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Im Test: Persona 5 Royal (PS4)

Atlus landete mit Persona 5 einen Tophit. Für das japanische Rollenspiel regnete es Höchstwertungen, die das Spiel in den ewigen Olymp der Videospiele beförderten. Zufrieden gaben sich die Entwickler dennoch nicht. Mit Persona 5 Royal soll jetzt Perfektion perfektioniert werden. Die überarbeitete Fassung lockt mit neuen Inhalten und Detailverbesserungen. Kann das Spiel noch besser werden? Wir kehrten zurück in den verrückten Schulalltag und beantworten die Frage für euch in unserem Test.

Der Ausdruck style over substance beschreibt tadelnd oberflächliche Stärken, die mangelnden Inhalt kaschieren. Bei der Persona-Reihe ist das kaum nötig. Seit dem dritten Ableger fanden die Entwickler eine gesunde Mischung aus Highschool Simulation und traditionellem japanischen Rollenspiel, gepaart mit einer originellen und abgedrehten Mystery-Story. Den Erfolg hat das dedizierte Team P-Studio aber nicht zuletzt äußerlichen Argumenten zu verdanken. Die Persona-Reihe ist seit der Neuausrichtung bekannt für einen schnittigen, unverkennbaren Artstyle. Den dreidimensionalen Animelook ergänzen glatt gebügelte 2D-Strukturen und comichafte Effekte und Silhouetten. Alles wirkt wie aus einem Guss, alles fließt ineinander bis auch der versteckteste Menüpunkt zum ästhetischen Hochgenuss wird.

Und als wäre das nicht genug, überzeugt zusätzlich ein mächtiger Soundtrack, der in Persona 5 aus eigenproduzierten Jazz- Chillout- und Poptracks besteht, der gerne aufdreht und uns dann wieder entspannt, der subtil das Szenario untermalt oder zum Mitsingen einlädt. Und während schon die Originalversion Musikauszeichnungen für sich gewinnen konnte, trumpft Royal noch mit knapp dreißig zusätzlichen Songs auf, die direkt ins Ohr gehen. Hier wird jeder mehrere musikalische Leckerbissen für sich finden.

Aber auch wenn Äußerlichkeiten hier längst nicht nur ein Vehikel für spielerische Inhalte sind, sondern sich selbstbewusst in den Vordergrund drängen, schauen wir uns neugierig an, was Persona 5 Royal unter der Haube zu bieten hat.

Persona 5 hat seine klassischen Momente. Wir verfolgen die Geschichte mehrerer Schüler, die sich gegen korrupte und gewissenlose Erwachsene als Phantom Thieves auflehnen. Dabei infiltrieren wir die manifestierten Wahnbilder von kriminellen Mafiabossen und missbrauchenden Lehrern, konfrontieren ihre tiefsten Sehnsüchte und bewirken so eine Änderung in ihrem Herzen, die sie zu besseren Menschen macht. Natürlich spinnt sich diese Geschichte zu größeren Mysterien und spannenden Machtkämpfen und Rivalitäten. Die erweiterte Royal-Version legt hier noch eine Schippe drauf und führt nach der Hauptstory eine neue interessante Bedrohung mit einer Garde an neuen liebenswürdigen Charakteren ein. Dabei wird das hohe Niveau der Geschichte nicht nur gehalten, das neue Partymitglied Kasumi bringt als Gymnastin Schwung in die Party und der Schulpsychiater Maruki wertet die Nebengeschichten mit psychologischen und philosophischen Betrachtungen auf.

Recht traditionell gibt sich das Kerngameplay. Wir steuern unsere Party durch unterschiedlich thematisierte Dungeons, durch Schlösser, Schiffe und Casinos, lösen Rätsel um an versteckte Schätze zu kommen und besiegen mehrphasige Bossmonster. Neben dem bekannten Charaktermanagement, gegeben durch die Ausrüstung und Level-Ups, beschwören wir pro Charakter ein oder mehrere titelgebende Personas, die für uns kämpfen. So können wir mit unseren Schulkameraden zwar auch mit Nahkampfwaffen und Knarren den Gegnern einheizen, die taktische Vielfalt kommt aber durch die sehr umfangreichen physischen Angriffe, Magieattacken und Unterstützungszauber. Zusätzlich bietet das Spiel eine Menge an Teamaktionen, die das rundenbasierte Kampfsystem dynamisch und stilvoll gestalten. Royal erweitert dabei die Möglichkeiten immens und ergänzt nicht nur strategische Optionen, sondern lässt mit neuen Kampfanimationen auch das Animeherz höher schlagen.

Aber obwohl diese Traumwelten mit ihrem Fokus auf actionreiche Rollenspielkost zentraler Bestandteil des Spiels sind, nehmen sie letztendlich einen relativ kleinen Teil des Spiels ein. Die meiste Zeit erkunden wir als Highschool-Schüler Tokyo. Wir lernen neue Menschen kennen oder vertiefen unsere Beziehung zu unseren Freunden, wir besuchen die zahlreichen Restaurants in Shibuya oder verdienen etwas Geld mit einem Nebenjob in den lokalen Geschäften. Wir können Dart oder Baseball spielen, für die Schule lernen oder entspannt vor dem Fernseher sitzen. Es gibt unendlich viele Optionen seine Zeit zu verbringen und da jede Aktion Zeit kostet, muss man mit ihr sinnvoll haushalten. Dabei erleben wir nicht nur kleine Geschichten, sondern erhöhen auch unsere sozialen Stärken und unsere Kampfkraft. Mit zusätzlichen Distrikten, Charakteren und Minispielen bietet Persona 5 Royal noch mehr Abwechslung als das Hauptspiel – und damit man auch alles ausprobieren kann, erweitert diese überarbeitete Fassung das Spiel mit einem zusätzlichen Semester.

Dieser ziemlich unaufregende Alltag eines Schülers wird nicht jeden Spieler gleichermaßen fesseln. Oft steht die übergeordnete Geschichte still und man verbringt mehrere Ingame-Wochen und reale Stunden damit, belanglosen Freizeitbeschäftigungen nachzugehen. Das führt hin und wieder zu humorvollen und skurrilen Situationen, nutzt sich aber irgendwann leider auch ab. Ein Faible für Life Sims oder zumindest eine gewisse Toleranz für träges Gameplay sollte man also mitbringen, damit man nicht das Spiel frühzeitig beiseite legt und so die wahren Höhen verpasst.

Die Frage, die sich viele Fans stellen werden, ob sich die Rückkehr zu Persona 5 mit Royal lohnt. Immerhin war schon die Vanilla-Version ein Umfangmonster mit einer Spielzeit von weit über 100 Stunden und Royal verlängert sie Story um ein gutes Stück. Glücklicherweise profitiert das Spiel auch schon vor dem neuen dritten Semester mit zahlreichen kleinen und etwas größeren Änderungen, alles ist bequemer und immer wieder kommt es zu angenehmen Überraschungen im Gameplay und neue Szenen wecken die Aufmerksamkeit regelmäßig auf, auch wenn man den großen Plot bereits kennt. Wenn man also Persona 5 vor fast vier Jahren zum Erstrelease gespielt hat, wird einem mit Royal so schnell nicht langweilig. Wer erst vor Kurzem Persona 5 nachgeholt hat, sollte vielleicht noch eine kurze Pause einlegen, bevor eine Übersättigung eintritt. Neueinsteiger hingegen erhalten mit Royal ein riesiges japanisches Rollenspiel, das keine Wünsche offen lässt und sich zu den Spitzen des Genres gesellen darf. Die neuen Inhalte von Royal fügen sich auch sehr natürlich ein und machen Persona 5 zum geschliffenen Diamanten der Reihe.

Fazit:
Persona 5 zählt nicht umsonst zu den besten JRPGs dieser Generation und der Videospielgeschichte. Der Stil ist unverkennbar und bereitet mit seiner virtuosen Ästhetik allein beim Zusehen Freude. Aber auch inhaltlich kann Persona 5 mit einer spannenden Mystery-Story und einem ausgefeilten, erprobten Kampfsystem punkten. Der Schulalltag hat seine Höhen und Tiefen, wird dem einen Spieler ein Gähnen entlocken und dem anderen den ersehnten Kontrast zum Actiongameplay bieten, zweifelsfrei wird er mit der überarbeiteten Fassung Persona 5 Royal aber wie auch jedes andere Element des Spiels sinnvoll ergänzt. Mit einem gänzlich neuen Semester inklusive neuen Charakteren und Bedrohungen werden auch Kenner der Erstauflage den Weg zurück in die Schule suchen. Persona 5 Royal ist ein Muss für Fans japanischer Rollenspiele und der vielleicht beste Einstieg dieser Generation in dieses langlebige Genre.

(getestet von eape)

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