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Im Test: The Witcher 3 (PC, PS4, One)

Mit The Witcher 3 hat sich das polnische Studio CD Projekt Red ein gewaltiges Projekt vorgenommen: Eine offene Hexer-Welt, die einen völlige Freiheit geben und dazu einer spannenden Hauptgeschichte folgen soll. Ein Balance-Akt, den viele Rollenspiele nicht geschafft haben. Ob es CD Projekt Red geschafft hat, das erfahren wir in den nächsten Zeilen.

Jeder bisherige Witcher-Teil hat es geschafft, den vorherigen Teil zu übertrumpfen. Gerade der Wandel vom ersten Teil zum zweiten Teil war enorm. Auch beim dritten Teil ist das nicht anders. Denn grafisch hat sich der dritte Teil fantastisch weiterentwickelt. Die Gesichtsanimationen sind deutlich feiner geworden und nun bewegt sich auch alles im Gesicht und sorgt für eine bessere Bindung zu den Spielecharakteren. Gelungene Gesichtsanimationen hatten wir zuletzt in Dragon Age Inquisition gesehen, jedoch wirkten dort die Bewegungen der Figuren sehr roboterhaft und genau diesen Punkt meistert The Witcher 3 sehr gut. Die Bewegungen, gerade in den kleinen Sequenzen, fühlen sich sehr echt an. Auch sonst ist das Spiel grafisch eine Augenweide, egal ob Weitsicht, Detailreichtum, Licht- oder Wassereffekte. Alles zusammen sorgt für ein sehr malerisches Ambiente und eine sehr atmosphärische Hexer-Welt in einem Ausmaß, das bisher seines Gleichen sucht. Auf den Konsolen muss man natürlich hier und da einige Abstriche in Kauf nehmen, aber dennoch weiß es grafisch zu begeistern!

Gerade Norvigrad ist das perfekte Beispiel, wie atmosphärisch The Witcher 3 geworden ist. Mit all den Bewohner, die ihrem Tagewerk nachgehen. Den Händlern, die auf dem Weg ihre Waren feilbieten und die Stände, die so prächtig und detailreich gefüllt sind, dass man am liebsten selbst mal zugreifen möchte. Generell hat CD Projekt Red viel Zeit in seinen Detailreichtum gesteckt, egal wo man hingeht, man findet stets viele kleine Details, die das Gesamtbild erst so richtig lebendig wirken lassen. Sei es der reich gedeckte Tisch in den Tavernen oder der Hafen, der durch die gerade erst von den Schiffen entladenden Kisten aus allen Nähten platzt. Sie wissen mittlerweile wie man eine lebendige Welt zu zeichnen hat!

Doch eine der Hauptfragen ist, besonders seit Dragon Age Inquisition, ob es auch gelingt, diese sehr liebevoll gezeichnete Welt mit vernünftigen Inhalten zu füllen, ohne, dass man dutzende Sammelquests nachjagen muss oder eine riesige Welt hat, in der jedoch nur wenig passiert. Auch hier punktet CD Projekt Red wieder gekonnt. Nicht nur, dass man auf simple Sammelquest verzichtet, sondern jede Quest, egal ob Haupt- oder Nebenaufgabe, wird mit einer solchen Liebe gestaltet, wie man sie noch nicht gesehen hat. Jede Quest erzählt ihre eigene Geschichte und ist dazu super geschrieben. Die Quests sind dazu meist mehrstufig aufgebaut, so dass es sich nie danach anfühlt, als würde man jetzt die einzelnen Aufgaben abarbeiten.

Einzig nach Abarbeiten fühlen sich manchmal die vielen Fragezeichen auf der Karte an, die uns damit zeigen wollen, dass dort ein interessanter Ort zu besuchen ist. Denn Fragezeichen gibt es viele! Die Informationen, wo ein interessanter Ort ist, den man besuchen sollte, bekommt man unter anderen von den Bewohnern der Welt, die entweder Aushänge aufhängen oder sich auch gerne mal über besondere Geschehnisse unterhalten, die, wenn man genauer hinhört, auch für den ein oder anderen netten Fund sorgen werden. Zum Beispiel unterhalten sich zwei Dorffrauen darüber, dass durch die Gegend schon mal ein Hexer gewandert ist, der leider beim Erfüllen seiner Aufgabe nicht erfolgreich war und kurz darauf vom hiesigen Pöbel ermordet wurde. Seinen Leiche hatte man in einer Krypta begraben. Ein schöner Hinweis darauf, dass man sich die hiesige Krypta mal genauer anschauen sollte, denn vielleicht findet man dort den einen oder anderen wichtigen Gegenstand und genau so kommt es einige Zeit später als man die Krypta gefunden hat. Nachdem man sich seines Beschützers erledigt hat, wird man umgehend fündig. Genau so wird diese Welt lebendig! Es lohnt sich also nicht nur stumpf von Ort A zu Ort B zu reisen, sondern auch mal den Bewohnern zuzuhören, denn sie haben oft etwas Interessantes zu erzählen.

Dazu hat man in The Witcher 3 einige, vermutlich eher gezielte, Zufallsbegegnungen, auf die man auf seiner Reise durch die Welt des Hexers stoßen kann. Diese meist kompakten Quests sind dabei aber nicht weniger uninteressant. So bietet uns eine Dame am Seitenrand einen zerstörten Schrein wiederaufzubauen und dabei entwickelt sich ein interessantes Gespräch über Religion.

Allgemein werden in The Witcher 3 viele wichtige Themen besprochen, die auch an Aktualität nie verloren haben. Sei es Rassissmus, Seximus oder der Mensch an sich und wie er mit seiner Umwelt verfährt. Viele interessante Themen und eine schwarz/weiß Zeichnung gibt es nicht, denn die Hexer-Welt ist grau und nicht schwarz-weiß. Ein weiterer Pluspunkt, der sich gerade bei Entscheidungen bemerkbar und genau diese so schwierig macht. Denn stets kann man die Beweggründe nachvollziehen und genau das macht es so spannend.

Genauso spannend ist die Hauptgeschichte, die in The Witcher 3 erzählt wird und die überraschenderweise sehr gut in die offene Welt eingebunden ist. Natürlich muss man sich die Hauptgeschichte „abholen“, d.h. ihr werdet nicht wie sonst auf Schienen durch die Welt geführt, aber die Geschichte, die sich hier über etliche Stunden entfaltet und sich mit so vielen Facetten beschäftigt, ist wieder so packend geschrieben und so verzweigt, dass auch ein erneutes Durchspielen definitiv möglich ist. Denn in The Witcher 3 erwarten uns 36 Enden, die es zu entdecken gilt. Wobei, so ehrlich muss man an dieser Stelle auch sein, es insgesamt nur drei unterschiedliche Hauptenden gibt, die sich jedoch in Nuancen unterscheiden, wodurch eure eigene Hexer-Geschichte entsteht!

In The Witcher 3 könnt ihr viele Dinge entstehen lassen, denn das Crafting ist sehr umfassend. Es gibt keinen Gegenstand, der nicht irgendeinen Zweck im Crafting erfüllen kann. Denn neben den vielen Craftingmaterialien, die man auf seiner Reise finden kann, ist es ebenfalls möglich, alle Gegenstände im Spiel zu zerlegen und so noch das ein oder andere sinnvolle Material rauszuholen, um sich die nächste Rüstung, das nächste Schwert oder die nächste Armbrust zu craften. Es ist auf jeden Fall nicht von der Hand zu weisen, dass sich CD Projekt Red hier viel Mühe gegeben hat und das wird mit einem sehr umfassenden Craftingsystem belohnt. Die Schatzsuche nach neuen Schemas ist dabei genauso anspornend, wie das Glücksgefühl am Ende die frisch gefundene Rüstung nach einem kleinen Craftingaufwand endlich anziehen zu können.

Ebenfalls anspornend sind die vielen Hexeraufträge, die auf euch erwarten. Hier schleicht sich jedoch etwas Monotonie ein. Denn jeder Hexerauftrag beginnt im Grunde gleich. Nach der Verhandlung mit dem Auftraggeber über den fälligen Lohn befragt man alle Personen, nach dem Monster bzw. dem Vorfall, geht dann zur entsprechenden Stelle und sucht mit seinen Hexersinnen nach entsprechenden Spuren und folgt diesen bis man das Monster entdeckt hat. Nachdem man das Monster entdeckt hat, bereitet man sich vor und erledigt es. Aber dafür gibt es in den einzelnen Aufträgen hier und da auch mal eine kleine Abwandlung, aber im Großen und Ganzen bleiben diese Quests immer gleich. Wirklich störend ist es nicht, aber etwas mehr Abwechslung bei den Hexeraufträgen, hätte dem gut getan.

Ebenfalls etwas unbedacht finde ich die Entscheidung, dass man für Quests, die sechs Stufen unter einem liegen keine Erfahrung mehr bekommt. Dadurch wird man, wenn man entsprechend hochleveln möchte, schon in eine gewisse Reihenfolge gedrückt und dazu angehalten, erst mal die vielen niedrigstufigen Nebenquests abzuarbeiten. Gerade später, wenn man einiges im Level gestiegen ist, merkt man, dass hier die Quests fehlen. Gerade ab Level 30 gehen einem schnell die möglichen Aufgaben aus. Aber man muss dazu erwähnen, dass man zu dem Zeitpunkt bereits rund 100 Stunden in der Welt des Hexers verbracht hat. Für Inhalt ist demnach gesorgt!

Natürlich gibt es auch wieder ein paar Bugs, derer sich CD Projekt Red aktuell auch noch annehmen muss, bzw. annimmt. Bugs bleiben bei einem solchen Mammutprojekt aber nie aus. Aber einen wirklichen Gamebreaker gibt es hier nicht, sprich einen Bug, der es verhindert das Spiel weiterzuspielen. Es sind meist kleinere Fehler, die einen kurz stören aber schnell wieder in Vergessenheit geraten. Wie z.B. dass es mit viel Pech passieren kann, dass man im Sumpf in ein Lücke fällt, wo man nicht mehr herauskommt oder dass man beim Kämpfen an Gegenständen hängen bleibt, über die man sonst normal drüberlaufen könnte. Ich empfehle Kämpfe auf Treppen zu vermeiden! Ein eher offensichtliches Problem sind die sehr stark wackelnden Bäume, die meist eher für ein Lacher sorgen, wenn man bedenkt, was für ein Wind teilweise dort wehen muss. Dann fragt man sich, wie die Strohdächer so unberührt bleiben können. Da sollte CD Projekt Red definitiv etwas zurückfahren.

Eine kleine Überraschung sei an dieser Stelle aber auch mal erwähnt, denn das kleine Kartenspiel „Gwint“ entpuppt sich als ebenso packendes Spiel, wie The Witcher 3 selbst. Während des Tutorials wird man schnell in das kleine Kartenspiel, dass gefühlt die ganze Hexer-Welt begeistert, eingeführt. Wer Kartenspiele wie Magic The Gathering oder das Kartenspiel von Blizzard namens Hearthstone kennt, der weiß ungefähr was einen hier erwartet. Woraus andere Entwickler ein eigenes Spiel machen würden, wird hier zum kleinen Zeitvertreib in die Welt des Hexers eingepflegt und nicht selten erwischt man sich dabei, wie man statt den vielen Quests nachzugehen oder die gigantische Welt zu erkunden, in der nächsten Taverne sitzt, um mit den örtlichen Profi-Spielern Gwint eine Runde nach der anderen zu spielen. Denn Gwint ist ein sehr taktisches Kartenspiel, dass einen dank der vielen Möglichkeiten stets bei Laune hält. Natürlich wird hier auch direkt wieder der Sammeltrieb gepackt, denn das beste Deck bekommt man nur, wenn man gegen wichtige Gwint-Spieler antritt und gewinnt. Und um das zu schaffen, braucht man erst mal ein gutes Basisdeck, dass man sich in der Welt des Hexers in etlichen Tavernen und bei etlichen Kaufmännern zusammensucht. Wenn ihr also durch die nächste Taverne streift, dann haltet ein um eine Runde Gwint zu spielen und es wird definitiv nicht die Letzte sein!

Fazit:
Mit The Witcher 3 hat sich CD Projekt Red ein Merkmal gesetzt und etlichen bekannten Größen der Rollenspielszene gezeigt, wie ein modernes Open World Spiel auszusehen hat und dass man dabei nicht auf eine packende Haupthandlung verzichten muss! Trotz kleiner Fehler erwartet euch hier ein Meisterwerk, dem sich jeder Rollenspiel-Fan stellen sollte!

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