Im Test: Not A Hero (PS4)

Die Schöpfer des Indie-Hits OlliOlli legen das Skateboard beiseite und greifen zur Schrotflinte. Zusammen mit Devolver Digital veröffentlicht das britische Entwicklerstudio Roll7 eine rasante 2D-Ballerorgie für PC und PS4, die erfrischend viel mit dem Skating-Game gemein hat. Wie das zusammenpasst und ob Not A Hero an die Erfolge des Studios anknüpfen kann, lest ihr bei uns im Test.

Es begrüßt uns der pixelige BunnyLord, halb Hase, halb Politiker. Und als Politiker will er nur das Beste für sein Volk, aber dafür braucht es die Weltherrschaft. Notfalls mit Gewalt. Also beauftragt er mehr oder minder professionelle Auftragskiller, die in seinem Namen kriminelle Strippenzieher eliminieren. Dann regnet es Wahlstimmen für den BunnyLord und vielleicht reicht es so für die Weltherrschaft. Oder wenigstens das Amt des Königs von England.

Der Weg ist das Ziel und jeder fängt mal klein an. Also wählen wir nach dem humorvollen Einstieg den einzigen verfügbaren Charakter, den bärtigen Steve, und legen los.

Auf den ersten Blick präsentiert sich Not A Hero wie ein klassischer, pixeliger 2D-Sidescroller. Wir bewegen uns auf übersichtlichen Karten vorwiegend in Gebäuden hin und her und rauf und runter und dezimieren dabei die russische Mafia und Drogensyndikate.

Interessant wird das Ganze durch die Geschwindigkeit, in der sich das Actionfest abspielt. Mit einem Knopfdruck sliden wir auf dem Boden, weichen Kugeln aus und gehen automatisch bei der nächsten Gelegenheit in Deckung. Treffen wir dabei einen Gegner, wird er kurz ausgeknockt und lässt sich auf unmittelbare Distanz exekutieren. Das führt zu rasanter, dynamisch-strategischer Covershooter-Slide’n’Gun-Action, die in ihrer präzisen und brutalen Choreographie zu einer Symbiose aus OlliOlli und Hotline Miami verschmilzt.

Der erste Gegner wird umgestoßen, der eiskalte Schuss aus der Knarre lässt vom Kopf nicht mehr viel übrig, alarmiert aber auch die Gegner aus dem Nebenraum. Ehe wir uns versehen, pustet uns ein Gangster mit der Shotgun durch das Fenster ins Nachbargebäude. Wir rollen uns gekonnt ab und gehen in der Türschwelle in Deckung. Während von beiden Seiten die Angreifer auf uns zustürmen, hinterlassen wir als Abschiedsgeschenk für unsere neuen Freunde eine Mine und hauen durch die Tür ins nächste Stockwerk ab.

Von Situationen wie diesen lebt das Spiel. Wie bei OlliOlli reicht es den Profis nicht das jeweilige Level abzuschließen. Es müssen auch noch die drei Aufgaben pro Mission erfüllt werden, um BunnyLords PR zu pushen. Und wenn der machthungrige Hase von uns fordert nebenbei noch innerhalb weniger Sekunden Reporter zu treffen und Tötungsserien abzuschließen, bleibt uns gar nichts anderes übrig als stilvoll und treffsicher durch die Gegnerhorden zu pflügen.

In den 21 Missionen (plus Bonusmissionen) stehen uns dafür nicht nur unterschiedliche Charaktere mit ihren Spezialfertigkeiten zur Verfügung, es können auch Sekundärwaffen und PowerUps eingesammelt werden, die uns das Leben gegen Kleinkriminelle, Ninjas und SWAT-Teams erleichtern

Leicht wird es dadurch aber nie. Das Spiel ist nicht nur überzogen brutal, sondern auch brutal schwer. Wer sein Vorgehen nicht plant, situativ anpasst und Geschicklichkeit und flinke Reflexe beweist, wird BunnyLords Wahlkampagne vermutlich nie bis zum Ende unterstützen können.

Fazit:
Wow, das geht ab. Wenn man erst einmal im Flow ist, lässt einen dieses süchtig machende Spielprinzip zwischen 2D-Shooter und Geschicklichkeitsgame nicht so schnell wieder los. Im humorvoll überzogenen Blutrausch motivieren die herausfordernden Sekundäraufgaben genug, das Töten über Stunden zu perfektionieren. Fans rasanter Action greifen zu. Meine Stimme hat BunnyLord!

(getestet von eape)