Im Test: Crossing Souls (Steam, PS4)

Das neugegründete spanische Studio Fourattic boxte sich mit Hilfe vom Indie-Publisher Devolver Digital aus der Wirtschaftskrise. Die fünf Jungs ließen in ihrem Debüt Crossing Souls für PC und PS4 noch einmal ihre Liebe und Erinnerungen an die 80er Jahre aufleben. Ob das Spiel an die unvergessenen Klassiker dieser Zeit herankommen kann, erfahrt ihr im Test.

Crossing Souls schreit förmlich nach den Klischees der 80er Jahre. Es fängt schon beim verschnörkelten Neontext als Logo an und die Geschichte rund um fünf Freunde in einer eigentlich ach so gewöhnlichen Kleinstadt in Kalifornien erinnert schnell an E.T., The Goonies und andere ikonische Filme aus dieser Epoche. Das Spiel macht daraus aber kein Geheimnis, sondern zitiert selbstbewusst populäre Szenen aus jenen Klassikern.

Während kaum ein Schritt ohne 80er-Referenz erfolgt, liegt die Befürchtung nahe, Crossing Souls verstecke sich hinter stereotypischen Andeutungen und kommt als reiner Abklatsch daher. Glücklicherweise nutzt das Spiel lediglich diese bekannten Elemente, baut aus ihnen aber eine originelle und ambitionierte Geschichte zusammen, die genauso gut aus der Zeit stammen könnte, die sie unmittelbar aufgreift. Erwartet also eine Story über Freundschaft, Vorstadt-Mysterien und extravagante Charaktere, aber auch emotionale persönliche Dramen, mythologische Hintergründe und eine ordentliche Portion unerwartete Science Fiction, die dem Ganzen einen eigenen Charme verpassen.

Unsere fünf Teenager repräsentieren die typische, bunt gemischte Clique einer amerikanischen Highschool. Wir haben den coolen Anführer, seinen besten, nerdigen Freund, das taffe Mädel aus dem Trailerpark, den schlagfertigen korpulenten Farbigen und den hirtzigen jüngeren Bruder. Natürlich dient die Gruppe nicht nur dem Klischee, sondern bestimmt das Gameplay. Wir wechseln jederzeit auf Knopfdruck den Charakter und haben so unterschiedliche Fähigkeiten zur Verfügung.

Im Kampf gegen draufgängerische Gangs und außerdimensionale Wesen bleibt es überwiegend dem eigenen Geschmack überlassen, welchen Helden man steuert. Fernkämpfer nutzen Maths Laserpistole und geschickte Spieler weichen rasend schnell den Angreifern mit der akrobatischen Charlie aus, um dann gezielt mit der Peitsche zuzuschlagen. Außerhalb des Kampfes ist die Wahl limitierter. Die relativ offene Welt erinnert an klassische Zelda-Titel und das recht aktuelle Hyper Light Drifter und auf ähnliche Weise müssen auch regelmäßig Geschicklichkeitspassagen bezwungen und Rätsel gelöst werden, die hier den Einsatz bestimmter Charaktere erfordern.

Dabei erscheint der Anfang spielerisch relativ uninspiriert, nach dem gut einstündigen Prolog überrascht Crossing Souls aber mit einem großen Gameplaykniff und spielt dem Spieler dann regelmäßig neue Karten zu, um bis zum Abspann für an die 10 Stunden zu motivieren. Kein Szenario besucht man länger, kein Element wird überstrapaziert, andauert wechseln der Ton der Story, die Aufgaben oder ganze Spielmechanismen.

Nicht jede Komponente ist dabei ausgeklügelt und feingeschliffen. Während die Kampfsteuerung exzellent von der Hand geht, mögen andere Abschnitte, speziell die Minispiele, oft etwas hakelig sein. Einige Puzzles fordern angenehm, andere sind zu simpel. Die Qualität schwankt relativ stark. Dank der großen Abwechslung fällt es allerdings nicht allzu stark ins Gewicht. Auch etwas anstrengende Passagen sind schnell vorbei und so bleibt das Spiel ein einziger hochmotivierender Ritt, der allenfalls etwas gehetzt wirken könnte.

Der Pixellook passt nicht nur wunderbar zur Geschichte, er überzeugt auch mit vielen liebevollen Details. Die Umgebungen und Charaktere strotzen vor visuellem Charme und die grandiose Musik zwischen Orchester und Synthwave erinnert an die besten Filme der 80er Jahre. Besonders hervorzuheben sind die handgezeichneten Cutscenes im Stile alter Cartoons, wie sie Einige noch vom Sonntagmorgenfernsehen kennen dürften.

Fazit:
Crossing Souls mag vollgepackt sein mit Anspielungen und Klischees. Die 80er Jahre triefen aus jeder Pore des Spiels. Und doch ist es viel mehr als ein Abklatsch dieser Zeit. Crossing Souls kommt mit einer starken Narrative daher. Die Geschichte weiß mit viel Charme und unerwarteter Originalität zu unterhalten, während auch das Gameplay ständig mit neuen Ideen feuert und übermotiviert zwischen Kampf, Hüpfeinlagen, Minigames und Puzzles wechselt. Ein Spiel, dem man vorschnell fehlende Eigenständigkeit vorwerfen könnte, das aber letztendlich allenfalls an fehlender Beständigkeit kränkelt. 80er Fans haben hoffentlich schon längst zugeschlagen und auch alle anderen Gamer sollten mindestens einen Blick auf dieses sympathische, sehr ambitionierte Abenteuer werfen.

(getestet von Wladyslaw Oswiecimski)

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