Im Test: Operation Abyss: New Tokyo Legacy (Vita)

Mit Demon Gaze lieferte das Entwicklerteam Experience Inc. einen humorvollen Dungeon Crawler ab. Wer das Genre damit kennen und lieben gelernt hat, kann sich jetzt auf das nächste PSVita-Spiel der Macher freuen. Hier erfahrt ihr alles über das japanische SciFi-Abenteuer Operation Abyss: New Tokyo Legacy.

Wir erwachen in einem dunklen Raum. Das Letzte, an das wir uns erinnern können, bevor wir in diesem schmutzig-braunen Metallgemäuer landeten, ist der Rückweg von der Schule nach Hause. Verwirrt untersuchen wir den Boden und entdecken zwei noch warme, zerstückelte Leichen. Viel Zeit für Erschütterung bleibt nicht, denn aus einer dunklen Ecke tritt ein mysteriöser Mann an uns heran und will uns zur Flucht verhelfen. Zombieartige Monster greifen an und wir rennen ziellos durch den heruntergekommen Gebäudekomplex. Auf dem Weg rettet uns noch ein taffes Mädel vor einem riesigen Krokodil. Wenig später stellt sie sich als Anführerin des Xth Squads heraus, einer geheimen Organisation, die die Variants, sprich bösartige Monster, bekämpft. Wir und ein paar andere Schüler sind die neuen Rekruten.

Das Abenteuer beginnt etwas cheesy, aber nicht uninteressant und lockert das typisch steife Crawler-Gameplay mit einer Prise Humor und einer großen Portion Mystery angenehm auf.

Nachdem man in der versteckten Akademie mit allerlei Huntergrundinformationen und Fachbegriffen erschlagen wurde, darf man mit der voreingestellten Party losziehen oder sich seine eigenen Squad-Mitglieder aussuchen. Je nachdem, ob man sich bei Spielstart für den Basic oder den Classic Mode entscheidet, wählt man aus bestehenden Charakteren oder kann im Editor das Aussehen seines Teams bis ins kleinste Detail festlegen. Es bleibt aber nicht nur bei der Optik. Auch der Name, das Alter, die Stimme, Klasse, Gesinnung, Charakter und die Attribute lassen sich von euch frei bestimmen. Das Spiel bietet zahlreiche Optionen zur Individualisierung.

Wir kennen es von den Japanern nicht anders. Kaum ist der Prolog beendet, muss man sich langsam oder besser zügig an die Mechaniken heranwagen. Es ist mühsam sich mit den etlichen Menüs und Untermenüs vertraut zu machen. Klickt man im Hauptquartier auf beispielsweise das Med oder Research Lab, öffnen sich zunächst fünf bis zehn weitere kryptische Optionen, die dann zu unzähligen Zahlen, Werten und undurchsichtigen Abkürzungen führen. Gelegenheitsspieler werden hier schnell abgeschreckt, Freunde von hoher Komplexität bei Rollenspielen werden sich bei all den Mechaniken voller Vorfreude die Hände reiben.

Die Party ist zusammengestellt, die Menüs wurden vorsichtig durchgeklickt und die erste Mission ist angenommen. Der erste Dungeon kann nun endlich in Angriff genommen werden.

Das Genre wird Höhlen und Verliesen nicht neu erfunden. Wir bewegen uns blockweise auf den teilweise sehr großen, offenen Spielbrettern fort, bestreiten regelmäßig rundenbasierte Zufallskämpfe und lösen eine Menge Umgebungsrätsel unter verschiedenen Bedingungen. Versteckte Passagen und Fallen sind wie immer nur der Anfang und es dauert nicht lange bis dem Dungeondesign einige Gehirnzellen und Nerven zum Opfer fallen. (Und das ist eine Untertreibung. Das Spiel ist eiskalt und steinhart.)

Fazit:
Japanische Dungeon Crawler-Rollenspiele sind eine Nische in einer Nische und während der Nintendo 3DS mit qualitativ hochwertigen Genrevertretern wie Etrian Odyssey und Persona Q versorgt wird, musste der Handheld von Sony lange auf ähnliche Spiele warten. Demon Gaze war ein gelungener Vita-Auftakt und Operation Abyss wird trotz seines offensichtlichen geringen Budgets mit seinen verworrenen Dungeons und der hohen Komplexität in der Charakterentwicklung Genrefans freuen und fordern. Genreneulingen sei hingegen zum mittlerweile günstig verfügbaren Demon Gaze geraten.

(getestet von eape)