Im Test: Amnesia: Memories (Vita / Steam)

Amnesia: Memories startete als Visual Novel für die PSP und entwickelte sich in Japan zu einer großen Marke. Nach mehreren Nachfolgern, Büchern und einer Anime-Serie bringt jetzt Idea Factory einen überarbeiteten Port für die Playstation Vita und den PC (Steam) auf den Markt. Für euch haben wir uns in die aufregende Romanze gestürzt. Ob ihr auch den Flirt wagen solltet, erfahrt ihr in unserem Test.

Lange hat es nicht gedauert bis ich merkte, dass ich nicht unbedingt zur Zielgruppe von Amnesia: Memories gehöre. Unser Abenteuer beginnt zwischen den Dimensionen. Ein androgynes Wesen erklärt unserer Protagonistin, sie hätte bei einem schweren Unfall das Gedächtnis verloren. Den Platz der Erinnerungen in unserem Kopf nimmt jetzt diese geisterartige Gestalt Orion ein und begleitet uns auf der Suche nach unserer Vergangenheit. Wir entscheiden uns noch schnell für eine der vier Parallelwelten, die wir betreten wollen, und schon landen wir in einem Krankenhausbett und ein junger, rebellisch-gekleideter Mann küsst uns lang und innig.

Amnesia gehört zum Genre der Otome Games, aus dem Japanischen wörtlich übersetzt ‚Mädchen-Spiele‘. Dabei handelt es sich um Dating Sims/Visual Novels, bei denen man neben der Hauptgeschichte noch sein Herzblatt finden muss. Wir freunden uns mit der Idee an und wehren die ungehemmten Annäherungsversuche des freigeistlichen Burschen nicht ab.

Sogleich schaltet sich Orion ein und gibt seine Bedenken preis. Können wir ihm vertrauen? Ist er unser Freund? Wird er unsere Amnesie ausnutzen wollen? Das sind die Fragen, die wir bei unseren Entscheidungen im Hinterkopf behalten sollten. Auf der einen Seite werden wir Hilfe brauchen um unsere Vergangenheit zu enthüllen, auf der anderen Seite sollten wir nicht jedem unseren Zustand auf die Nase binden.

Im Hintergrund rattert bei jeder Entscheidung die Gameplaymaschinerie. Jede Dialogwahl hat ihre Konsequenzen und beeinflusst die Zuneigung der Charaktere zueinander, aber auch das Vertrauen und die Zweifel. Für die besten Enden sind also Aufmerksamkeit und gute Menschenkenntnis gefragt. Alternativ fordert das Spiel das Experimentieren bei den Dialogen während mehrerer Durchgänge.

Leider ist die Protagonistin bis auf die knappen Antworten, die uns zur Verfügung stehen, völlig passiv. Die anderen Charaktere labern uns mit japanischer Vertonung voll, agieren, Orion kommentiert und wir hören lediglich stumm zu. Das mag die Identifizierung mit der jungen Dame erleichtern, die sonst für das Genre recht liebevolle Inszenierung, die mit aufwendigen Grafiken und Gesichtsanimationen prahlt, leidet allerdings etwas darunter.

Nach der langen, teils ermüdenden Einführung in das soziale Umfeld öffnen sich nach und nach interessante Konflikte. Die Liebesbeziehung spielt hierbei immer die zentrale Rolle, aber auch die Schicksale der Freunde und der übergreifende Plot rund um den Unfall wissen im späteren Verlauf die Spannung aufrechtzuerhalten. Die wiedererlangten Erinnerungen, alternativen Entscheidungen und freigespielten Enden fügen sich als Puzzlestücke zu einem immer größer werdenden Bild zusammen, das auch männliche Spieler an den Bildschirm fesseln wird.

Viele Komfortfunktionen erleichtern uns das Erkunden der Vergangenheit des jungen Mädels. Das obligatorische Überspringen von bekannten Szenen, eine Quicksave-Funktion und das freie Zurückspulen lassen uns bequem durch die Geschichte navigieren. Im Menü erhalten wir einen Überblick über freigeschaltetes Material und wer etwas Abwechslung braucht, kann sich mit den Minispielen ‚Stein, Schere, Papier‘ und Air Hockey die Zeit vertreiben.

Fazit:
Amnesia: Memories ist ein einnehmendes Beziehungsdrama, das nicht nur sein weibliches Zielpublikum, sondern jeden Visual Novel-Fan ansprechen sollte. Wenn man sich durch die vergleichsweise zähe Charaktervorstellung gekämpft hat, wartet eine emotionale Liebes- und Krimitragödie darauf, entschlüsselt zu werden. Für Romantiker definitiv ein Muss und für Genrefreunde mindestens einen Blick wert!

(getestet von eape)