Im Test: Hyper Light Drifter (PC, PS4, XBOX One)

Hyper Light Drifter startete als ambitionierte Kickstarter-Kampagne des neu gegründeten Studios Heart Machine. Versprochen wurde uns ein Action-Rollenspiel mit dem Charme der 8- und 16bit-Ära und modernisiertem Gameplay. Ob dieser Ehrgeiz, der nach The Legend of Zelda schreit, erfüllt werden konnte, erfahrt ihr bei uns im Test.

In kräftigen Rottönen beginnt die Geschichte des Hyper Light Drifters. In Bächen aus Knochen und Blut stellt er sich dunklen Mächten entgegen und unter grell-violetten Blitzen fallen die furchterregenden Titanen. Der pixelige Held greift sich ans Herz, denn dieser Triumph ist nur temporär. Dissonante Synthieklänge überzeugen uns davon, dass hier noch kein Ende besiegelt wurde. Und als unser Drifter seinen Schmerzen nachgab, erscheint ihm die mythologische Gottheit Anubis und führt ihn über kryptische, künstliche Felskonstruktionen in eine neue Epoche dieses Abenteuers.

Dieser obskure, traumähnliche Prolog zwischen 80er-Jahre Scifi-Ambiente und der stummen Rätselhaftigkeit der The Legend of Zelda-Geschichten lotst uns neugierig in ein Spiel, das nicht nur erzählerisch aus den Abenteuern des grünen Nintendo-Helden schöpft.

Wir begleiten den purpurroten Drifter aus der Vogelperspektive. Ein in blauem Licht gebadetes Schwert und eine Laserpistole stellen unsere Offensive dar, mit dem raschen Dash weichen wir feindlichen Angriffen aus. Die Spielwelt ist offen und in rechteckige Segmente eingeteilt. In den ersten Spielminuten gelangen wird in das Zentrum der Weltkarte, in eine belebte, wenn auch verwahrloste Stadt.

In den brüchigen, der Witterung und dem Efeu ausgesetzten Gebäuden warten die Bewohner dieser einstigen Metropole. Sie erzählen uns ihre Geschichte. Nicht in Worten, sondern wenigen Bildern. Dieses Land wird von Monstern und kriegerischen Völkern geplagt. Um den Drifter in diesen gefährlichen Zeiten zu unterstützen, bietet sie Waren und Verbesserungen an. Noch können wir uns davon aber nichts leisten. Eine Bodenzeichnung zeigt uns den Weg. In alle vier Himmelsrichtungen sollen wir uns begeben. Ohne eine besondere Präferenz brechen wir auf.

Das brutale Schicksal des jeweiligen Gebiets wird auch zu unserem Verhängnis. In jeder Region warten auf uns angriffslustige Gegner. Vogelmenschen rasen im Sturzflug auf uns zu, Kristallgolems schlagen Streifen aus tödlichen Edelsteinen in den Boden und schießwütige Barbaren beharken uns auf Distanz. Trotz seiner Stärke ist der Drifter ein fragiles Kerlchen. Die Angriffsmuster der Feinde müssen gut gelernt sein, denn bereits nach wenigen Treffern segnet der Held das Zeitliche. Glücklicherweise wird der anspruchsvolle Schwierigkeitsgrad durch faire Rücksetzpunkte relativiert. So motiviert jede neue Kampfarena.

Nicht weniger gefährlich und schwierig sind aber auch die regelmäßigen Geschicklichkeitseinlagen. Während uns Monster und Selbstschussanlagen das Leben schwermachen, wird es oftmals eng auf den kleinen Plattformen und schmalen Pfaden. Nur gezielte Dashes bringen uns heil voran. Wer den Dash aufrüstet, kann ihn auch mit rhythmischen Drücken der entsprechenden Taste verketten und so große Distanzen in kürzester Zeit zurücklegen. Das fühlt sich leider nicht immer präzise genug an und wird dem ein oder anderen zu unintuitiv erscheinen. Wer sich aber so den optionalen Herausforderungen stellt, erhält wertvolle Materialien.

Diese Upgrade-Steine sind aber selten leicht zu entdecken. Die meisten verstecken sich hinter versteckten Wegen und Schaltern. Mysteriöse Symbole weisen auf deren Existenz hin, aber in den über- und unterirdischen Labyrinthen fällt die Orientierung schwer und nur mit geschulter Aufmerksamkeit, Geschick und viel Geduld wird man alle Geheimnisse entdecken. Dafür wartet nicht nur die Handelswährung in versteckten Gebieten. Neue Roben und Waffen liegen dort bereit und stärken unseren Helden. Hin und wieder begrüßt uns sogar ein Monolith, der in einer fremden Sprache die Hintergründe aufschlüsselt. Zumindest soll er das angeblich tun. Beim Großteil der Spieler wird er mehr Verwirrung stiften und die Geschichte weiter verschleiern. Am Wichtigsten für den Fortschritt sind aber die violetten Steintafeln, die uns neue Pfade eröffnen und letztendlich die Tür zum obligatorischen und kompromisslosen Boss der Region aufschließen.

Dieses Zelda-esque Abenteuer geht je nach Zielstrebigkeit um die zehn Stunden. Neue Gebiete, Schusswaffen und Gegner frischen das Erlebnis immer wieder neu auf und halten die Motivation dauerhaft oben. Auch nach dem Durchspielen können simple Minigames, ein Arenamodus, die Suche nach allen Sammelobjekten und ein unbarmherziges New Game Plus das Vergnügen noch um weitere Stunden strecken.

Fazit:
Heart Machine hat nicht zu viel versprochen. Die Seele der Retro-Klassiker wird hier wunderbar eingefangen. Nicht nur ästhetisch wird hier auf dem Fundament der 2D-Ära aufgebaut, auch das Gamedesign zitiert die Erkundungsreize und den Spielaufbau eines A Link to The Past. Für die Eigenständigkeit sorgen der 80er-Scifi-Überzug und das moderne, blitzschnelle Kampfsystem. Eine nostalgische Reise in eine fremde Welt, die alte Qualitäten wiederaufleben lässt und die sich niemand entgehen lassen sollte.

(getestet von eape)