Im Test: Danganronpa V3: Killing Harmony (PC, PS4, Vita)

Rise and shine, Ursine! Es ist Zeit wieder in die Schule zu gehen. In Danganronpa V3 schicken uns NIS America und Entwickler Spike Chunsoft zurück in die Highschool und wir lernen schnell, dass unter extremen Bedingungen jeder zum Mörder werden kann. In diesem verrückten japanischen Visual Novel geht das Killing Game in die dritte Runde und im Test erfahrt ihr, ob sich das Einschreiben auch dieses Mal lohnt.

Wer bereits einen der Vorgänger gespielt hat, wird sich auch bei Danganronpa V3 direkt heimisch fühlen. 16 Highschool-Schüler mit individuellen ultimativen Talenten wachen ohne Erinnerung in einer verwaisten, ungewöhnlich präparierten Schule auf. Auf der Suche nach einem Ausweg, treffen sie auf das niedlich-diablosche Bärenquintett der Monokumas. Unter letalem Druck erklären sie ihren Gefangenen das Killing Game. Wer die Schule verlassen will, muss einen Mord begehen und bei der anschließenden Gerichtsverhandlung als unschuldig davonkommen. Gelingt es, sterben die restlichen Mitschüler und man erlangt die Freiheit. Andernfalls wird man mit der Exekution bestraft.

Obwohl die Geschichte nicht neu ist und wir sie so oder so ähnlich schon in den Vorgängern erlebt haben, weht hier ein frischer Wind. Nach dem blutigen Inselparadies im zweiten Teil, das stark auf dem Vorgänger aufbaute, kehrt das dritte Hauptspiel wieder zu seinen schulischen Wurzeln zurück, verpasst der Tötungsfakultät aber einen neuen Anstrich und fühlt sich so wie ein kleines Reboot an, das Veteranen mit seiner Rückbesinnung und Einsteiger in die Serie gleichermaßen anspricht.

Spielerisch beschreibt sich Danganronpa als ein japanisches Visual Novel mit einigen Abweichungen zum Genrestereotypen. So können wir uns auf dem Schulgelände frei bewegen, seine Geheimnisse erkunden und mit den anderen Insassen sprechen. Dennoch werden wir typischerweise recht strikt durch die lineare, unveränderliche Story geführt, die in schrägen Dialogen erzählt wird. Kommt es zum unausweichlichen Mord, machen wir den Detektiv und sammeln Hinweise, die uns zum Täter führen sollen bis die Ermittlung im Gerichtsprozess mündet. Hier verabschiedet sich das Gameplay von allen Konventionen und wird regelrecht albern.

Im Entferntesten versuchen wir in Ace Attorney-Manier den Mörder zu entlarven. Dafür nutzen wir die gesammelten Beweise um falsche Aussagen blosszustellen und den Tathergang zu rekonstruieren. Dabei sind unsere kognitiven Fähigkeiten und Logik unser geringstes Problem. In abstrusen Action-Minispielen, bei denen wir beispielsweise Zitate wegballern müssen, kommen wir der Auflösung näher. In das Minigamechaos wurden auch ein Level- und Skillsystem gequetscht, das so unnötig wirkt wie der Rest der Verhandlungen. Ob es trotzdem Spaß macht? Ich kann es noch nicht einmal genau sagen. Es schafft Abwechslung, aber ich bin auch immer wieder froh, diese Abschnitte überstanden zu haben.

Mehr Spaß hatte ich beim Kennenlernen der wundersamen Charaktere. Auch unabhängig von ihren herausragenden Talenten, umgibt jeden Schüler eine mysteriöse Aura, die im Laufe der Geschichte und in privaten Gesprächen im Stile einer Dating Sim, langsam aufgelöst wird. Ob es sich dabei um den draufgängerischen Tennisstar oder die übersptitzt sexualisierte Erfinderin handelt, ein Faible für japanische Sonderbarkeiten sollte man mitbringen.

Während unsere Gruppe immer weiter dezimiert wird, vergrößert sich das Ausmaß der Story. Aus den Charaktergeschichten und dem Killing Game entwickelt sich zunehmend ein spannender Thriller voller Wendungen und Überraschungen und jeder Funken Auflösung entflammt unsere Neugier aufs Neue bis zum großen Mindfuck-Finale.

Dabei motiviert nicht nur die größere Kontrolle im Vergleich zu anderen Visual Novels, sondern auch die ambitionierte Technik mit vielen zeichnerischen Details in der Umgebungsgrafik, die punktuell eingesetzte Synchronisation, die ikonische Musik und die stilistisch ansprechenden Animesequenzen für die inhaltlichen Höhepunkte. Die unterschiedlichen Genreeinflüsse und frische Ideen lassen die gut 40 Stunden Spielzeit wie im Flug vergehen, so dass man selbst darüber hinaus zum Sammeln von mehr optionalen Hintergrundinformationen angeheizt wird.

Fazit:
Auch das dritte Danganronpa stapelt seine Verrücktheit bis an die Decke. Die verrückte Story rund um 16 übertalentierte Schüler, die gezwungen werden sich gegenseitig umzubringen, trägt das Visual Novel-Gameplay, das immer wieder über seine Genregrenzen hinausgeht und mit seinen absurden Ideen mindestens für Abwechslung sorgt, während das überstilisierte, expressive Designkorsett das Ganze zusammenhält. Danganronpa V3 ist völlig durchgedreht, aber versteckt damit keine Schwächen, sondern erhebt damit den exzellenten Krimi zu einer ganz besonderen Erfahrung, die sich jeder geben sollte, der gerne mal über den altbekannten Tellerrand blickt.

(getestet von eape)

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