Im Test: Expeditions: Viking (Steam)

Mit Expeditions: Viking veröffentlicht Entwickler Logic Artists nun den zweiten Ableger ihrer Expeditions Reihe. Statt aber als spanischer Entdecker nach dem Gold der Azteken zu suchen, kämpfen wir nun als Wikinger um das Überleben unseres Clans und müssen dabei uns etlichen Gefahren und Herausforderungen stellen.

Unser Vater und Clan-Anführer ist tot. Die letzte Reise nach Britannien hat ihm nicht nur das Leben, sondern auch den Respekt vieler Wikinger gekostet. Kein einfacher Start, doch als ältestes Kind liegt es nun an uns das Blatt zu wenden und den Clan wieder zur alten Stärke zu verhelfen. Ob wir dies nun mit der Axt in der Hand oder Diplomatie erreichen liegt dabei völlig an uns.

Expeditions: Viking ist auf den ersten Blick ein klassisches West-RPG im Stile eines Baldur’s Gate. Wir erstellen unseren Charakter per Editor, verteilen Punkte in Attribute, aktive und passive Fähigkeiten, sammeln eine Party um uns, treffen wichtige Entscheidungen in Dialogfenstern und all dies wird in einer isometrischen Perspektive präsentiert. Doch steckt hinter dem Spiel noch einiges mehr, welches es in der Form aktuell einzigartig macht.

Im Kern haben wir es mit einem komplexen Handelssystem zu tun, welches man sonst nur aus Wirtschaftssimulationen kennt. Schmiede sind hier zum Beispiel keine einfachen Shops, die ihre Waren von Haus aus uns anbieten, sondern fertigen nur per Auftrag Waffen und Rüstungen an. Dazu müssen wir das Material stellen und die ganze Arbeit nimmt dann auch ein paar Tage in Anspruch. Das gleiche gilt auch für andere Handwerksarbeiten, wie dem Ausbauen unserer Siedlung.

Feste Palisadenzäune, ein richtiger Marktplatz, neue Häuser und vieles mehr werten nicht nur die Lebensqualitäten unserer Bewohner aus, sondern auch unseren Ruf als würdiger Anführer.

Allgemein ist Zeit ein wichtiges Element in Viking. So dauern Reisen zwischen Ortschaften nicht selten mehre Tage an, weswegen wir drauf achten sollten, hier und da ein Lager aufzuschlagen, um Rasten einzulegen. In Lagern haben nicht nur unsere Mitstreiter Zeit sich von Verletzungen zu erholen, sondern können auch die Gegend auskundschaften, Wild jagen, Rationen vorbereiten und sogar Schmiedearbeiten erledigen.

Wenn es dann mal zu Kämpfen kommt, bewegen wir uns und unsere Gruppe in Runden über Hexalfelder. Dabei hat jeder zwei Phasen, eine zum Bewegen und eine um Aktionen und Fähigkeiten auszuführen. Das taktische Kampfsystem geht nach kurzer Zeit direkt ins Blut und ist selbsterklärend. Schildträger stehen an der Front, Speer- und Axtträger in der zweiten Reihe und Bogenschützen im sicheren Abstand dahinter. Flankieren ist nie verkehrt und Heiler werden als erstes ausgeschaltet. Wer dies beherzigt und seine Umgebung zu seinem Vorteil nutzt, sollte keine großartigen Probleme haben. Verlieren wir doch mal einen Kampf, ist dies nicht immer das Ende des Spiels, da einige Quests trotzdem weitergehen und damit auch einen komplett anderen Verlauf einschlagen können.

Genre-untypisch kommt das Spiel komplett ohne Fantasy Einflüsse aus und vermittelt einen realen Einblick auf das Leben der Wikinger. Hier ist nicht böse Magie für das Leid der Menschen zuständig, sondern die Entscheidungen einfacher Personen. Dies zeichnet sich auch in etlichen Quests des Spiels ab, die teils sehr ernste Wendungen nehmen können. So spricht uns im nächsten Dorf ein Bauer an, ob wir uns nicht um eine Rattenplage auf seinem Wohnsitz kümmern könnten. Angekommen bemerken wir aber schnell, dass wir es hier nicht mit Ratten, sondern mit Kinder und Jugendliche zu tun haben, die als Waisen den Wohnsitz besetzt halten. Oft stellt uns das Spiel in Haupt- und Nebenmissionen vor moralischen Entscheidungen, die sich aber nie aufgesetzt anfühlen und nachvollziehbare Konsequenzen mit sich bringen.

Fazit:
Expeditions: Viking ist eine Offenbarung für Fans der nordischen Kultur. Selten wurde die Zeit glaubwürdiger umgesetzt und Spielern und Entwicklern gezeigt, wieso man nicht immer Orks und Drachen bekämpfen muss, um eine spannende Geschichte in Rollenspielen zu erzählen. Die taktischen Kämpfe, das komplexe Handelssystem, die Handlungsfreiheiten und die gut geschriebenen Dialogen bereichen dabei das Spiel nochmal ungemein. Dazu darf der mit knapp 30€ angeschlagene Preis besonders gelobt werden. Hier bekommt man für wenig Geld ein tiefes und vielseitiges Rollenspiel geboten, welches sich nicht vor den großen Namen verstecken muss.

Ein absoluter Geheimtipp für Freunde klassischer Rollenspiele und ein Muss für Anhänger der Wikingerzeit.

Expeditions: Viking ist seit dem 27. April 2017 auf Steam erhältlich.

(getestet von Dr. Para)

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