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Classic-Test: Teudogar und das Bündnis mit Rom (2003)

Als im Jahre 30 v. Chr. Octavian, der später Augustus, der Erhabene, genannt werden sollte, die Machtkämpfe die auf den Tod des großen Eroberers und seines Großonkels Julius Caesars folgten, für sich entscheiden konnte, änderte sich das Selbstbildnis der römischen Machtstruktur in der Antiken Welt. Anstelle der bis dahin vorherrschenden Republik, setzte sich beginnend mit dem Prinzipat des Augustus eine monarchische Herrschaftsstruktur in Rom fest, deren Anspruch fortan darin bestand, die Grenzen des Imperium Romanum zu erweitern und zu festigen. Davon sollten auch die Gebiete östlich des Rheins betroffen sein…  

 

Furor Ultimatikus
„Teudogar und das Bündnis mit Rom erschien bereits vor 10 Jahren als reiner Download -Titel und wird heutzutage wohl am ehesten hartgesottenen Kennern des Genres etwas sagen. Entwickelt von Wolf Mittag und Arne Niemuth kann der kaum 10MB große Download über die offizielle Webseite der Entwickler zu einem Preis von 12.50 € erworben werden. Mit einer Spielzeit von ca. 6-8 Stunden und gebotener Wiederspielbarkeit mit Sicherheit ein faires Angebot.

Anders als man vielleicht denken würde, kontrollieren wir in Teudogar nicht etwa den namensgebenden Germanen, sondern einen seiner männlichen Stammesgenossen, dem wir noch dazu selber Aussehen und Namen verpassen dürfen. Zu Beginn der Geschichte herrscht in unserem Stamm Zweifel darüber ob ein Bündnis mit dem römischen Kaiserreich trotz der drohenden Tributpflicht ratsam sein könnte oder ob vielmehr der Widerstand gegen die römische Großmacht, der richtige Handlungsweg wäre. Je nach Wahl des Spielers splittet sich die Geschichte in zwei unterschiedliche Routen, inklusive einer Vielzahl möglicher Ausgänge auf.

Auf unserer Reise durch die Welt von Teudogar können wir allerlei vielfältige Gegenstände – dies reicht von Waffen bis hin zu Nahrungsmitteln, Schmuckstücken, Handwerkswahren etc. – aufnehmen und zu unserem Inventory hinzufügen. Da sich die Entwickler zum Vorsatz genommen haben, ein dem historischen Kontext angepasstes realistisches Szenario wiederzugeben, wird unsere maximale Tragkraft im Verlauf des Spiels jedoch lebensnahe 27Kg nicht überschreiten. Ein gutes Management eurer Besitztümer, häufige Zwischenstopps in den eigenen vier Wänden und gekonntes Handeln werden somit beim Spieler vorausgesetzt.

Die Fülle an benutzbaren Handwerksgegenständen – so wird es etwa möglich sein mit Angelschnüren eigene Fische zu fangen, einfache Kleidung selber zu nähen, Tränke zu brauen oder Metall zu verarbeiten – erinnert durch seine Vielfältigkeit an die klassischen Ultima-Spiele. Auch wird unser Protagonist z.B. in regelmäßigen Abständen Nahrung zu sich nehmen müssen um nicht zu verhungern und ausreichender Schlaf gehört ebenso dazu, wenn man sich dem Imperium Romanum und den Streitigkeiten unter den einzelnen Stämmen entgegenstellt.

 

Optionen wie Taschendiebstahl, Waffenverzauberung durch Segen der Götter (Wodan etc.) oder eine Berserkerkraft, bei der sich der Hauptcharakter die Kleider vom Leib reist und unkontrolliert auf die Gegner zustürzt, lassen sich durch bestimmte NPC im Verlauf der Handlung erlernen. Das Kampfsystem präsentiert sich derweil in einem klassischen rundenbasierten Modus, der sowohl simpel als auch selbsterklärend mit beschränkten Optionen daherkommt. Gewonnene Kämpfe – es gibt kein Levelsystem – erhöhen eure Finesse im Kampf und eure Lebenserfahrung. Ähnlich wirken sich anderweitige Aktionen auf andere Attribute (Charisma. Handwerk, etc.) eures Charakters aus.

 

Zusammen mit den KI-Routinen der Nichtspieler-Charaktere (diese Wechseln die Locations, legen sich des Nachts schlafen, helfen befreundeten Charakteren im Kampf, etc.) vermittelt Teudogar in seiner Gesamtheit das Gefühl einer lebendigen Spielwelt, die sich schon bei Release nicht vor der großen Konkurrenz (etwa Gothic I (2001), Morrowind (2002)) zu verstecken brauchte.

 
Optisch kommt Teudogar und das Bündnis mit Rom in einer klassischen Vogel- perspektive, ähnlich der alten Ultima daher und präsentiert sich in schönster 8Bit-Pracht. In Gesprächen beehren uns darüber hinaus noch sprechende Köpfe, wie sie etwa aus der klassischen Nordlandtrilogie bekannt sein sollten. Wolf Mittag ließ mich wissen, dass Teudogar unter Windows 8 heutzutage nur über Umwege lauffähig sein soll, z.B. ein Umweg über einen Linux-USB-Boot-Stick mitsamt Wine. Unter Windows 7 (auch 64Bit) sollte das Spiel jedoch keine Probleme bereiten, was ich auch bestätigen kann.

Fazit
Seitdem ich bereits vor vielen Jahren das erste mal die Demo zu Teudogar gespielt hatte, hat mich die Erinnerung an dieses interessante Rollenspiel nie gänzlich loslassen können. Angetrieben durch meine Partizipation für den Ladebalken, wollte ich mich jetzt, 10 Jahre nach Release des Germanen-Rollenspiels, endlich einmal in die Vollversion stürzen. Teudogar ist eines dieser Spiele, in das man sich während einer Session verlieren kann und dabei die Zeit vergisst, nur um irgendwann auf die Uhr zu schauen und zu merken, dass es schon weit nach Mitternacht ist. Ob dafür die Retro-Grafik, die spannende Geschichte oder das zugleich simple als auch aufwendige Gameplay verantwortlich ist, kann ich nicht sagen. Vermutlich ist es einmal mehr die Kombination aus alledem sein, das Gesamtpaket, welches Wolf Mittag und Arne Niemuth uns hier zusammengeschnürt haben.

 
Teudogar und das Bündnis mit Rom konnte mich in den letzten Tagen mindestens genauso fesseln, wie es einst das Imperium Romanum mit der freien Welt vorgemacht hatte. Für Rollenspieler, die einem Retro- und Hardcore-Flair nicht abgeneigt sind, mehr als zu empfehlen!
 
Aus privatem Interesse würde mich des Weiteren eure Meinung zu dem Thema Classic-Tests interessieren. Wollt ihr in Zukunft mehr davon auf dem Ladebalken sehen?

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