

Die Animationen der Charaktere, insbesondere von Malachi, wirken noch etwas steif und ähneln vereinzelt an Vogelscheuchen, aber hier haben die Entwickler bereits angekündigt, dass bis zum finalen Release, welcher für Ende 2013/Anfang 2014 angesetzt ist, noch Hand angelegt werden wird.

Musikalisch bringt das Abenteuer eine breite Palette an unterschiedlichen Stilen mit sich. Vom ruhigen Klavier bis hin zu rhythmischen Stücken ist alles vertreten, was der Atmosphäre zugute kommt.

Die englischen Sprechrollen der auftauchenden Charaktere wirken ebenfalls alle passend besetzt und können ihren Charakteren somit eine Seele geben. Malachi selbst mag mit seiner ruhigen Art anfänglich etwas auf die Nerven gehen, dies legt sich aber im Verlauf des Spiels ein wenig.

Als Zugabe gibt es beiliegend, ähnlich der Gabriel Knight – Spiele, ein Graphic Novel, welches die Vorgeschichte des Kunsthistorikers erzählt.

Mit Beobachtung und Logik
„Moebius“ ist ein klassisches Point & Click-Adventure mit Komfortfunktionen wie Hotspots und Szenenwechsel durch Doppelclick. Die in der Preview vorzufindenden Rätsel halten sich auf einem niedrigen Schwierigkeitsniveau und sollten für routinierte Adventurespieler keine Herausforderung darstellen (Pressetexte sprechen jedoch von zwei Spielmodi, letzterer für erfahrenere Spieler). Wie auch in Cognition spielt das Mobiltelefon wieder eine entscheidende Rolle und erlaubt Funktionen wie Webrecherche, Fotografie, Telefonie und Zugriff auf das Hint-System, welches ebenfalls an Erica Reed denken lässt. Apropos Erica Reed, über die Musik-App des Telefons lassen sich Songs von The Scarlet Furies hören, jener Band, in der Erica Reed-Sprecherin Raleigh Holmes als Frontfrau singt.

Highlight von Moebius ist die analytische Gabe des Hauptcharakters. Neben den Standardfunktionen (Ansehen, Reden, Kombinieren) erlaubt das Interface ab und an auch die Auswahl eines Gehirnsymbols, bzw. Aktiviert per Mobiltelefon durch die Notizen eine Analyse der bereits gesammelten Daten.

Im Fall des Gehirnsymbols beginnt eine deduktive Analyse a la Sherlock Holmes. In einer Nahaufnahme eines NPCs muss Malachi Merkmale entdecken, die ihm Hinweise über das Leben des Angesprochenen erlauben und gleichzeitig etwa neue Gesprächsoptionen offenlegen. Bei einer alten Frau in Venedig erkennt er zum Beispiel an den Händen der Großmutter, dass jene in ihrer Jugend viel Klavier gespielt haben muss. Gesichtszüge zeigen derweil die Intention des Gegenübers. Mit Hilfe dieser Data Points und dem gesammelten Wissen durch die Gespräche, welches in der Memory Bank abgelegt wird, lässt sich daraufhin eine Analyse von Gegenständen oder Persönlichkeiten beginnen. Bei einer Vase muss etwa das Material und Alter festgestellt werden, bei dem ersten Mordopfer wiederum gibt es eine Verknüpfung mit einer historischen Person durch Ausschlussverfahren zu erkennen.

Ein Punktesystem spiegelt wie in traditionellen Sierra-Adventures den Fortschritt eures Abenteuers wieder.

Fazit
Die mir vorliegende Preview-Version entspricht inhaltlich jener, welche auf der diesjährigen E3 präsentiert worden ist. Nach zwei Stunden und zwei Kapiteln ist der erste Ausflug in die Welt des Malachi Rector auch schon wieder zu Ende und hinterlässt einen vorsichtig optimistischen Eindruck.

Die arrogante Art des Hauptcharakters schreckt mich ein wenig ab und es fehlt das vertraute Gefühl, welches Erica Reed in mir ausgelöst hat. Derweil können die schön gestalteten Schauplätze, dass traditionelle Spieldesign und insbesondere die analytischen Rätsel überzeugen. Über die Story kann noch nicht viel gesagt werden, da diese höchstenfalls angekratzt worden ist.

Bis zum Release des von Pinkerton Road und Phoenix Online entwickelten Spiels, welches voraussichtlich Ende des Jahres, Anfang des Nächsten, erscheinen soll, bleibt aber noch etwas Zeit und ich bin zuversichtlich, dass dem Spiel noch eine gute Portion an Feinschliff zugutekommen wird.

Jane Jensen´s Moebius ist aktuell für PC, Mac, Linux und iPad in Entwickelung und geht auf eine Kickstarter-Kampagne zurück.

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