Im Test: Deponia Doomsday (Steam)

Der vierte Teil der Deponia-Reihe wurde sehr überraschend von Daedalic angekündigt und kaum ist er angekündigt, ist er auch schon erschienen. Ob das vierte Abenteuer von Rufus die Erfüllung bringt, die sich Fans erhofft haben? Natürlich versuchen wir diese Frage in unserem Test zu Deponia Doomsday möglichst spoilerfrei zu beantworten.

In Deponia Doomsday spielen wir wieder unseren altbekannten Helden Rufus, der aus einem fürchterlichen Traum erwacht. Er hat, um Deponia zu retten, im entscheidenden Moment losgelassen, woraufhin er in den Tod stürzte. Als ob der Alptraum noch nicht schlimm genug war, stürzte Elyisum auf Deponia herab. Als letzter Überlebender auf Deponia bekam er schauderhaftes zu Gesicht, dass er für unmöglich gehalten hat: Er ließ sich einen Schnurrbart wachsen! Sowas würde natürlich nie geschehen und es kann sich nur um den schlimmsten Alptraum handeln, oder nicht?

Nachdem er erwacht ist und versucht seinen Plan, Elysium zu erreichen, umzusetzen, trifft er auf den Wissenschaftler McChronicle, der durch mögliche Zeit-Anomalien nach Kovac gelockt wurde. Zusammen mit Rufus Hilfe findet er eine Zeitmaschine, die durch Zeitreisende aus der Zukunft zurückgelassen wurde. Welches Unheil damit nur ausgelöst werden könnte, wenn die Zeitmaschine in die falschen Hände geraten würde. Gut, dass Rufus zur Stelle ist, um das zu verhindern und sich ausführlich um sie zu kümmern! Damit auch bloß kein Unheil passiert…

Im neuesten Teil der Deponia-Reihe wartet ein turbulentes Abenteuer auf euch, welches euch durch die Zeit reisen lässt. Neue Orte und neue sowie bekannte Charaktere der Deponia-Reihe warten bereits auf das (erneute) Zusammentreffen mit unserem Chaoten Rufus. Und für Chaos wird er definitiv sorgen, sowie für etliche Zeitlinien, die spätestens zum Ende hin für Kopfschmerzen sorgen werden, wenn man versucht ihnen allen zu folgen.

Natürlich warten wieder etliche Rätsel auf euch, egal ob in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, die es zu lösen gilt. Die Qualität der Rätsel kann sich wieder sehen lassen. Für erfahrene Deponianer stellen sie die meiste Zeit sicherlich keine allzu große Herausforderung dar, dennoch gibt es die eine oder andere harte Nuss, die es zu knacken gilt, wenn das Spiel z.B. einen an der Nase entlang führt. Natürlich dürfen auch wieder die üblichen abgedrehten Rätsel nicht fehlen, die wir aus den vorherigen Teilen lieben gelernt haben. Lernt schon mal mit Portalen zu denken!

Neben der bekannten Rätselmechanik warten auch ein paar Neuerungen auf uns, auch wenn die grobe Spielemechanik die gleiche geblieben ist. So haben sich Quick-Time-Events, wie man sie z.B. aus den Telltale-Spiele kennt, eingefunden, in denen es in erster Linie darum, geht möglichst schnell die linke Maustaste zu drücken und dabei Gegenstände anzuvisieren. Generell wird häufiger mit der Maus geklickt werden, egal ob es gilt schnell mehrere Ziele hintereinander präzise zu treffen oder eben Gegenstände wegzuschieben, die auf einen liegen, indem man wie wild seine linke Maustaste drangsaliert. Aber keine Panik, die Mausorgien halten sich in Grenzen.

Außerdem warten wieder etliche Minispiele auf euch, wie z.B. 4 gewinnt – natürlich wieder im bekannten Deponia-Stil. Solltet ihr mal an einem der vielen Minispiele scheitern und es partout nicht schaffen, so müsst ihr nicht verzweifeln und das Spiel aufgeben, sondern könnt, wie auch schon in den Vorgängern, das Minispiel überspringen. Eine Art „Chicken out“-Modus ist also wieder dabei.

Auch sonst, wenn ein Rätsel mal nicht weiterführt oder man einfach nicht weiß, was man machen soll, hilft es stets mit den NPCs zu reden, da man so den einen oder anderen Tipp bekommt, der einem weiterhelfen kann. An sich sind die Rätsel für Deponia-Verhältnisse logisch aufgebaut, so dass sie einen zwar manchmal herausfordern werden, aber den Spielspaß nicht ruinieren. Dafür ist es zu belohnend, wenn man die Rätsel löst und endlich die nächste Zwischensequenz zu sehen bekommt.

Grafisch macht Deponia Doomsday auch wieder eine sehr hübsche Figur, denn man bekommt wieder die wunderschön gezeichneten Hintergründe geboten, die man aus den vorherigen Teilen gewohnt ist und im neuesten Teil der Deponia-Reihe sogar in einer Fülle, die es so noch nicht gegeben hat. Die liebevoll gezeichneten Charaktere und Hintergründe passen wieder mal perfekt zueinander und sorgen für das bekannte Deponia-Feeling. Verstärkt wird die Atmosphäre noch durch die bekannte und auch neue Musik, die gewohnt im Hintergrund spielt und in wichtigen Momenten in den Vordergrund tritt. Natürlich dürfen auch die Einspieler nicht fehlen, um gewisse Witze oder Anspielungen auf vergangene Teile (und davon gibt es einige!) zu unterstreichen. Es lohnt sich entsprechend die ersten drei Deponia-Teile gespielt zu haben, auch wenn sie für das Verständnis der Geschichte nicht notwendig sind. Etwas vermisst habe ich die musikalischen Darbietungen zwischen den einzelnen Akten, die „Hussa Songs“, die man aus den Vorgängern bereits kannte. Aber auch in Deponia Doomsday warten einige selbstgeschriebenen Songs auf euch!

Die Inszenierung hat sich im Vergleich zu den Vorgängern deutlich verbessert und gerade zum Ende hin nimmt das Spiel ordentlich Schwung auf. Doch auf das Ende wollen wir an dieser Stelle nicht ausführlich eingehen. Aber es sei so viel verraten: Ob man mit dem Ende zufrieden ist, wird davon abhängen was man erwartet, für sich gesehen bleibt sich Deponia aber treu. Für mich war die Deponia-Reihe nach der Trilogie komplett abgeschlossen und entsprechend hatte ich mich zu Beginn des Spiels schon gefragt, womit man mich bei Laune halten möchte. Doch ich wurde überrascht, wie sehr mich dieses Spiel wieder in seinen Bann gezogen hat! Dank der Geschichte, der Charaktere und natürlich dem charmanten Rufus. Nach rund 13 Spielstunden, die ich fast komplett am Stück gespielt habe, bekam ich dann das Ende zu Gesicht. Die Spielzeit wird stark davon abhängen, wie schnell ihr die Rätsel gelöst bekommt und wie sehr ihr in die Welt involviert werden möchtet. Solltet ihr jede Gesprächsoption mitnehmen wollen, so schätze ich die Spielzeit auf rund 15h. Weniger erfahrene Spieler müssen dagegen sicherlich mehr als 20 Spielstunden investieren.

Fazit:
Mit Deponia Doomsday ist Daedalic wieder ein sehr gutes Point & Click Adventure gelungen und gerade die Zeitreisen passen wunderbar zur Reihe. Auch in Sachen Inszenierung und Rätseldesign hat sich das Spiel positiv weiterentwickelt. Wer Rufus die letzten Jahre vermisst hat, der sollte sich das neue Abenteuer auf keinen Fall entgehen lassen! Deponia Doomsday ist alles andere als ein Aufguss, sondern ein vollwertiger, richtig spannender 4. Teil einer der besten Adventure-Serien der heutigen Zeit!

(getestet von Michael Brix)