Im Test: Shadow Warrior 2 (PC)

Flying Wild Hog belebten 2013 die Shadow Warrior IP wieder und lieferten damit einen absoluten Geheimtipp ab. Drei Jahre später erscheint nun der direkte Nachfolger und statt sich auf Altbewährtes zu verlassen, kommt das polnische Studio aus der eigenen Komfortzone und versucht einiges neues. Ob das Experiment geklappt hat, erfahrt ihr bei uns im Test.

Nach den Ereignissen des Vorgängers liegt die Welt im Chaos. Dämonen bevölkern das Land, während die Menschen immer mehr in hochmodernen Städten ziehen, in denen sie unter dem Schutz und der Beobachtung von Zilla Enterprise stehen.

Für unseren Protagonisten Lo Wang hingegen hat sich nicht viel verändert. Er hat immer noch ein loses Mundwerk und macht jeden Job, solange er etwas töten kann und die Kohle stimmt. Doch als er eines Tages die Enkelin einer lokalen Yakuza Anführerin, aus einem Labor von Zilla befreien soll, geht alles schief und Wang muss sich einer alten Bedrohung stellen.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, hat sich einiges seit dem Reboot getan. So wurde das FPS Grundgerüst mit etlichen Elementen erweitert, die wir aus Action RPGs kennen. Nebenmissionen, Belohnungen, ein Upgrade und Mod-System für Waffen und Attribute und sogar die Möglichkeit das komplette Spiel im 4er Online Co-Op durchzuspielen, lässt die Serie näher an Diablo rücken.

Hinzukommen zufallsgenerierte Level, die teils sehr weitläufig aufgebaut sind. Hierbei wird aber nicht alles dem Zufall überlassen, sondern das Spiel greift auf handgemachte Sets zu, die nach einem Baukastenprinzip zusammengesetzt werden. Diese Sets sind zwar alle recht hübsch anzusehen, bieten aber spätestens nach dem dritten Besuch nicht mehr wirklich viel an Überraschungen.

Was aber überrascht, ist die Verschmelzung der verschiedenen Genres. Während bei anderen Vertretern die Shooter Mechaniken öfters unter den RPG Einflüssen leiden, liefert Shadow Warrior 2 hier immer noch einen großartigen Ego-Shooter ab.

Gerade das gute Trefferfeedback leistet da seinen Teil bei, da alles was man an Schadenszahlen sieht, auch visuell umgesetzt wird. Gegner werden zurückgestoßen, verlieren Körperteile nach einem Schwerthieb, großkalibrige Munition sorgt für Einschusslöcher, die verschiedenen Elemente vergiften, elektrisieren, erfrieren, oder verbrennen und auch das leidige Bullet-Sponge Phänomen ist hier glücklicherweise auf ein Minimum reduziert.

Damit man aber überhaupt zur Tötungsmaschine wird, braucht man Waffen und davon gibt es 71 Stück von, die so gut wie alles abdecken und großartig designt sind. Dabei sei aber gesagt, dass diese im Spiel komplett einzigartig sind und nicht ein zweites mal droppen können. Von der normalen, doppelläufigen Schrotflinte wird man also keine bessere Variante zu Gesicht bekommen.

Dies ist vor allem in späteren Durchgängen eine kräftige Motivationsbremse, denn zwar kriegt man ständig Upgrades und Mods, mit denen wir das Arsenal und uns auch stetig verbessern können, aber an das Gefühl einer besseren Waffe kommt es dann doch nicht ran.

Die Upgrades kann man, wie bereits erwähnt, nutzen um Waffen und auch Wang selber aufzuwerten. Das geht vom erhöhten Schadenswerten, bis hin zu ausgefallenen Mods, die z.B. aus einem Raketenwerfer eine Selbstschussanlage machen können. Bei Wang’s eigenen Upgrade und Skill Möglichkeiten sieht es da etwas traditioneller aus, wenn auch nicht minder tiefgreifender, da wir so gut wie jeden Attribut und jede Fähigkeit weiter verbessern können, bis man irgendwann zum perfekten Ninja geworden ist.

Fazit:
Mit Shadow Warrior 2 wagen Flying Wild Hog einen mutigen Schritt nach vorne und dürfen sich dafür Lob abholen. Das Upgrade- und Skill-System bietet einiges an Variationen, der Umfang ist beachtlich und trotz allen Rollenspiel Zutaten, kann sich das Kern-Gameplay mit einem Doom messen. Luft nach oben bleibt aber dennoch, gerade wenn es um die Spielerfahrung abseits des ersten Durchgangs geht, da es dem Spiel noch wirklich an ernstzunehmenden Endgame Inhalten fehlt. Die motivierende Jagd nach neuen Waffen ist zu schnell vorbei und auch die Frische der zufallsgenerierten Level ist spätestens nach dem ersten durchspielen verflogen. Spätere Content-Patches könnten aber noch Wunder bewirken. Nichtsdestotrotz bietet das Spiel auch im aktuellen Zustand ein hochwertiges Gesamtpaket, mit etlichen Stunden Umfang an, welches nebenbei mit einem Preis von 36,99€ günstiger als mancher Season Pass ist.

Shadow Warrior 2 ist seit dem 13. Oktober digital auf Steam und GOG erhältlich. Eine PS4 und Xbox One Version erscheint laut Entwickler voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2017.