Im Test: Robinson – The Journey (PSVR)

Die Technikasse von Crytek wagen in Zusammenarbeit mit Sony ihr erstes VR-Projekt und interpretieren Daniel Dafoes Roman über den gestrandeten Robinson neu. Als erster großer Singleplayer-Vollpreis-Titel für PSVR sind die Erwartungen an Robinson: The Journey entsprechend hoch. Im Test erfahrt ihr, ob sich die Investition lohnt.

Bereits mit ihrem Erstlingswerk Far Cry hatten die Entwickler von Crytek einen Schiffsbrüchigen auf eine nicht-ganz-so-einsame Insel geschickt. Für diese Neuinterpretation des Klassikers musste etwas Größeres, Epischeres her. Der junge Robin crasht mit seiner Rettungskapel also gleich auf einem fremden Planeten. Um die Brücke zwischen der Geschichte von Robinson Crusoe und der Raumfahrt elegant zu schlagen, lernt unser unfreiwillige Abenteurer zu Beginn nicht Freitag, sondern den Jungdinosaurier Laika kennen. Zusammen mit der schwebenden KI-Einheit des Schiffs ist unser Erkundungstrio auch schon komplett.

Eingerichtet hat sich Robin schon. Ein Survival-Game darf man hier nicht erwarten. In unserem Basiscamp fangen wir aus Jux Fische, werfen paar Körbe, spielen mit unserer kleinen Tyrannosaurus-Freundin Verstecken oder locken sie durch einen Slalomparkour. Das ist unheimlich belanglos und langweilig, dient allenfalls als zweckmäßiges Tutorial für die Steuerung. Die Reise beginnt, als wir eine weitere, allerdings weitestgehend zerstörte Schiffs-KI finden, die uns Aufschluss über die Expedition gibt, der Robin angehörte, und Hoffnung auf weitere Überlebende macht.

Wir verlassen also unsere neue Heimat und begeben uns in unerforschte Gebiete des Planeten. Und in dieser bildschönen, unberührten Natur voller Fantasie zwischen Jurazeit und Science-Fiction spiegelt sich sogleich der Nostalgiker und das Kind der 90er mit Liebe für Dinos in mir wider. Riesige, dichte Wälder mit exotischen Pilzen und Früchten beherbergen flinke, angriffslustige Raptoren, in einer weit ausgedehnten Teergrube stampft eine mächtige Stampede bestehend aus langhalsigen Brachiosauren tiefe Fußstapfen in den Boden und in der Ferne hören wir Kreische des ikonischen Königs der Saurier.

Crytek inszeniert hier mit einem atemberaubenden Art Design, stimmungsvoller Akustik und einer effektreichen Grafik, die bislang die Speerspitze der PSVR-Erfahrungen darstellt, eine Atmosphäre, in der man gerne versinkt. Mit der PS4 Pro erhält die Technik noch den letzten Feinschliff und beeindruckt uns mit deutlich erhöhter Schärfe, die die Immersion weiter steigert.

Etwas schade, dass das Abenteuer in dieser prachtvollen Welt ständig von lahmen Spielmechaniken begleitet wird. Anstatt enger mit der prähistorischen Fauna zu interagieren, bearbeiten wir simple Minispiele und anstatt die Umwelt zu bestaunen, scannen wir – mit einem ebenfalls drögen Minigame – jede Kakerlake und jeden Schmetterling für die Datenbank, was uns etwas aus der Spielwelt reißt.

Höhepunkte sind hier definitiv die Auseinandersetzungen mit den Dinosauriern. Es ist ein nie dagewesener Nervenkitzel sich vor einem Rudel Jägern zu verstecken, während man dank der VR-Technik vorsichtig um die Ecke blickt. Trotz der Komplexität der Steuerung bleiben solche Passagen aber spielerisch sehr blass. Wir können allerlei Objekte aufheben, werfen, wir geben Laika unterschiedliche Befehle und können ihr sogar Tricks beibringen, wir klettern und hangeln uns über Abgründe, aber wir kratzen all diese Möglichkeiten für ein variantenreiches Gameplay nur an. Ein, zwei Mal lassen wir Laika einen Dino anbrüllen und gegen Ende des Spiels stößt sie uns ein einziges Mal eine Batterie um, die wir anders nicht erreichen konnten, und das war es mit interessanten Umgebungsrätseln, die so viel mehr Raum für kooperative Mechaniken bieten würden.

Vielleicht liegt das begrenzte Gameplay am geringen Umfang. Nach vier bis maximal fünf Stunden ist das Abenteuer auch schon wieder vorbei. Und da hat man auch bereits die optionalen Inhalte in der frei begehbaren Umgebung abgeklappert. Der Wiederspielwert ist auch kaum vorhanden. Das Spiel lebt vom Erkundungsgefühl und das stellt sich beim zweiten Durchgang kaum noch ein.

Die Steuerung funktioniert größtenteils, kann aber manchmal auch frustrieren, wenn es darum geht Objekte exakt zu platzieren. Überhaupt wirkt die Steuerung wie ein notwendiger Kompromiss. Robin trägt dauerhaft ein stabförmiges Gerät bei sich, mit dem er die meisten Aktionen ausführt, das sehr stark an den Move Controller erinnert. Move Controller werden hier aber nicht unterstützt – vermutlich, weil die Charakterbewegung ohne Analogstick schwierig umzusetzen ist – und so zielen wir per Headtracking mit dem virtuellen Move-Stick. Einer intuitiven Steuerung fehlt es hier leider an sinnvollen Bedienkonzepten.

Das Spiel bietet die üblichen VR-Komfortoptionen wie diskrete horizontale Bewegungen, um Motion Sickness zu vermeiden, bei Spielen mit freier Bewegung ist aber generell Vorsicht geboten. Eine Demo gibt es nicht. Wer aber andere Spiele mit freier Bewegung generell nicht verträgt, wird auch hier voraussichtlich unter einem flauen Magen leiden.

Fazit:
Am Ende bleiben gemischte Gefühle. Das Art Design von Robinson: The Journey ist grandios. Die Detaildichte dieser fantastischen Welt, ihrer Bewohner und der Weltraumwracks ist in VR-Umgebungen unerreicht. Dieser Planet lebt und wir sind mittendrin. Aber das Potenzial blitzt nur bei wenigen, kleinen Höhepunkten auf. Letztendlich bleibt die Inszenierung der Geschichte zu flach, zu seicht. Die Szenen sind zu banal, um mitreißend zu sein. Schwierig zu sagen, ob der Titel den Vollpreis wert ist. Früher oder später darf man aber gerne auf diesem faszinierenden Planeten notlanden.

(getestet von eape)