Im Test: Bayonetta (Steam)

Als Sega und Platinum Games vor ein paar Wochen offiziell den lang erwarteten PC Port für Bayonetta ankündigten, gingen damit für viele Spieler ein Traum in Erfüllung. Endlich konnten Kenner und auch Neulinge das Hack-and-Slash Meisterwerk von 2010 in voller Pracht erleben. Doch kann der Titel auch noch heute überzeugen? Das alles und noch einiges mehr erfahrt ihr im Test.

Seit Bayonetta aus ihrem fünfhundertjährigen Schlaf auferweckt worden ist, kann sie sich nur noch Bruchhaft an ihre frühere Vergangenheit erinnern. Fest steht aber, dass sie eine Hexe ist und die Agenten des Himmels alles dran setzen, sie in die Hölle zu bringen.

Als sie eines Tages einen wichtigen Hinweis in der verlassenen Stadt Vigrid nachgeht, scheinen ihre Erinnerungen und der Grund für ihren jahrhundertelangen Schlaf zurückzukehren.

Von der ersten Sekunde an drückt Bayonetta fest mit ihren Highheels auf das Gaspedal und zeigt uns schon in der Einleitung, in welche Richtung die nächsten Stunden gehen werden. Absurde Choreografien, groteske Finisher und Bosskämpfe, die sich von der Inszenierung regelmäßig übertreffen. Doch ist unter all der glänzenden Verpackung vor allem mechanisch ein hervorragend entwickeltes und komplexer Hack-and-Slasher, der nicht nur zufällig an die glorreichen Tages eines Devil May Cry erinnert. Wir schlagen, treten und schießen uns durch Horden an verschiedenen Gegnertypen, vollführen ellenlange Kombos und richten auf dem Boden liegende Gegner per Quick-Time-Events hin. Wer hier nur blind auf die Buttons mashen will, sollte auf den leichteren Schierigkeitsgräden bedient werden. Wer aber Bayonetta in voller Form erleben will, muss sich mit den Mechaniken auseinandersetzen, die das Gameplay mit sich bringen.

Neben ihren normalen Waffen ist Bayonetta als Hexe nämlich im Besitz einiger Hexenkräfte, die vom Spieler gemeistert werden wollen. Das Herzstück dabei ist ohne Zweifel die sogenannte Witch-time, die wir auslösen, in dem wir im richtigen Moment Angriffen ausweichen. Ist diese aktiviert, agieren Gegner für wenige Sekunden in Zeitlupe, während wir uns in normaler Geschwindigkeit bewegen. Damit können wir nicht nur den folgenden Angriffen leichter ausweichen, sondern auch direkt nochmal besonders viel Schaden in kurzer Zeit austeilen.

Neben der Witch-time hat Bayonetta Zugriff auf weitere Fähigkeiten und eine breite Auswahl an verschiedenen Schuss- und Nahkampfwaffen, die jeweils mit ihren eigenen Movesets daher kommen und kombiniert werden wollen. Wenn wir mal nicht in einem Kampf verwickelt sind, erledigen wir kleinere Rätsel, entdecken geheime Räume oder springen von Plattform zu Plattform.

Als Lohn für jeden besiegten Gegner sammeln wir goldene Ringe auf, die wir wiederum bei dem kernigen Waffenhändler Rodin für Updates und Ausrüstung ausgeben können. Auch belohnt uns das Spiel nach jedem einzelnen Kampf mit besonderen Auszeichnungen, die von Bronze, bis hin zu Platin gehen. Je höher unsere Kombos sind und je mehr Angriffe wir ausweichen, desto wertiger fallen die Auszeichnungen und die damit gewonnenen Ringe aus. Abschließend dazu dürften wir nach jedem Kapitel eine Runde Angel Attack spielen. Dieses Minispiel lässt sich wohl am besten mit einer Schießbude auf einem Jahrmarkt vergleichen. Wir haben eine stark begrenzte Anzahl an Schüssen und dürfen bewegliche Ziele aufs Korn nehmen. Ist die Munition aufgebraucht, wird abgerechnet und wir erhalten Punkte, mit denen wir direkt Gegenstände kaufen oder sie in Ringe eintauschen lassen können.

Technisch merkt man dem Spiel die Jahre an, trotzdem haben wir es hier mit einem mehr als soliden Port zu tun. Die Auflösung lässt sich ohne Probleme auf 4K hochdrehen und Regler für Anti-Aliasing, Texturen, Schatten und sonstigen technischen Spielereien gibt es ebenso. Allgemein ist der Port recht Hardware-freundlich geworden, weswegen selbst ältere Rechner keine Probleme haben sollten, Bayonetta in Full HD und konstanten 60 FPS darzustellen. Bayonetta war noch nie schöner und gerade das kreative Artdesign feiert durch die höheren Auflösungen einen zweiten Frühling.

Fazit:
Bayonetta feiert ihr schon längst überfälliges Debüt auf Steam mit Pauken und Trompeten. Gameplaytechnisch überzeugt es immer noch auf ganzer Linie und dank des vorbildlichen Ports braucht man keinen High-End PC, um es im frischen Gewand genießen zu können. Controller vorausgesetzt.

Somit bleibt Bayonetta ein absolutes Muss für Action-Liebhaber und man darf gespannt sein, was Sega und Platinum Games noch in der Zukunft mit der Hexe vorhaben.

Bayonetta ist seit dem 13. April 2017 auf Steam erhältlich.

(getestet von Dr. Para)